kukidenta

Blog von kukidenta

18.03.2009 | 12:41

Peter Scholl-Latour: Eine robuste Natur, die Unsinn brabbelt

Im zweiten Teil der gestrigen Sendung Menschen bei Maischberger trafen die Herrn Scholl-Latour, Wickert und Friedmann aufeinander, um über die Frage Gehört Moral in die Politik? zu diskutieren.
So freute sich die Moderatorin Sandra Maischberger auf die kommenden 45 Minuten und begann die Runde mit illustren Einblicken in die Robustheit und Menschlichkeit des 85-jährigen Peter Scholl-Latour.

"Machen sie immer noch täglich Frühsport um sich fit zu halten?"
"Sicher. Liegestütze, Kniebeuge und anderen Übungen.
"

"Sie Haben auch Opium geraucht."
"Ja, das haben wir doch alle. "

Doch nachdem er bemerkte dass Opium halluzinatorischen und nicht erotischen Rausch mit sich bringt, hat er sich schnell davon verabschiedet. Wickert und Friedmann grinsen verhalten und werden leider nicht mit ihren Drogenerfahrungen konfrontiert. Also ich hätte gern noch einmal die Kiffer - und Koksgeschichten der beiden gehört. Es geht ja schliesslich um die Moral.

Soweit so gut. Der Einstieg gelingt. Wir hören, dass Ulrich Wickert Scholl-Latour in den späten 60er Jahren vergötterte, "weil er die Revolution liebte". Obwohl er auf der anderen Seite stand. Scholl-Latour begründet seine Faszination mit einer gewissen Erotik, die von dem Studententreiben ausging.

Nach diesen Informationen schüttelt Maischberger ihren Aufhänger aus dem Ärmel.

Herr Scholl-Latour. Sie haben vor kurzem gesagt, ich zitiere: "Ich glaube nicht mehr daran, dass der Mensch gut ist."
Was Scholl-Latour dann von sich gibt, erschaudert mich.

"Der Mensch braucht eine gewisse Ordnung und auch eine gewisse Zucht."


Kein Widerstand von Wickert. Der versucht das düstere Gebrabbel mit klaren Regeln für junge Menschen zu konkretisieren. Das erschrickt mich beinahe noch mehr. Trost finde ich bei Friedmann der sich zwar für Regeln ausspricht, aber von Zucht nichts wissen will.

Da die Runde nun bereits den jungen Menschen in Betracht sieht, ist ein kurzer Ausflug zu den schrecklichen Stunden von Winnenden vorprogrammiert.

Scholl Latour, sicherlich ein begnadeter Experte in Sachen Aussenpolitik glänzt wieder mit Unwissenheit und mit einer gewissen Respektlosigkeit dem Neuen gegenüber.

"Der Amoklauf, das ist ein Effekt der Videospiele.
"

So einfach lautete die Formel des greisen Herren und niemand aus der Runde widerspricht. Und er setzt dem Unsinn unweigerlich die Krone auf.
Jungs haben seiner Ansicht nach Minderwertigkeitskomplexe den intelligenteren Mädchen gegenüber. Aha, deswegen tötete Tim K. also hauptsächlich Schülerinnen. Wieder gibt es keine gegensätzlichen Meinungen dazu, und ich vermutet Wickert, Friedmann als auch Maischberger trauen sich aufgrund übergeordneten Respekts nicht Scholl-Latour auf die Schuhe zu treten. Oder ist das wirklich des Pudels Kern?

Und als Scholl-Latour abschliessend resümiert, man solle doch keine grosse Story um dieses Thema machen, frage ich mich, warum er sich ohne glaubwürdiges Expertenwissen so äussert.
Kann er nicht einfach sagen, er habe keine Ahnung von der heutigen Jugend und ihren merkwürdigen Gebaren? Nein, kann er nicht, weil die Jugend in seinen Augen an Verrohtheit nicht mehr zu übertreffen ist, und dass er sich bei den schlimmsten Diktatoren sicherer fühlt als in einem wüsten Jugendzimmer.

Zum Glück widmete sich Sandra Maischberger und die drei Herren im Anschluss an diese erschreckende Stammtischexkursion dem außenpolitischen Feld. Und es kehrte für die letzte halbe Stunde wieder Verstand in die Diskussion.
 
Senden Bookmarken Drucken
Kommentare
Frontbumpersticker schrieb am 19.03.2009 um 15:12
Wobei auch die aussenpolitschen Ansichten Scholl-Latours höchst abstrus sind.
kukidenta
Antiheld aus Heldenstadt
Ort:
Leipzig
Mitglied seit:
3 Jahre 19 Wochen
Zuletzt aktiv:
10.06.2009
Status:
Publizist
Aktivität:
Beiträge: 19
Kommentare: 85
Logbuch
15:27
Rosa Sconto hat gerade einen Blogbeitrag erstellt.
15:24
Sisyphos Boucher hat gerade einen Kommentar geschrieben.
15:23
Sisyphos Boucher hat gerade einen Kommentar geschrieben.
15:21
Sisyphos Boucher hat gerade einen Kommentar geschrieben.
15:21
lebowski hat gerade einen Blogbeitrag erstellt.
Jürgen Roth Gazprom – das unheimliche Imperium Westend Verlag 2012

316 Seiten. Gebunden.

19,99
 
Das Imperium Gazprom verfügt über eine eigene Armee und einen mächtigen Geheimdienst. An verantwortlichen Positionen arbeiten ehemalige KGB-Agenten, sein privater Besitz ist absolut geschützt, die Verantwortlichen sind unantastbar. Mit Hilfe williger deutscher und europäischer Industrieller versucht es, den Energiemarkt zu monopolisieren und die Verbraucher abzuzocken. Jürgen Roth enthüllt, wer hinter den Kulissen die Fäden zieht >> mehr
Arte-Kooperation

portlet_ArabienArte.png

portlet-gaertnerbuch.png

wir müssen reden

Augstein und Blome

portlet_Phoenix-12.png

Probe-Abo

probeabo260x120.jpg

Aktuelle Ausgabe bestellen
Der gefährlichste Mann Europas?

Ausgabe 21/2012
24.05.2012

keine Versandkosten
kein Aufpreis

Einzelpreis: 3.60 €

>> bestellen
der Freitag Kollektion

Freitag-Kollektion_Gaertner.jpg

Arte

portlet_arte+zeile.pngportlet_arte+zeile.png

Freitag-Buchshop.png

 
 
 
 
© der Freitag Mediengesellschaft mbH & Co. KG