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Schon mal vorab, auf diesen rund 35 Seiten gibt es k e i n e Sexszenen in Real-Time, es sind nur ein, zwei kurze Rückblenden als Erinnerung und während des Besuchs bei der Therapeutin Frau Drescher kommen kurz die „Blasekünste“ ihres Mannes zur Sprache.
Hauptsächlich wird erzählt, wie die Ehefrau und Mutter Elisabeth mit diesen beiden Rollen umgeht und sie schildert, dass sie v e r s u c h t, für ihre Tochter Liz eine gute Mutter d a r z u s t e l l e n und auch versucht, ihren Mann glücklich zu machen.
Aufgrund der Probleme in ihrer eigenen Herkunftsfamilie hat sich Elisabeth vor einigen Jahren mit Hilfe der Therapie von den Eltern losgesagt und ist nun auf sich selber und psychologische Ratgeber angewiesen.
Mutterwitz hat sie jedenfalls, auch wenn die eigene Mutter sie wohl nicht gerade gut behandelt hat.
Sie berichtet, wie sie ihren jetzigen Mann kennenlernte mit den Worten:“Es war Liebe auf den ersten Blick. Aber ohne dass wir das bemerkt haben. Es lief praktisch in einem Programm im Hinterkopf ab, wie ein Trojaner auf einem Computer…“
Dass beide zum Zeitpunkt des Kennenlernens noch andere Partner hatten, ist kein Hindernis. Im Gegenteil, denn Elisabeth hat ja die eigene Mutter als Vorbild, „die Verlasserin schlechthin“.
Die Weltsicht ist recht einfach und schlüssig: Elisabeth ist überzeugt, dass Mann und Frau sich einzig zum Zweck der sexuellen Übung und Lustbefriedigung zusammentun, die Partnerschaft mit Ehe, Zusammenleben und Kinderkriegen sind nur Alibis für das Ausleben von sexuellen Bedürfnissen.
„Das ist die Erklärung für den ganzen Wahnsinn, der passiert unter erwachsenen Menschen.“
Hm, da könnte man zumindest drüber nachdenken, der Mensch als triebgesteuerter Lustmolch, der nebenbei noch essen und Geld verdienen muss.
Das Geld bringt im Fall unserer Heldin der Ehemann ins Haus, und in der Therapie wird dieses „Sichversorgenlassen“ auch direkt angesprochen. Ganz offensichtlich haben wir es mit einem abhängigen Charakter zu tun…
Eine Süchtige ist auch eine Suchende, und das macht sie wiederum zur Sympathieträgerin.
Auf Seite 33 wird der Leser oder vielmehr die Allgemeinheit erstmals im Nebensatz mit „Fickt euch alle“, angesprochen. Das ist etwas, was ich seit meiner Jugendzeit (seufz) vermisse.
Es werden auch Schicksalsschläge, Unfälle, schwere Krankheiten wie Krebs und die Todesfälle ihrer Brüder thematisiert, die Heldin hat da einiges durch und ihr Päckchen zu tragen. Vor allem die Erwähnung eines mysteriösen Feuers, bei dem sie Mitglieder ihrer Familie verlor, steigert die Spannung.
Selbstironisch und schonungslos berichtet Elisabeth von ihren Ängsten, Paranoia und Neurosen.
Fahrstuhl, Zigarettenrauch, Feuer verursachen panische Gedanken und müssen vorsorglich verhindert werden. Sie ist eine so umsichtige Autofahrerin, dass sie vor lauter Rück- und Vorsicht überall Warnantennen ausgefahren hat, „um zu überleben und auch andere nicht zu töten“.
Zumindest ist sie sich über alles, was sie tut, bewusst, und betrachtet sich selbst und ihr Umfeld wie durch ein Vergrößerungsglas, in dem selbst unwichtig erscheinende alltägliche Begebenheiten besonders, wichtig oder komisch werden.
