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Das Jahr 2011 neigt sich dem Ende zu, die Startfreigabe für das nervtötende Bombardement von nichterhellenden Jahresrückblicken hat freilich begonnen. Konsequent scheitern alle Versuche, Skandale und Skandälchen in die Jahres-Systematik einzuordnen. Es bleiben Fragmente eines noch größeren Fragmentens. Aber ich schweife ab.
Worauf ich hinaus wollte: als jemand, der viel liest und noch viel mehr vergisst, habe ich mir die Frage gestellt, welche Zeitungsartikel mir besonders im Gedächtnis haften geblieben sind. Um mich nicht zu überfordern, habe ich mich auf drei beschränkt - für mich, d.h. völlig subjektiv, die glorreichen Drei. Ich lade herzlich dazu ein, alle von mir vergessenen und gleichsam unvergesslichen Artikel zusammenzutragen, gerne auch mit kurzer Begründung. Ich verspreche mir davon ein Sammelsurium mithilfe dessen man das vergangene Jahr in halbwegs ergiebiger Form Revue passieren lassen kann.
Meine glorreichen Drei des Jahres 2011:
1. "Ich beginne zu glauben, dass die Linke recht hat" - Frank Schirrmacher, FAS
Warum? Ich auch.
2. "Der Sog der Masse" - Harald Martenstein, DIE ZEIT
Eine Hommage an den Widerspruch war geboten; vielmehr: scheint mir gebotener denn je.
3. "Meine Sonntage mit Günther Jauch" - Walter von Rossum, DER FREITAG
Hat meinen Urtrieb nach Boulevard auf bitter-amüsante Weise gestillt, frei nach Nietzsche: "Lachen bedeutet schadenfroh sein, aber mit gutem Gewissen".
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Verwunderlich.
Keine Reaktion? Lest Ihr noch oder schreibt Ihr schon? War die Idee so unattraktiv? Oder ist es blogger'scher Usus: lesen - nein, schreiben - ja? Erhellend. |
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"Worauf ich hinaus wollte: als jemand, der viel liest und noch viel mehr vergisst ..."
Das, werter Elbschleicher, hätte ich gerne mal als Bruch von Ihnen hier dargestellt. :-D |
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@GEBE
Ist es immer noch ein Gag, wenn man ihn erklären muss? :) |
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@GEBE
Ist es immer noch ein Gag, wenn man ihn erklären muss? :) |
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Christen und Muslime, Männer und Frauen, Linke und "Linke" fordern die FC halt mehr heraus als dein Appell, sich an bemerkenswerte Zeitungsartikel zu erinnern. Das ist schwer.
Meine Wahl: 1. "Das Streiflicht", die regelmäßige Kolumne auf der ersten Seite der Süddeutschen Zeitung: weil sie völlig unbedeutende Inhalte mit schrägem Humor und Wortwitz so abhandelt, dass sie länger in Erinnerung bleibt als die klugen Kommentare von Herbert Prantl. 2. Die Kommentare von Prantl (s.o.), weil sie so klug und altmodisch liberal erklären und bewerten, was ist. 3. Die Erinnerung von Arno Widmann an Vaclav Havel in der "Frankfurter Rundschau" ( bit.ly/tfLUD6 ), weil sie die Tapferkeit und die Melancholie dieses Mannes würdigt. |
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@koslowski
Jetzt verstehe ich die Systematik: man muss gegen etwas sein. Ein paar lesenswerte Zeitungsartikel stören da nur, sie könnten für Erkenntnis sorgen. Ein polemischer Text, mit Augenzwinkern geschrieben, bekommt 54 Kommentare, ein Sammelsurium mit tollen Artikeln des letzten Jahres gerade einmal 3. Sinngehalt? Egal. Das "Streiflicht" ist klasse, Prantl ist mir zu eitel, ähnlich wie Joffe. Die Erinnerung von Arno Widmann werde ich lesen, vielen Dank dafür! |
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Die Aufmerksamkeit für Blogs, gemessen an der Zahl der Kommentare, ist nicht abhängig von deren "Sinngehalt", sondern von anderen Faktoren, z.B. vom Erregungspotential der Inhalte. Das soll anderswo auch so sein. Also nicht persönlich nehmen oder dieser Community anlasten. Wer das anders haben möchte, muss sich irgendwann entscheiden: hier bleiben oder gehen.
