Leopold Loewe

Ostblogg

13.03.2009 | 23:49

DER OSTBLOGG ZUM FALL DER MAUER

Wir werden es wohl kaum vermeiden können: In diesem Jahr 2009 kriegen wir soviel über 1989 zu lesen, zu hören und zu sehen wie schon lange nicht. Neben vielem - teils tatsächlich Todernstem - könnte 20 Jahre danach vielleicht auch etwas mehr (Selbst-) Ironie im Schweijkschen Sinne in die Betrachtungen einfließen. Bevor uns nun alle möglichen Experten erklären, was ihrer Meinung nach zum Fall der Mauer führte, hier die definitiven

20 Gründe von 20 000, warum sich 1989 der Ostblock auflöste:

1. Weil seine Bewohner bei Sonnenuntergang immer nach Westen schauten

2. Weil Gorbatschow auf die Propaganda der Solidarnosc, ein runder Tisch sei besser als ein quadratischer, reingefallen war

3. Weil die Ungarn wieder mehr Leben in die fröhlichste Baracke des sozialistischen Lagers bringen wollten

4. Weil die Mauer nur auf einer Seite bemalt werden durfte

5. Weil Edgar Most schon immer wusste, dass der Sozialismus eigentlich ein verkappter Kapitalismus ist

6. Weil Edgars Genossen glaubten, sie könnten ihre Haut retten wenn sie ihren "Kommunismus" reformieren. Hat ja auch fast geklappt

7. Weil die Ossis zuwenig Haschisch und Ähnliches zu rauchen bekamen

8. Weil Ali Agca den Papst absichtlich nicht richtig erschossen hat

9. Weil Internet und Handy bereits erfunden und die Computer im Osten so groß wie Kleiderschränke waren

10. Weil die Budapester Nächte im August 1989 ziemlich kalt und die vor dem
deutschen Konsulat herumlungernden DDR-Bürger zu dünn angezogen waren

11. Weil die Polen keine Lust mehr hatten, Kronkorkenverschlüsse als Bratpfannen zu benutzen

12. Weil die Stasi mal wieder auf der falschen Fährte war und die Kirchenfürsten umgarnte

13. Hätte sie die Kirchtürme observiert, wären die Filmaufnahmen von der Leipziger Montagsdemo zusammen mit Schefke und Radomski im Knast gelandet und nicht in den "Tagesthemen"

14. Weil die Taliban in Afghanistan vom CIA unterstützt wurden

15. Weil einer der wichtigsten Grundsätze der sozialistischen Arbeiter- und Angestelltenschaft - „Privat geht vor Katastrophe“ - auch beim Einsturz des Systems galt: Jeder versuchte noch schnell sein Schäfchen ins Trockene zu bringen

16. Weil Schabowski auf die Frage „Und was wird mit der Berliner Mauer?“ ausnahmsweise mal nicht Honecker zitierte, der gesagt hatte, dass sie noch in 100 Jahren stehen wird

17. Weil F. R. von der amerikanischen Nachrichtenagentur Associated Press endlich nach Hause wollte und deshalb um 19 Uhr noch schnell als Erster die Meldung absetzte, dass die DDR die Mauer öffnet, obwohl sie das gar nicht wollte

18. Weil die DDR-Bürger nicht auf Helmut Kohl, nicht auf Oskar Lafontaine, das Neue Forum, die SDP und auch nicht auf Margret Thatcher hörten, die alle irgendwie zu irgendeiner Zeit nicht wollten, dass sich beide Teile Deutschlands vereinigen

19. Weil der Sputnik nicht mehr verboten werden konnte. Er war sogar im Weltall das Symbol der Überlegenheit des Ostblocks

20. Weil keiner wusste, dass es nur ein Trick war, die Demokratisierung der DDR zu fordern. Wer konnte schon auf Dauer dagegen sein

 
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Kommentare
WOanders schrieb am 14.03.2009 um 10:47
...als selber Ehemalige der DDR

paar aussagen, warum der trend jetzt richtung osten geht:

1. jeden morgen geht die sonne auf im osten, neuer tag, neues glück...

2. oft genug ist der himmel bewölkt und man sieht die sonne im westen nicht, von der man sich wünschte, dass sie scheine

3. nach 20 jahren blickt man automatisch zurück vergleicht und besinnt sich auf jenes was einem besser tat

nur kurz, die DDR möchte ich nicht zurück, doch den Kapitalismus möchte ich auch nicht, er ist noch schrecklicher als ich damals dachte...

lg anne
Magda schrieb am 18.03.2009 um 13:34
1. Ein gewisser Herr Ultzsch ist das gewesen, so steht es in Brussigs "Helden wie wir". Und das hat mit seinem Pimmel der starke Herr Ultzsch getan. So heißt es in den Nachwendeschriften.
(Die Literatur)

2. Auch ich habe ein bisschen dazu geführt. War ganz einfach, ich bin da hin, habe gesagt, die sollen jetzt mal aufhören mit dem Scheiß, gleich kommt der Günter Sch. und wird ihnen dazu die nötigen Details mitteilen. Gern geschehn.
(Die Geschichte)

3. Nein, wir waren es.
Wir haben eine Deutsche Basisdemokratische Republik gefordert, bei der nur der erreichte Konsens zu konkreten Handlungen führt. Da gab es dreimal täglich großes Palaver, Es wurde geredet und geredet. Und irgendwie entstand durch dieses ständige Lufterschütterung ein Luftzug - ein Sonderzug Und schwupps war sie offen, die Mauer. Eigentlich wollten wir das gar nicht. Wir waren ziemlich entsetzt, aber als sie dann offen war, da haben wir basisdemokratisch mitgejubelt und einige sind dann auch gleich noch in die CDU rein
(Bürgerrechtler/in)
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