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Ich bin zu alt für dieses Leben.
Oder täuschen mich meine Erinnerungen? Gewiss, es gab auch früher schon Hausierer, unerbetene Staubsaugervertreter und wandernde Teppichverkäufer, die an der Haustür Waren - im Geschäft für 15 DM erhältlich - als Schnäppchen für 100 DM verkaufen wollten. ich entsinne mich jedoch nicht, dass sie, über einen Zeitraum von 20 Jahren zusammengenommen, derart penetrant waren wie eine durchschnittliche Website heute in zwei Minuten.
Auch das Internet war nicht immer so. Oh, sie machten grafisch nichts daher, die textlastigen Seiten der Unix-Freaks aus den Anfangsjahren. Aber ohne jede Störung durch Banner, dümmliche Bildchen und überflüssige Klickorgien, die von einer Werbeseite zur nächsten weiterreichen, ehe mensch - vielleicht - irgendwann bei der benötigten Information angelangt, konnte auf ihren vielen Seiten Text ein Aspekt eines Themas wirklich erlesen werden, bei weniger komplexen Themen gleich das ganze Thema. Angebote ohne jeden kommerziellen Charakter, doch schon zu Beginn von hoher Zuverlässigkeit, und, meine Güte, wenn ein Fehler drin war, ein wenig Bildung brachte man ja doch auch schon von Haus aus mit. Die Fehler wurden durch die zunehmende Werbung späterer Websites übrigens nicht behoben, nur unter einem Übermaß an Geschwafel und Grafik besser kaschiert.
Wirklich übel ist aber die über Jahre hin gewachsene und mittlerweile dringende Notwendigkeit allgegenwärtiger und allesumfassender Achtsamkeit und umfassenden Misstrauens.
Ich meine, gut - vielmehr: schlecht - wer nur naiv und unbedarft durch´s Leben träumt, braucht sich nicht zu wundern, wenn er gelegentlich gegen eine Wand klatscht und Schmerzen im Bereich des Kopfes verspürt. Aber bitte, ich will doch nicht jedem, aber auch beinahe jedem Mausklick misstrauen müssen. Was habe ich jetzt gerade wieder bestätigt? Was meint diese Formulierung? Habe ich soeben wirklich eine Version zur Netzwerkinstallation für 4000 Euro gekauft, statt der beabsichtigten Einzelplatzlizenz für 200 Euro? Und wo ist denn jetzt dieser vermaledeite Download-Button unter all den vielen blinkenden Bildchen und Popups, Mensch, geht mir doch nicht auf den Sack. Wie bitte? Abmahnung, weil ich die Rechte von Firma xyz verletzt habe? Ich habe das Bild doch selbst gezeichnet ...??
Es ist einfach zu viel. Gezielte Reizüberflutung zur Desorientierung des Urteilsvermögens. Ich weiß, ich setze mich dem freiwillig aus. Sucht kommt auch noch dazu.
Aber Sucht hin oder her, ist sie denn wirklich unumgänglich notwendig, diese in Hochglanz gegossene und formal auf´s Entschiedenste abgesicherte Bösartigkeit?
Diese Frage wurde längst faktisch überholt. Ich bin einfach zu alt, mit meinen komischen Vorstellungen davon, wie angenehm das Leben sein könnte.
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"Es ist einfach zu viel. Gezielte Reizüberflutung zur Desorientierung des Urteilsvermögens. Ich weiß, ich setze mich dem freiwillig aus. Sucht kommt auch noch dazu"
Ein schöner Spruch von einem Philosophen - ich glaube es ist Günter Anders - geht ungefähr so: Die Vielzahl der Bilder soll verhindern, dass wir uns ein Bild machen. So ist es. |
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Information und Desinformation im Web auseinander zu halten ist wirklich schwer. Siehe Wikipedia, manche Artikel sind offenkundig ideologisch gefärbt. Leider kann man nur da misstraurisch werden, wo es entweder zu hahnebüchen zu geht oder wenn man selbst bereits ein Vorwissen mitbringt. Ich weiss gar nicht, wie viel wir -um nicht der Komplexität der Welt zu erliegen- einfach so als Information hinnehmen.
Danke für den Artikel |
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Um dem Zuviel an buntem Blödsinn (wenigstens teilweise) und der automatischen Weiterleitung auf andere Internetseiten zu entgehen, empfiehlt sich "firefox" als Brauser.
Dazu kann man Add-Ons mit so schönen Namen wie "NoScript" oder "Ad Block Plus" installieren. Die haben aber nicht nur schöne Namen, sondern sie erfüllen auch diese Funktionen. |
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die verwende ich bereits :-) das ist aber wie Wettrüsten^^
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Schon, aber da gibt es doch irgendwo im Netz diese fleißigen Nachrüster, denen ich dafür auch furchtbar dankbar bin.
Also eben: Automatische Updates. :D |
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hallo lethe, ein kölner literaturkritiker nannte das gewusel, das ich eindrucksvoll als urerfahrung vom piccadilly circus in erinnerung habe, "Informationsschleier".
das ist teil der postmodernen realität nach dem motto: anything goes (plus anything sells). der kritiker heinrich vormweg hat ein buch über "Das Elend der Aufklärung" geschrieben. es ist ein altes elend. trotzdem ist nur sie der ariadnefaden durch die natürlichen und künstlichen, die ungewollten und gezielten "wimmelbilder". mir meldet meine maschine manchmal, dass ein popup von firefox verhindert wurde. auf meinen eigenen websites ist es so ruhig wie bei mir in der hütte. |
Ausgabe 06/12
09.02.2012
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