Ich hatte es schon geahnt, als der Vorspann des Films gestern abend auf phoenix lief. Das wird ein tiefeinschneidendes Thema, und das, obwohl ich den Film vor einiger Zeit schon mal gesehen habe.
Was Brian Steidl in den letzten Jahren im Sudan erlebte, ist unbeschreiblich, er lässt seine Bilder sprechen, denn er hat die Abschlachtungen, bei lebendigem-Leib-Verbrennungen und andere Greueltaten tausendfach fotografiert. Das geht an die Nieren, er fotografiert die Opfer, das heißt Leichenteile, verkohlte weitaufgerissene Kindermünder, blutige verfaulende Männerkörper, die traumatisierten und verlassenen weiblichen Vergewaltigungsopfer.
Brian Steidls Vater war im US-Militär und auch Brian selbst schlug die US-Marine-Laufbahn ein, ein junger Mann, der an Ehre, Vaterland und Gerechtigkeit glaubt.
Später, ab 2005, arbeitet er dann für eine Mission, die den Waffenstillstand zwischen Nord und Süd-Sudan beobachten und dokumentieren soll. Hat drei Männer, die ihn begleiten.
Was sie sehen, erleben und dokumentieren, ist der absolute Schock für ihn. Er weiß, er wird gerade Zeuge von Morden an Unschuldigen, an Frauen und Kindern, Männern, Familien, die in Hütten leben von der Hand in den Mund. Einfache, in einfachsten Verhältnissen lebende Menschen.
Ihr Vergehen: sie sind Schwarzafrikaner, Teilen der Regierung und ihren Handlangern, den arabischen Teufelsreitern, den Dschandschawid, die mordend, brandschatzend, vergewaltigend und plündern über die Dörfer herfallen, ein Dorn im Auge.
Die Opfer sind ihnen hilflos ausgeliefert. Als er dies zum ersten Mal mitbekommt und filmt, schickt er sofort emails und Post nach Hause in die USA, da er überzeugt ist, sobald die Öffentlichkeit von diesen Massakern Wind bekommt, werden Friedenstruppen nach Darfur geschickt, die UN und die übrige Welt wird helfen...
Die Resonanz auf seine Versuche, aufzurütteln: betroffene Mienen, Mitleid und die Beteuerung, man werde alles tun, um da zu helfen.
Aber, es geschieht nichts. Die Massaker gehen weiter. Bis zur Fertigstellung des Films waren etwa 400.000 Menschen brutal ermordet worden, das ist schlimm und schrecklich genug, erfüllt obendrein den Tatbestand des Völkermordes.
Offensichtlich kann politisch nichts dagegen getan werden. Man ist fassungslos.
Brian Steidle wird als Held gefeiert, sein Film "The Devil came on horseback", der 2008 auch in Deutschland erschien, heimst viel Beifall ein. Das Gesicht des Zeitzeugen wirkt versteinert, seine Augen haben fast jeden Funken Hoffnung verloren. Er braucht keinen Applaus, kein Mitleid, er wünscht sich nur eins:
dass das Abschlachten der Schwarzafrikaner im Sudan endlich gestoppt wird.
Er sagt, er hat Schuldgefühle, weil er nichts weiter tut, als jahrelang diese unglaublichen Menschenrechtsverletzungen zu filmen und zu dokumentieren. Weil er nicht helfen kann. Seine Tränen versucht er mit der Hand wegzuwischen.
Steidles Schwester Gretchen Wallace ist in einer Organisation tätig, die sich für die Opfer von Menschenrechtsverletzungen einsetzt.

Ausgabe 07/12
16.02.2012
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