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Manche von uns leben in einer völlig anderen, sehr fragmentierten Sachlage was die Erinnerung angeht.
Ich wünschte ich könnte mich an meine drei Lieblingsartikel in diesem Jahr erinnern, ganz ehrlich. Die Sachen von archinaut hier aufm Freitag haben auf jeden Fall eins der Fragmente belegt:) |
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@ Elbschleicher
Danke für die Einladung. Feiner Gedanke mit den glorreichen Drei @ 2011. Ich haue mal meine glorreichen raus: Das lange Leben des Neoliberalismus von Colin Crouch - Blätter für deutsche und internationale Politik www.blaetter.de/archiv/jahrgaenge/2011/november/das-lange-leben-des-neoliberalismus - ich hab es geahnt - was es ohne Frage nicht besser macht .... Die Kommerzialisierung des Klassenkampfs - ZeitOnline www.zeit.de/kultur/2011-10/occupy-modebewegung über die wahl des "richtigen" Klassenkampfoutfits - mediales marketing? und eben gelesen - Hinweise des Tages bei NachDenkSeiten www.nachdenkseiten.de und da unter 8. Alles könnte anders sein - www.taz.de/Intellektuelle-und-Systemveraenderung/!84000/ - occupy und der "braintrain" ist mehr meine glorreichen der letzten 4 Monate - schreit das nach Entschleunigung? Getriebene @ medialer Marktplatz? Nö, weibliches Infojunkietum @ medialer Marktplatz? Feine Restnacht noch Christiane |
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Erinnerungen an Lieblingsartikel des vergehenden Jahr es habe ich nicht, aus einem einfachen Grunde: Aufgrund von Arbeitslosigkeit, was auch mit Zahlungsunfähigkeit übersetzt werden kann, war ich gezwungen, alle Abonnements zu kündigen.
Erinnerungen habe ich an zwei Flugblätter, an deren Erstellung ich beteiligt war und an eine Demorede, die ich hielt. Letzteres aber nur, weil Radio Lora München davon Auszüge sendete. Das klingt ganz schön selbstzentriert, hat aber auch einen einfachen Grund: Ich habe zwar kein Geld mehr zum Konsumieren, aber mehr Zeit zum Tun. Informationen suche ich immer dann, wenn ich feststelle, dass ich eine Wissenslücke habe. Gezielte Suche, weil ich dann weiss, was ich nicht weiss, aber wissen will. Und dabei habe ich mehr gelernt als in 10 Jahren Zeitunglesen. Der Erfahrungsbericht passt nicht zum Titel des Blogs, das ist mir klar. Ich hoffe, er wird nicht allzu sehr als störend empfunden. |
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@claudia
"Der Erfahrungsbericht passt nicht zum Titel des Blogs, das ist mir klar. Ich hoffe, er wird nicht allzu sehr als störend empfunden." Im Gegenteil. Ich bin angetan von Ihren Zeilen. "Das klingt ganz schön selbstzentriert, hat aber auch einen einfachen Grund: Ich habe zwar kein Geld mehr zum Konsumieren, aber mehr Zeit zum Tun." Sehr interessanter Gedanke. Meine nicht sehr gezielte Kritik, Blogger würden anstatt zu lesen, nur noch blöken, und wenn sie lesen, dann nur des Blökens Willen, verkennt, dass nicht jeder mit drei Zeitung-Abos gesegnet ist. Soweit ich aber weiß, stellen alle großen Zeitungen ihre Artikel kostenfrei ins Netz... "Informationen suche ich immer dann, wenn ich feststelle, dass ich eine Wissenslücke habe (...). Und dabei habe ich mehr gelernt als in 10 Jahren Zeitunglesen." Absolut richtig, sehe ich sehr ähnlich. Daher müssen Zeitungen für mich unterhalten (s. Nr. 3: Meine Sonntage mit Günther Jauch), hinterfragen (s. Nr. 2: Der Sog der Masse) und für mich das Wichtigste: verschiedene Perspektiven schaffen (s. Nr. 1: Ich beginne zu glauben, dass die Linke recht hat). Dass sich Zeitungen immer noch auf die Fahne schreiben, sie würden in erster Linie berichten und informieren, halte ich für eine Farce, mitunter auch Selbstbetrug. Therapie: ein gutes Lexikon zur Hand nehmen. |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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