Ein eigenartiges Geräusch begleitet uns nach Jena. Irgendetwas unter der Motorhaube klingt nicht gesund, doch es scheint nichts Dramatisches zu sein. Shortee fährt. Kantige Beats fliegen durch den Qualm meiner Müdigkeit. Noch eine Zigarette drehen? Klar. Vom wem ist der Mix? Aha.
Wir nähern uns dem Hermsdorfer Kreuz und damit der Frage, wie wir am schnellsten zum Jentower kommen. The Grunge und Adman Mille enthalten sich der umständlichen Navigitation. Jena Zentrum kann ja nicht so schwer sein. Kopf eingeschalten und an der Ausfahrt vorbeigerauscht. Das ist Aufbau Ost. Es lebe der Strassenbau im Teufelstal. Die Strasse der Klassiker führt uns letzendlich zur Neuen neuen Mitte. Den kleinen Umweg über das verschlafene Örtchen Maua nehmen wir gutgelaunt in Kauf. Mash ups pochen im Herzen des Kleinstadtflitzers, die zweite Zigarette und der Turm schält sich allmählich durch den Nebel.
Die sozialistische Baukunst, die mit dem griffigen Namen Jentower getunt beinahe 160 m in der Höhe misst empfängt uns mit einem gespentischen Pfeifen. Von den Fahrstuhlschächten zischt es durch die leere Empfangslounge. Ist bei Kälte halt so, erklärt ein Angestellter. Das beruhigt ungemein. Na dann hoch ins Vergnügen. Wordcamp 2009 ich bin dabei.
Die Keynote von Matt Mullenberg läuft bereits, das Foyer im 27. Stock - voll. Die kleine bloggerwelt scherzt über schöne und hässliche Seiten. New Kids on The Block. Die armen, alten Boys müssen mit ihren Gesichtern für Webwitze herhalten. Mullenberg beherrscht die Kunst der Präsentation. Er lächelt in die unzähligen Kameras und die wordpress Gemeinde klebt an seinen Lippen. Sie amüsiert sich bei fair gehandelten Kaffee und Brezeln, stellt Fragen und vier iPhone Besitzer kommen in den Genuss eines W Stickers. Ich mache es mir an einem spektakulären Fensterplatz gemütlich und schaue auf die Schneedecke, in die sich Jena dieser Tage hüllt. Applaus. Der Entwickler bedankt während ein Hubschrauber eine angebliche Fussballfeindschaft überwacht. Ein Zug durchreist die thüringische Modellstadt und die ersten Tweets wandern durch die Twitterwelt. Eine Wi wird aufgebaut. Die ersten Sessions füllen sich. Technik Kram first. Recht und Monetarisierung later. Zeit für Rauch und Mittagspause. Burgercontent beim M, bevor Henning Krieg einige rechtliche Fragen aufklären will.
In seinen zwei Stunden Bloggen & Recht geht der Anwalt offen in die Thematik. Die ersten Fragen melden sich bezüglich des Impressums. Krieg klärt in charmanter Form auf. Datenschutz, Persöhnlichkeitsbezogene Daten, Urheberrechte, CC, Abmahnwann, Beleidigungen. Nichts wirklich Neues aber juristisch spannend erzählt. Krieg kann seine Agenda zwar nicht bis zum Ende durchspielen, doch die Runde will es genau wissen. Es geht um Fotokopien, Geoblogging, Twitter und Podcasts - rechtliche Fragen werden sich zugeworfen, ein amüsantes Ballspiel mit schlüpfrigen Verlegenheiten. Personenbezogene Äußerlichkeiten. Ha, ha. Aber bitte nur einmal.
Die Zeit ist rum und Krieg zieht den letzten Joke aus dem Ärmel. Ihre Mutter. Die sollte den blog auch Lesen können. Da kann man moralisch nichts falsch machen. Trotz unterschiedlich sozialem Background. Die Muttikeule am Ende des Themas Beleidigungen mit Unterpunkt Arschloch - Dankeschön und freundliche Übergabe an einen Geoblogger. Gutes Ende für 90 minuten Basics im Rechteuniversum.
Pause. Kaffee. Die Alternativen money oder geo. Mille ist noch dabei und schreibt Notizen. The Grunge ist eins mit ihrer Cam. Shortee will nach Hause. Mich langweilen die Twittermeldungen, die Wi ist andauern besetzt und es gibt kein Fussball. Die Diskussion über eine Bloggervereinigung geht erst in einer Stunde über die Bühne. No Tool - No Fun. Die tippende Bloggerpower macht mich müde. Das Vatiargument als Gelegenheit. Zurück nach Leipzig. Gute Idee. The Grunge bleibt, Mille lotzen wir umständlich aus dem Administratorentreff.
Aus die Maus. Kurz aber schön. Bye bye Jena. Du liebliche Stadt. Wir wollen nicht twittern, dafür fehlt uns das unbedingte Mitteilungsbedürfnis. Etwas Passives im Aktivzentrum. Es war ein schöner Ausflug in die Gemeinde der Worldpress Welt. Die in ein Tal hineingelegte Stadt, nicht hübsch aber auch nicht hässlich, liegt in einem sonderlichen Winterschlaf. Alles karg - so was von gar nicht Web2.0. Und über ihr beinahe schwebend - 250 Leute. Alle auf Doppel U, im Extremfall 17 und so was von Mittendrin. Neue neue Mitte vielleicht. Generation WApfel oder WAscher. Was weiss ich. Noch einmal Fahrstuhl fahren. Von Etage 27 auf Zero. Durchfahrt. Mechanisches DSL. Fahrt ihr zufällig nach Leipzig. Ja. Habt ihr noch einen Platz frei? Ja. Hallo ich bin...
Auf dem Weg witzelten wir über die tweets. Genauso dämlich wie wir in Jena ankommen, so enteilen wir der klassischen Tristesse. Ohne Navi an Bord schlingelen wir uns aus dem Tal. Das eigenartige Geräusch aus dem Motoraum ist verschwunden, Mashups bei Göschwitz und rauf auf die reale Autobahn. Musikalischer Spass bis zur Homebase. Hey, das ist aber beinahe uralt. Raverstimmung bei Weisenfels. Pinkelpause in L.E. downtown. Na klar bleib ich heute abend zu Hause. Offline? - sicher doch.
Warum sie an Barack Obama hassen, was wir lieben. 2012 steht in den USA im Zeichen des Präsidentschaftswahlkampfs und auch Europa schaut gespannt zu. Christoph von Marschall erklärt die unterschiedlichen politischen Kulturen dies- und jenseits des Atlantiks und entlarvt typische Vorurteile auf beiden Seiten
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