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Das Geld hat seinen Geruch verloren, sagt Georg Seeßlen in diesem kurzen Video. Einen Geruch, den jener Geldschein noch hatte, mit dem wir Essen gegangen oder ein konkretes Bedürfnis befriedigt hätten. Das Geld verschwinde immer mehr ins Virtuelle und verwandle sich in abstrakte Ziffern. Und da das Geld nicht mehr greifbar ist, bleibe auch die so oft beschworene Revolte aus.
Zwar habe Marx den Fetischcharakter des Geldes noch erklären können. Doch seitdem das Geld nicht mehr konkret akkumulierte Arbeit verkörpere und stattdessen in einem virtuellen Raum in sich selbst kreist – wem solle man da überhaupt noch Geld wegnehmen? Das Geld hat keinen Ort mehr, sagt Seeßlen, es geht ins Nichts, und "wenn das Geld ins Nichts geht, dann gehen wir auch ins Nichts – das ist völlig klar."
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… es gibt auch gute opis!
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Was Seeßlen hier von sich gibt, scheint mir weit weg von dem, was man gemeinhin unter Geld versteht. Als ich jüngst mit einem 100-Euro-Schein beim Bäcker ein Brot erwarb - ich hatte kurz zuvor bei einem Automaten Geld gezogen - , wurde ich von der Verkäuferin wegen des im Papier repräsentierten vermeintlich hohen Geldbetrags rund gemacht. Beinahe hätte ich ohne Brot den Bäckerladen verlassen müssen, weil es ihr angeblich nicht erlaubt sei, Geldscheine ab 100 Euro anzunehmen. Das Geld mag für Seeßlen den Geruch von Blut, Schweiß und Tränen verloren haben, weil es virtuell um den Globus kreist und von den fesselfreien Transaktionsspekulanten selbst generiert werden kann. Trotzdem geht das Geld der meisten Menschen über einen Tresen in eine Kasse für einen realen Zweck, weil es sich nicht mit Fonds u.ä. vermehren lässt. Nach wie vor erlaubt nur der Verkauf der Arbeitskraft das physische und psychische Überleben der großen Mehrheit. Bei diesen Menschen scheint das Geld im Sinne Seeßlens nach wie vor olfaktorisch zu wirken.
P.S.: Ich bin erstaunt, dass jemand wie Seeßlen, der besser als die meisten weiß, wie wirkungsvolle Texte verfasst werden müssen, mit einem derartigen Gestammel an die Öffentlichkeit tritt. Da fehlt der Respekt vor dem Auditorium. |
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zumindest hätte es geholfen, die tonspur zu schneiden, ja. zum anderen punkt: das geld geht zwar über den tresen, aber irgendwann fahren es geldtransport aus der fußgängerzone ins nichts – das ist sein bild. klar zahlen wir weiterhin mit barem, aber die besitzverhältnisse im virtuellen sind unklar. und damit fehlt der punkt, an dem man den hebel ansetzen könnte.
was ich daran interessant finde, ist die kausalkette: das geld geht ins virtuelle, und wir gehen hinterher. vielleicht war unser erster schritt ins virtuelle ja wirklich ein "hinterherstolpern". erst dann folgte der versuch, sich an einen virtuellen fetzen gemeinschaft zu klammern. |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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