kukidenta

Blog von kukidenta

14.03.2009 | 20:58

Die T.C. Boyle Performance zur Buchmesse

Um kurz nach Neun betritt T.C. Boyle gutgelaunt die Bühne. Seine charmante Begrüssung spricht er in Deutsch und im Intro des angekündigten "Rock-Konzerts der Worte" entsteht ein unterhaltsamer Talk zu seinem neuen Buch "The Women of Frank Llyod Wright". Boyle und der Moderator verstehen sich prächtig und die Fragerei kann beginnen.

Warum gerade dieser Architekt? Weil Boyle seit 13 Jahren in einem von Wright entworfenen Haus wohnt. Weil er es restaurierte und sich für Wrights Leben interessierte.
Warum gerade die Frauen? Weil sie die interessantere Spezie ist. Wunderbar.
Die Hörer werden mit humorvollen Anekdoten gefüttert. Boyle blüht auf und redet sich für seine eigentliche performance warm.

Er liest das zweite Kapitel und stellt Miriam vor. Miriam, die erste Frau von Wright hat unheimliche Bauchschmerzen und ist auf der Suche nach morfina.
Boyle ist in seinem Element. Er formt seine Bilder. Schräge Vögel, die Grenzen verwischen und in der Eleganz des Sprechens durch die Halle flirren. Halluzination? Nein, Boyle.

Der amerikanische Schriffsteller aus Santa Barbara versteht sein Handwerk. Gut schreiben und gut vortragen. Nach zehn Minuten übergibt er an einen Herrn, der das Kapitel in Deutsch weiterliest. Der Rausch endet abrupt. Miriam hält den Brief ihres Noch Mannes in der Hand. Scheidung, nachdem sie ihm sechs Kinder geboren hatte? Kein Skandal, ein Erdbeben. Und eine private Katastrophe.

Boyle liest das Ende des Kapitels. Doch dummerweise muss mein Sitznachbar gerade unbedingt telefonieren. Ich könnte ihn dafür Ohrfeigen, denn ich verstehe kaum ein Wort. Ende. Geselliger Applaus und eine anschliessende Fragerunde inklusive Autogrammsession.

Ein Rockkonzert der Worte war die performance von T.C. Boyle zwar nicht, aber ein idealer Teaser für seinen neuen Roman. Ich habe mich eine Stunde köstlich amüsiert. Allein Boyle mal von Nahen zu sehen, war die Reise in die Spinnerei wert.

Und nächstes Jahr gibt es dann wieder Geschichten. Wann ich das nur alles lesen soll?
 
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