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Soziale und solidarische Ökonomie in Frankreich
– Am Beispiel des Dorfes „Faux-la-Montagne“
Faux-la Montagne - village d'economie sociale et solidaire
Faux-la-Montagne ist ein 365- Einwohnerdorf, welches in dem Landschaftsgebiet Plateau de Millevaches (zu deutsch „das Plateau der tausend Kühe“), Region Limousin (Frankreich), liegt. Dort verbrachte ich, vor einigen Wochen, ein paar Tage und besuchte unterschiedliche Einrichtungen die ihre Version einer „Solidarischen/Sozialen Ökonomie“ praktizieren und leben. Mir wurde während eines Seminars die Möglichkeit geboten diese verschiedenen Einrichtungen kennen zu lernen und viele Fragen zu stellen. Da dies mein so ziemlich erster Kontakt war mit solch einer alternativen Ökonomie und Arbeitsweiße, war ich sehr interessiert und habe mich im Laufe der vergangen Wochen versucht weiterhin über dieses Thema zu informieren. Nun folgt ein erstes Resümee. - Die soziale und solidarische Ökonomie in Faux-la-Montagne -
Soziale und solidarische Ökonomie in Frankreich
Die ersten Theoretiker der sozialen Ökonomie treten zu Beginn des 19. Jahrhunderts als Reaktion auf die industrielle Revolution auf die Bühne. Erst Ende 1981 taucht allerdings das Wort "soziale Ökonomie" das erste Mal in den französischen Gesetzen auf und bezeichnet damit die Genossenschaften, Einrichtungen zur gegenseitigen Hilfe und jene Vereinigungen, deren Produktionsaktivitäten sie diesen Organisationen angleichen“ (Dekret vom 15. Oktober 1981 zur Schaffung einer Kommission für soziale Ökonomie). Als Gründungsjahr der sozialen Ökonomie gilt 1980, als das Nationale Verbindungskomitee die Vereinigungen der Versicherungsvereine ("mutuelles"), der kooperativen und genossenschaftlichen Aktivitäten, die 1976 gegründet wurde, ihre Charta der sozialen Ökonomie veröffentlichte (vgl. Beitrag unten).
Wie definiert sich die soziale und solidarische Ökonomie?
Die soziale und solidarische Ökonomie begründet eine Firma oder eine Einzelunternehmung, deren Zwecke auf die menschliche Persönlichkeit gerichtet sind: Die Arbeitserträge kommen den ArbeitnehmerInnen zugute und die Kapitalkosten werden den Gestehungskosten zugerechnet. Sein Ziel ist es, Initiativen zu entwickeln, den sozialen Zusammenhalt zu stärken und zur Schaffung neuer Arbeitsplätze beizutragen. Die soziale Ökonomie setzt sich aus drei grossen Familien zusammen: Die Vereine, die Genossenschaften und die Versicherungsvereine (mutuelles). Die soziale Ökonomie fasst Initiativen zusammen, verbindet diese mit der Organisierung verschiedener Ersparnisflüsse, sozialen Innovationen im Bereich der Wiedereingliederung, der Schaffung neuer Arbeitsplätze und neuer Dienstleistungen. Dazu gehört auch der gerechte Handel und die Schaffung neuer Tochterorganisationen oder Partnerschaften, die beim Austausch von Gütern und Dienstleistungen den Regeln der Ethik, der sozialen und ökologischen Verantwortung folgen. Diese Organisationen besitzen drei wesentliche Eigenschaften:
Es ist ein Zusammenschluss von Personen aufgrund dessen, was sie als Personen sind, nicht aufgrund dessen, was sie haben oder besitzen; alle GesellschafterInnen haben das gleiche Mitspracherecht; die Mitglieder verfügen alle über ein unteilbares Erbe, das Ihnen erlaubt, sich zu "sozialisieren", d.h. am gesellschaftlichen und politischen Leben teil zu haben.
Rechtliche Rahmenbedingungen und Rechtsformen
Die Assoziationen und Kooperativen, Versicherungsvereine, Stiftungen, Organisationen der sozialen Eingliederung und der gerechte Handel (Fair trade) sind die sechs Einheiten der sozialen und solidarischen Ökonomie. Es gibt eben so viele verschiedene Rechtsformen, aber alle haben das gleiche Ziel: die Solidarität.
Quelle: www.viavia.ch/spip/article.php3?id_article=736 (AutorInnen-Kollektiv des "Hauses der WeltbürgerInnen" Mulhouse)
Als wir in Faux-la-Montagne ankamen trafen wir uns zuerst in der Gemeindehalle mit dem Bürgermeister des Dorfes, der auch als einer der Begründer der solidarischen Ökonomie in dieser Region gilt. Seit nunmehr circa 30-40 Jahren setzt er sich ein für ein gerechteres und sozialeres Arbeitsumfeld.
