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Blog von Lago

10.10.2009 | 17:04

Big in China: Tennis-Diplomatie?

Bereits den Offenen Französischen Tennismeisterschaften stand im Doppelhalbfinale der Frauen ein chinesisches Duo. Keine Besonderheit, könnte man meinen, waren doch etwa Zheng Jie und Yan Zi noch vor ein paar Jahren ein gewohnter Anblick in den Finals der Grand Slams und Li Ting and Sun Tiantian gewannen Gold in Athen. Bemerkenswert an dem Duo Hsieh Su Wei/Peng Shuai ist: Beide kommen aus China, aber nicht aus demselben.

Bekanntlich gibt es zwei Staaten dieses Namens, die noch dazu dasselbe Staatsgebiet umfassen. Und beide haben Probleme mit abtrünnigen Gebieten: Bei der Republik China gehören dazu 34 Provinzen, zwei Regionen und zahlreiche Städte, im Falle der Volksrepublik China handelt es sich lediglich um eine einzige abtrünnige Provinz. Und aus eben dieser Provinz Taiwan kommt Hsieh Su Wei, und ist damit Staatsbürgerin der international nicht vollständig anerkannten Republik China, während ihre Partnerin Peng Shuai aus Hunan stammt und nun in Tianjin lebt, welche beide von der Volksrepublik China kontrolliert werden.

Im volksrepublikanischen staatlichen Sportsender CCTV5 wurde der Erfolg des Duos bei den French Open noch recht verschämt präsentiert und Interviews mit Hsieh wurden mehr oder weniger ausgespart. Dies hat sich jetzt beim Auftritt der beiden in der Hauptstadt der Volksrepublik beim gut besetzten Doppelturnier der China Open geändert. Im Einzel waren alle chinesischen Hoffnungen recht früh ausgeschieden und die geplante breite Übertragung durch CCTV5 setzte notgedrungen auch auf das zwichinesische Doppel ("cross strait double" - wobei mit strait die Straße von Taiwan gemeint ist).

Tennis ist nun eine für das vr-chinesische Sportsystem eher ungeeignet: Teure Ausrüstung, teure Trainingsplätze, individuelle Betreuung beim Training notwendig. Das klassische chinesische Kadersystem mit festen, staatsangestellten Trainern brachte hier nie internationalen Erfolg. Von den Athleten wurde deshalb schon früh etwa die Aufhebung des Werbeverbotes gefordert und der Wunsch geäußert, sich selbst einen (auch nicht-vr-chinesischen) Trainer suchen zu können. In den letzten Jahren gab es diesbezüglich eine Öffnung bei den Sportfunktionären. Einigen chinesische Tennisspielerinnen wurde bereits erlaubt, sich selbst Sponsoren und Trainer zu suchen.

Peng Shuais Trainer war bereits 2007 ein taiwan-stämmiger Amerikaner namens Michael Chang, der auch in der Volksrepublik ein Sportidol darstellt. Derzeit wird Peng vom algerisch-französischen Ex-Profi Tarik Benhabiles trainiert, der u.a. Roddick und Gasquet an die Weltspitze brachte. Insbesondere Pengs "fehlendes nationales Bewusstsein" war mehrfach ein Streitpunkt bei den vr-chinesischen Sportfunktionären und auch bei ihren nationalen Kollegen. Der Sport hat hier allerdings einen nicht wegdiskutierbaren Maßstab: Erfolg.

Nach dem heutigen Sieg bei den China Open haben Hsieh/Peng erst einmal ihre Position als beste asiatische Doppelpaarung gegenüber Zheng/Yan bestätigt. Und Hsieh Su Wei ist zum Bestandteil der vr-chinesischen Sportmedien-Öffentlichkeit geworden.

 
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