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Letztens habe ich einen mehr oder weniger interessanten alternativen Jobratgeber gelesen. Darin wurde mir erklärt, wie Arbeitgeber Stellen besetzen und wie Arbeitslose Jobs suchen. Als Arbeitsloser sucht man im Normalfall über Zeitungsannoncen, Internetjobbörsen und Initiativbewerbungen einen Job. Über die ersten beiden Möglichkeiten werden allerdings nur 10 % der Stellen besetzt. Die Initiativbewerbungen verstauben im Normalfall in irgendeiner Schublade oder landen direkt im Papierkorb.
Arbeitgeber suchen zuerst über informelle Wege, dann über Headhunter und Karrierenetzwerke und zum Schluss über Annoncen geeignete Kandidaten. Prinzipiell wird der informelle Weg über Mundpropaganda bevorzugt. Die Schnittmenge zwischen den Revieren, in denen der Arbeitslose sucht, und denen, in denen Arbeitgeber suchen, sind also denkbar gering.
Man versucht bspw. einem anderen Unternehmen einen erfolgreichen Mitarbeiter in der gleichen Position auszuspannen. Allein die Tatsache, dass der Kandidat in einem anderen Unternehmen eine Stelle hat, macht ihn interessant. Auch der Jagdtrieb des Recruiters wird geweckt. Dafür wird man schließlich bezahlt, gute Leute zu holen.
Der Arbeitslose ist deswegen uninteressant, weil er arbeitslos ist. Er muss sich wie eine Ware auf dem Arbeitsmarkt feilbieten. Die Arbeitslosigkeit ist an sich ein Makel, das die Arbeitssuche fast unmöglich macht, ein Ausweis des Versagens des Arbeitssuchenden. Und deswegen wird trotz einer fünfstelligen Zahl an arbeitslosen Ingenieuren über angeblichen Ingenieursmangel rumgeheult. Catch 22. Yossarian übernehmen Sie!
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Ja, aber wenn der Markt so tut, dann muss das richtig, vernünftig und gut für alle Beteiligten sein.
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Die Welt ist schlecht.
Geht's in der Welt dir endlich schlecht, tu, was du willst, nur habe nicht recht! - Johann Wolfgang von Goethe - Auch hier ist es nichts anderes als die Marktwirtschaft, die wir ja alle wollen - irgendwie, aber nicht überall. Nur das knappe Gut ist wirklich wertvoll. Arbeitslose gibt es ja genug. Oder anders: Angestellte Ingenieure verkaufen sich über den Wert, arbeitlose Ingenieure verkaufen sich über den Preis. Am billigsten sind sie über ein Praktikum zu bekommen. |
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Ein weiterer Faktor ist die geringe Bereitschaft ein angemessenen Lohn zu zahlen. Das was man verdient reicht gerade mal für ein Paar italienische Pumps. Ein Doktor in Physik aus meinen Bekanntenkreis lotst mittlerweile Stellen in USA aus um sich dort etwas zu suchen.
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Ich wage zu bezweifeln, dass es in den USA besser ist.
Die sind auch pleite. Und Uni-Absolventen gibts da auch reichlich. Blieben noch Auswanderer-Länder wie Neuseeland oder Norwegen. Habe ich schon dran gedacht. |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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