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Dummdreist – Ein Zustand
Was mache ich, wenn ich keinerlei Talent besitze und mir dennoch ohne viel Arbeit auf möglichst schnellem Wege Anerkennung und Geld beschaffen möchte?
Ich meine, außer zu DSDS gehen.
Sieht man sich dieser Tage in den Medien um, könnte man meinen, die Antwort auf diese Fragestellung sei, sich im Internet auf vielversprechenden Blogs herumzutreiben, ein paar Bücher zu lesen (am besten im PDF-Format, sonst läßt sich so schlecht etwas herauskopieren) und die Stellen copy/pasten, die mich besonders ansprechen.
Diese stückele ich dann am Heimcomputer irgendwie zusammen – Hintergrundplot braucht es in Zeiten der NDP ja oft auch nicht mehr, und tiefgründige Protagonisten werden ohnehin überbewertet – und verkaufe dieses „Werk“ als mein eigenes. Wenn ich viel Glück, oder die richtigen Beziehungen habe, könnte es sogar sein, daß mein Versuch Frucht trägt und schon bald im Buchhandel ausliegt.
Wer so etwas macht, kann eigentlich nur mit dem Adjektiv dummdreist beschrieben werden:
Fremdes geistiges Eigentum entwenden ist Diebstahl; Diebstahl ist dreist. Dabei wird heutzutage schon in der Grundschule darauf hingewiesen, daß der Tatbestand des Stehlens sich nicht mehr nur noch auf den Füller des Nachbarn bezieht. Mit Mühe wird den Kindern erklärt, daß fremdes geistiges Eigentum nichtmal in Hausarbeiten verwendet werden darf. Wer sich also darüber hinwegsetzt, hoffend das Gesetz berühre ihn nicht, ist entweder sehr verschlagen, oder sehr, sehr dumm.
Dann jedoch tatsächlich zu glauben, daß im Lichte der Öffentlichkeit niemand dahinterkommen würde, ist nun wirklich nichts anderes mehr als dummdreist.
Spätestens an diesem Punkt meiner Überlegungen, sollte ich diesen Plan des schnellen Geldes wieder verwerfen. Nicht nur um meiner Würde Willen, sondern auch, weil ich schließlich nicht mein so hart verdientes Honorar für Gerichtskosten verpulvern möchte.
Pech ist halt, wenn ich mich dann wider besseres Wissen, oder eben aus tatsächlicher Blödheit, dennoch dafür entscheide.
Dann passiert nämlich eines von zwei Szenarien:
A – Diejenigen, von denen ich geklaut habe, sind klein, unbedeutend, tot, oder alles zusammen; und diese Tatsachen, gebündelt mit einer Riesenhaften Portion Dusel, sorgen dafür, daß lange Zeit niemand etwas merkt. Dies passiert äußerst selten.
B – Nachdem die Kritiker sich mehrere Wochen lang zum Deppen gemacht haben, weil sie keine eigene Meinung mehr haben, und minderwertige NDP fälschlicherweise für revolutionäre Literaturkultur halten; mir schon fast der Preis der diesjährigen Buchmesse gehört, kommt einer daher, der sich auskennt, und deckt alles auf. Zu der Peinlichkeit kommt Schmach dazu, nicht nur für mich, auch für meinen Verlag, der, wenn er von klugen Menschen geführt wird, mein „Werk“ vom Markt nimmt und nie wieder ein Wort darüber verliert.
Aber was passiert bei Szenario B (und irgendwann auch bei Szenario A) mit mir? Wie verhalte ich mich, angesichts dieser für mich doch sehr peinlichen Situation? Schließlich hatte ich gehofft, unbemerkt davon zu kommen und dabei noch reich zu werden!
Und jetzt sitze ich in Talkshows, die von sich anbiedernden Moderatoren geleitet werden, die auch vor zehn Jahren schon nicht cool, sondern ebenfalls hauptsächlich dummdreist waren, und schwafele unkonkrete Hohlheiten vor mich hin.
Da kann man nur sagen: dumm gelaufen.
Aber wenn ich ganz großes Glück habe, und die deutsche Buchmessenszene ausschließlich von Kritikern bevölkert wird, die mich vorher unverdientermaßen hochgejubelt haben und nun zu feige sind, einen Fehler wieder auszubügeln, dann habe ich doch noch die Chance auf den Preis und viel Geld. Damit kann ich dann wenigstens die Gerichtskosten bezahlen.
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Unkonkrete Hohlheiten, in der Tat. Die Dame hat gestern bei Harald Schmidt dermaßen Stuss von sich gegeben, dass es schwer fällt zu glauben, sie habe in ihrem Leben auch nur einen einzigen Satz mit konkreter Aussage von sich gegeben, geschweige denn geschrieben.
Aber es verwundert ja nicht, dass sie von all den Entertainmentfritzten hofiert statt verurteilt wird. Macht ja beim deutschen Rapper Nr. 1 auch keiner (außer Alice Schwarzer). |
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Yep, du sagst es. Ein Jammer, aber hej, NDP-Kultur halt (das wäre dann wohl NDK).
Eigentlich hätte denen schon vorher auffallen müssen, daß das 'Buch' keinen Preis verdient. |
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schrieb am
13.02.2010 um 14:00
Na dass Helene Hegemann noch von Alice Schwarzer kritisiert wird, das möchte ich auch erst mal erleben.
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Welches geistige Eigentum soll denn gestohlen worden sein? Gehts nicht ein bischen tiefer? Fremde Ideen, Gedanken sind nicht geschuetzt. Waer ja noch schoener..
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Ideen und Gedanken nicht. Wohl aber deren Ausformulierung.
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In dem Moment, in dem ich mein eigenes geistiges Eigentum in Buch- oder Blogform veröffentliche, ist es geschützt. Klar.
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"Welches geistige Eigentum soll denn gestohlen worden sein?"
Das hier ist eine Referenz auf einen aktuellen Literaturskandal, der es bis in die New York Times geschafft hat. Lies mal die letzten Posts auf www.gefuehlskonserve.de. |
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Das Schöne ist doch, dass sich deutschlandweit die Feuilletonisten massiv in die Nesseln gesetzt haben. Und statt jetzt aufzustehen bleiben sie sitzen, in den Nesseln, und lassen noch dazu die Hosen herunter. Bernd Graff hat das böse kommentiert in der Süddeutschen:
www.sueddeutsche.de/,mein1m1/kultur/818/503046/text/ |
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Großartig! Danke, für den Link!
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Das Schöne ist doch, dass sich deutschlandweit die Feuilletonisten massiv in die Nesseln gesetzt haben. Und statt jetzt aufzustehen bleiben sie sitzen, in den Nesseln, und lassen noch dazu die Hosen herunter. Bernd Graff hat das böse kommentiert, gestern in der Süddeutschen:
www.sueddeutsche.de/,mein1m1/kultur/818/503046/text/ |
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Wundervoll, danke!
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Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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