Was sie extrem glücklich macht, ist, wenn sie überraschend am Waldrand von der Straße aus oder beim Spazierengehen ein echtes wildes Tier sieht. Ein Eichhörnchen, einen Hasen oder ein Reh etwa, dann freut sie sich wie verrückt.
Vielleicht weil diese Tiere frei sind, denke ich mir, weil sie in der Natur überlebt haben und davon zeugen, dass es einen Lebensraum außerhalb unserer geregelten urbanen Zivilisation gibt.
Seitenweise wird eine Sitzung bei ihrer Therapeutin beschrieben, der sie vertraut wie einer höheren Macht, sie kann alles erzählen und das ist gut so, bei ihrem Mitteilungsbedürfnis.
Frau Drescher hat im Patientenraum ein Bild von einem Teufel hängen, dem kleine kitischige Vögel um den Kopf fliegen. Ihre Gedanken dazu: „Während ich über meine Probleme rede, zerbreche ich mir ständig den Kopf darüber, warum sie gerade dieses Bild ausgesucht hat, um es den Patienten an das Fußende zu stellen. Wahrscheinlich ist sie selber auch einfach verrückt.“
Selbst in dieser Situation distanziert sie sich, und beobachtet kritisch. Das deutet auf einen klugen, angespannten und aufgeklärten Verstandesmenschen hin, und richtig, wenig später berichtet sie, was sie von Gott als Erziehungsberechtigten und überhaupt, so hält. „Der Vergleich mit Gott ist insofern schlecht, weil es Karius und Baktus ja tatsächlich gibt, gewissermaßen, und es auch tatsächliche Konsequenzen hat, wenn man nicht putzt. Bei Gott gibt es nie welche. Gott sieht nicht alles und bestraft auch nichts, weil es ihn einfach nicht gibt“.
Etwas erschrocken bin ich auf Seite 63, als Elisabeth berichtet, mit ihrer Familie in einer Art Kellerverlies zu wohnen. Mit nur wenig Licht, kalt, „wie ein Hasenbau“. Das passt nicht ganz mit dem gutverdienenden Ehemann zusammen, aber gibt einen Hinweis aus dem psychoanalytischen Gedankenkreis: „Es ist eine richtig anale Wohnung, die Flure und die Zimmer sind wie unterirdische Gedärme.“
Jedenfalls ist mir Elisabeth mit ihrer Familie schon ein bisschen ans Herz gewachsen, und ich freue mich auf die nächsten hundert Seiten.
P.S. Hab ich was nicht mitbekommen, wurde die Buchbesprechung verschoben, wo sind die anderen Leser/innen? Ich fühle mich etwas einsam!!!
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Neinein, wurde nichts verschoben, aber die Bücher sind ja vermutlich erst am Donnerstag bei allen angekommen.
Ich bin gerade beruflich seit Freitag nicht in der Stadt und kann bis Montag nur ab und zu reinschauen – ich komme vermutlich vorher auch nicht zum Schreiben.. Liebe Grüße Maike |
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Ist schon okay, ich wollte auch nicht drängeln. War nur etwas verunsichert.
Nächste Woche werd ich auch etwas weniger zu melden haben, da fernab vom häuslichen Computer. Jeder sollte sich die Zeit lassen, die er gerade braucht... Schönes WE, LG Lee |
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Hallo Lee Berthine
mein Exemplar ist erst gestern angekommen und die ersten 50 Seiten habe ich gelesen. Du berichtest auch so gut, dass ich mir was anderes einfallen lassen und erst mal mehr lesen muss. Viele Grüße |
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Liebe Angelia,
danke für das Kompliment! Allerdings ist es ja alles sehr subjektiv, was ich schreibe... ; ) Ich bin daher echt gespannt, wie du und die anderen das Buch empfinden. Zum Beispiel bin ich wenig auf ihre Einstellungen und Fragen zu aktuellen Themen, z.B. biologisches Essen, Nachhaltigkeit, Umweltschutz eingegangen. |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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