Sebastian Dörfler

Blog von Sebastian Dörfler

23.07.2010 | 00:51

"Because it's dull, doesn't mean it's not true"

Ich bin wirklich kein Fan von permanenten historischen Vergleichen und Parallelen oder Zitaten toter Männer. Was davon am Schluss bei mir bleibt, ist das Gefühl, dass alles schon einmal da war und man sich genauso gut zurücklehnen und es sich gemütlich machen kann. Aber hier mal eine ausdrückliche Einladung zum Zurücklehnen. Denn die Diskussion zwischen Marshall McLuhan (Wired zu seinem 99. Geburtstag am 21. Juli) und dem Schreiberling Norman Mailer von 1967 ist in vielen Teilen interessanter als heutige Talkrunden zu dem Thema. Es geht um Medienrevolutionen und wie sich die Menschen an eine neue (elektronische) Natur anpassen, wenn die alte abgeschafft ist.

Mailer redet über den "information overload" - was McLuhan nur ein müdes Grinsen entlockt. In der elektronischen Umgebung, die die natürliche längst abgeschafft habe, komme es nicht mehr auf einzelne Information, sondern auf Musterbildungen an – Peter Kruse lässt grüßen. Amüsant ist vor allem der dritte Teil: Die westliche Zivilisation sei in der Gewalt der Maschinen, sagt Mailer. Die seien aber nur "extensions of our own bodys", antwortet McLuhan. Aber der Mensch sei "entfremdet", entgegnet Mailer, er verliere durch die neuen elektronischen Umgebung immer mehr den Kontakt zu sich selbst. Dieser entfremdete Mensch habe zwei gegensätzliche Ansichten von sich: er denke, er sei klug und dumm, stark und schwach, gut und schlecht. Ihm fehle es an Werten, nach denen er seine Entscheidung richte. Als es darum geht, was den Mensch eigentlich zum Mensch macht, ist die halbe Stunde leider schon vorbe

Eine Sache hört man dennoch raus. Und das ist vielleicht der Unterschied zum heutigen Netz-Diskurs. Denn heute werden am ehesten das freie Assoziieren, das Träumen oder die Tragik als Unterscheidungsmerkmale Mensch-Maschine genannt. Vor vierzig Jahren, da scheinen sich Mailer und McLuhan am Ende der Diskussion einig zu sein, definierte sich das Menschsein vor allem dadurch, sich ab und an mal die Nase blutig zu hauen.

(Die Videos hat Dangerous Minds ausgegraben)

 
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Kommentare
KalleWirsch schrieb am 23.07.2010 um 09:25
Wahrscheinlich wurde diese Diskussion schon bei der Erfindung des Rads geführt.
Sie wiederholt sich wieder und wieder. Ich erinnere mich noch gut an die Diskussion bei der Einführung des Privatfernsehens. Da standen sich Gegener und Beführworter auch unversöhnlich gegenüber. "Der Untergang des Abendlandes" wurde prophezeit (von meinen lieben Mitschülern bei der JU)
B.V. schrieb am 23.07.2010 um 15:34
Diese sog. Mediendiskussionen sind meist die pure Langeweile, scheinbar gehobener Kaffeklatsch.
B.V. schrieb am 23.07.2010 um 15:37
Der schönste Satz:
"Vor vierzig Jahren, da scheinen sich Mailer und McLuhan am Ende der Diskussion einig zu sein, definierte sich das Menschsein vor allem dadurch, sich ab und an mal die Nase blutig zu hauen."
Heute sind die Mediendiskussionen ein furchtbares gemensche (Arno Schmidt), kaum einen Beitrag mag man bis zu ende lesen.
GeroSteiner schrieb am 23.07.2010 um 20:04
Keine neue Erkenntnis. Seit den alten Römern hat sich nicht viel geändert. Na gut. Heute haben wir Mountain-Bikes, i-Phones und überdachte Zündkerzen (vulgo: Smart). Et tu, Brute!
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