Er stellte uns kurz die verschiedenen Unternehmen im Ort vor, die nach der Solidarischen/Sozialen Ökonomie handeln und arbeiten. Dabei hatten alle gemein, dass:
jeder Arbeiter gleichzeitig auch Besitzer /Anteilseigner ist
jeder Arbeiter gleichviel zu sagen hat (1 Stimme pro Arbeiter)
es gibt keine unterschiedliche Positionen oder Titel („möglichst flache Hierarchiestrukturen“)
alle den gleichen Stundenlohn verdienen
das Entscheidungen von allen gemeinsam beschlossen/gefällt werden (meist per Konsensentscheid{Der Konsens bedeutet die Übereinstimmung von Menschen − meist innerhalb einer Gruppe − hinsichtlich einer gewissen Thematik ohne verdeckten oder offenen Widerspruch. www.wikipedia.de})
Während der anschließenden Fragerunde, wollte einer der Seminarteilnehmer wissen ob sich diese Arbeiter/Unternehmer am Kommunismus orientieren ? - Wobei der Bürgermeister meinte, dass einige Aspekte übereinstimmen, allerdings sagte er, dass sie in Faux-la-Montagne dem Konzept der solidarischen/sozialen Ökonomie folgen, nicht dem des Kommunismus.
Einige der Betriebe/Projekte im Überblick:
Télé Millevaches: Ein regionaler Fernsehsender, dessen Büroräume sich im Gemeindezentrum befinden. Der Fernsehsender Télé Millevaches nimmt auch Aufträge entgegen und veröffentlicht ansonsten meist Dokumentation, über das Leben der Leute vor Ort, die in regelmäßigen Abständen, meist an Abonnenten, verkauft werden. (www.telemillevaches.net)
La Navette: Eine Wirtschafts-Zeitschrift die ausschließlich über die solidarische/soziale Ökonomie berichtet. Die Redaktion war zuvor in Paris ansässig, ist aber vor ein paar Jahren in das kleine Dorf Faux-la-Montagne gezogen. (www.la-navette.net)
Die Redakteure der Zeitschrift „La Navette“ arbeiten alle nur zu 50 % . Auf Nachfrage warum sie nicht Vollzeit arbeiten, meinten sie, dass ihnen das Geld reicht und außerdem seien so mehrere Arbeitsstellen vorhanden und es könnten mehrere Mitarbeiter ihre Familien und sich selbst ernähren.
Ein Sägewerk, welches von 20 ehemaligen Parisern gegründet wurde, die vor 20 Jahren nach Faux-la-Montagne kamen, anfangs nur mit dem festen Willen nicht in einem normalen Betrieb arbeiten zu wollen. Völlig ohne Vorkenntnisse bauten sich diese jungen Leute ein eigenes, heute erfolgreiches, Sägewerk auf. Und leben ihren Traum von einer anderen Arbeits- und Wirtschaftsweiße.
In der Nähe von Faux-la-Montagne, auch in einem kleinen Dorf ( Royères), wurde vor einigen Jahren ein kleines Kulturzentrum gegründet. Dieses Kulturzentrum namens „L'Atelier“ besteht aus einem Restaurant, einem Internet-Café, Büroräumen, aus Veranstaltungsräumen und vielem mehr. Es werden z.B auch Konzerte veranstaltet und Schulungen angeboten. (www.latelier23.free.fr)
Bewundernswert finde ich nicht nur diese Betriebe, sondern auch diese kulturelle Vielfalt und Vitalität, die in sonstigen Dörfern, solcher Größe, nicht zu finden ist.
Diese willkommen Alternativen die zum Teil schon seit 40 Jahren erfolgreich bestehen, wecken meinen Mut und denke ich zeigen, dass es auch anders geht als es uns bisher immer eingetrichtert wurden ist. JA zur solidarischen und sozialen Ökonomie.
(Da dieser Aufenthalt nun schon ein paar Wochen zurück liegt und da es z.B auch auf Grund von Übersetzungsfehlern zu Missverständnissen gekommen sein kann, bitte ich sie hiermit um Verständnis und ich erhebe keinen kompletten Anspruch auf die Gültigkeit meiner Aussagen.)
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dito
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das klingt nach einem sinnvollen urlaubsziel...
warst du in einer gruppe dort? danke für die weierführenden links auch... |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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