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Bernie Ecclestone hat gerade schlaflose Nächte. Nicht etwa wegen der Affäre um die Bayerische Landesbank und deren damaligen Vorstand Gribkowsky, der laut Ermittlungen einen Millionenbetrag als "kick back" von Ecclestone erhalten haben soll. Dergleichen, so stimmen Insider überein, bereitet Ecclestone keine Sorgen. Korruptinsvorwürfe, Vorteilsnahme, Manipulation und Bestechung, über all das is der Formel 1 Chef bereits seit langem erhaben und Anwürfe dieser Art entlockem ihm höchstens noch ein müdes Lächeln. Darüber hinaus hätte Ecclestone von Deutschen Staatsanwälten auch gar nichts zu befürchten; ein Umstand, den der umtriebige Motorsport-Zar auch durchaus zu würdigen weiß.
Nein, was Ihm jetzt wirkliche Sorgen bereitet, das ist der Start der Formel 1 Saison 2011, der eigentlich für den 13. März in Bahrain geplant ist. Eigentlich, denn völlig unerwarteter Weise, aus gänzlich unerklärlichen Gründen, haben die Bahrainis, in der Mehrheit Schiiten, beschlossen, sich gegen das sunnitische Herrscherhaus zu erheben.
Vordergründig geht es bei dem Aufstand um demokratische Reformen für die Bevölkerung, wie eben auch in Ägypten und Tunesien. Aber das kann natürlich ganz und gar nicht der wirkliche Grund sein. Denn wäre Bahrain keine "astreine Demokratie", ja dann würde die Formel 1 doch nicht schon seit 2004 in dem Land gastieren, oder? Niemals würden finanzielle Interessen dazu führen, dass dieses Sportereignis in einem Land stattfindet, welches nicht den höchsten Ansprüchen an rechtsstaatliche Anforderungen und demokratische Spielregeln genügt.
Weshalb also nun dieser Aufstand? Etwa lediglich, um Bernie Ecclestone um ein paar kümmerliche, schwer im Schweiße seines Angesichts verdiente Dollars zu bringen?
Insgesamt scheinen die Proteste jeglicher für uns nachvollziehbaren Grundlage zu entbehren. Bei 600000 Staatsangehörigen beträgt die Arbeitslosenquote weniger als 5%, niedere Tätigkeiten werden von Gastarbeitern aus Asien ausgeführt. Es gibt eine Arbeitslosenversicherung und wer arbeitet muß keine Einkommensteuer bezahlen. Das Bruttoinlandsprodukt liegt nach Berechnungen des IWF bei 2000 US Dollar und damit fünfmal höher als in Tunesien und sogar sechsmal höher als in Ägypten.
Dagegen hält sich die Unterdrückung der schiitischen Bevölkerungsmehrheit noch immer in relativ erträglichen Grenzen. Kein Zugang zum Staatsdienst, ab und an ein verhafteter schiitischer Geistlicher und der unbürokratische Import von Sunniten aus dem Jemen, Pakistan und Syrien zum Einsatz in der Polizei und den Sicherheitskräften. So schlimm ist das doch alles nicht. Was wollen diese Leute denn noch?
Schließlich hat erst vor 10 Jahren König Hamad bin Isa seinen Untertanen demokratische Reformen versprochen. Sowas dauert halt seine Zeit, da darf man nichts übereilen.
Nein, es steht zu befürchten, dass es sich bei den Protesten in Wirklichkeit lediglich um eine kleine Gruppe militanter Motorsportgegner handelt, deren Ziel es ist, der Formel 1, und mit ihr Bernie Ecclestone, einen schweren Imageschaden zuzufügen.
Allerdings muss erwähnt werden, dass diese Fantiker wohl wirklich vor nichts zurückschrecken. In Manama, der Hauptstadt von Bahrain, sind in den vergangenen Tagen mindestens 3 Menschen ums Leben gekommen. Die Zahl der Verletzten und Verhafteten ist nicht bekannt.
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Ich hätte da auch noch eine relativ unverbreitete Nachricht aus Bahrain. Der unten folgende Text stammt von ai vom 11.02.2011. Wie immer lade ich herzlich zur Teilnahme an der Urgent Action ein.
www.mersi-amnesty.de/index.php?m=5&id=65&UID=21023eb7d9dc3503c5a628677b3524c6 Mindestens 200 Personen werden an einem unbekannten Ort in Bahrain festgehalten, weil sie eine Party besucht hatten, die in einigen lokalen Medien als "Schwulenparty" bezeichnet wurde. Die inhaftierten Personen sind bisher nicht unter Anklage gestellt worden. In den Medien wird berichtet, dass viele der Partygäste "schwul" seien und "sittenwidrige" Handlungen begangen haben sollen. Medienberichten zufolge nahm die Polizei am 2. Februar mindestens 200 Personen auf einer Party im Hidd Sports Club in al-Muharraq fest. Die Polizei führte in der Veranstaltungshalle in den frühen Morgenstunden eine Razzia durch, nachdem sich Anwohner über den Lärmpegel beklagt hatten. Lokalen Medienberichten zufolge sollen einige Anwesende Alkohol getrunken haben, während andere - männliche - Partygäste Frauenkleider getragen haben sollen. Der Aufenthaltsort der festgenommenen Personen ist weiterhin unbekannt. In den Medien wird berichtet, dass sie "sittenwidrigen Verhaltens" beschuldigt werden. Amnesty International vorliegenden Berichten zufolge wurden die Fälle der inhaftierten Personen zur Anklageerhebung an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet. Viele der Inhaftierten sollen aus Golfstaaten oder anderen arabischen Ländern stammen. Amnesty International ist bisher nicht bekannt, worauf sich die Anschuldigungen des "sittenwidrigen Verhaltens" stützen. Sollten sich die über 200 Personen nur aufgrund ihrer vermeintlichen sexuellen Orientierung bzw. Geschlechtsidentität in Haft befinden, so fordert Amnesty International ihre sofortige Freilassung. Alle diejenigen, die nur aufgrund ihrer vermeintlichen sexuellen Orientierung bzw. Geschlechtsidentität inhaftiert sind, werden als gewaltlose politische Gefangene betrachtet. Das Recht auf Nichtdiskriminierung aufgrund des Geschlechts umfasst auch die sexuelle Orientierung und ist Teil vieler internationaler Verträge, so auch des Internationalen Paktes über bürgerliche und politische Rechte (IPBPR), dessen Vertragsstaat Bahrain ist. |
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Danke für diesen Hinweis, KalleWirsch!
Solcherlei Verhaftungen finden gewöhnlich unter Ausschluß der Öffentlichkeit statt; wie auch die weiteren Schicksale der Verhafteten. Nur breite öffentliche Aufmerksamkeit und Protest bei den entsprechenden Stellen kann verhindern, dass die Opfer dieser Aktionen weiterer Willkür und Misshandlung ausgesetzt sind. |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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