Sebastian Dörfler

Blog von Sebastian Dörfler

10.10.2011 | 17:15

Melancholia: "Es hätte so schön sein können"

Zeichnung: Björn

Nach Inception haben Björn und ich es endlich mal wieder geschafft, zusammen ins Kino zu gehen. Zwei Briefe an Lars von Trier.

Lieber Lars,

ich hoffe, es geht dir gut. Hast du dich von deinen Anfeindungen erholt?

Ich habe unlängst „Drive“ von deinem Landsmann Nikolas Windig Refn gesehen. Ein Meisterwerk. Wunderschöne Bilder. Eine Kameraführung, die ihres gleichen sucht. Ganz fantastisch auch die 80er Musik und der eingebettete Score von Angelo Badalamenti. Alles ist stimmig, das Tempo, das Casting – darunter Ryan Gosling und Albert Brooks – einfach großartig. Carey Mulligan als alleinerziehende Mutter, hin und her gerissen zwischen ihrem Mann, der gerade aus dem Knast kommt, und dem Driver, spielt phänomenal – wie in „Never Let Me Go“ von Mark Romanek. „Drive“ ist ein Actiondrama, bei welchem sehr schnell klar ist, dass alles den Bach runtergeht. Trotz dieser Erkenntnis in der Mitte des Films will man immer weiter. Dieser Film fesselt. Es ist also ob man selbst ins offene Messer rennt, aber es gibt keinen Weg zurück. Man fiebert mit dem Hauptdarsteller mit - bis zum bitteren Ende. Ganz großes Kino!

Dein Film dagegen – und das tut mir sehr leid, aber ich muss es offen sagen – ist ein großer Haufen Kacke. Sicherlich, er hat sehr schöne Bilder. Und Kirsten Dunst, die im echten Leben genauso depressiv ist wie du, spielt ihre Rolle durchaus genauso überzeugend wie Charlotte Gainsbourg. Auch Kiefer Sutherland – meiner Meinung der wahre Hauptdarsteller des Films – zu casten, war ein kluger Schachzug, denn man klammert sich an diesen Actionheld, der alles zusammenhält. Kurz vor der Katastrophe bringt er sich selbst um die Ecke. Und als Zuschauer hat man den zusammen haltenden Charakter verloren – das war nicht schlecht.

Der einleitende Prolog mit seiner Bildgewalt wäre fantastisch gewesen, würde einem nicht Wagners Ouvertüre nach einer halben Minute tierisch auf den Sack gehen. Was dann kommt, die „Handlung“, eine desaströse Hochzeit im ersten Kapitel und eine sich aufopfernde Schwester im zweiten, ist dermaßen banal, dass ich mich fragte: Was schaue ich mir hier an? Was soll das? Wierende Pferde, huch, wie aufregend! Schlußendlich „Melancholia“, der zweite Planet – Inbegriff der Depression – der die Erde auslöscht … come on! Diese prätentiöse Scheiße kannst du deinem Psychologen zeigen, aber nicht einem breiten Kinopublikum!

Mach's gut, mach's besser!
Bis bald.
Dein Björn

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Lieber Lars,

jaja, man merkt schon, wieviel Spaß du bei der Inszenierung des Weltuntergangs hattest. Irgendwo habe ich gelesen, dass die Dreharbeiten für dich und Kirsten gar keine Arbeit mehr waren … sondern, nun ja: Spaß. Und das hat dir Angst gemacht.

Dabei ist es doch genau das, was Melancholiker eben tun: Betrunken traurige Musik hören. Oder, wie es Robert Burton, der ehrwürdige Mönch, in seiner 500-Seiten dicken „Anatomie der Melancholie“ vor ein paar hundert Jahren ausdrückte: „Ich schreibe über die Melancholie, um nicht melancholisch zu werden.“ Für Burton wächst die Melancholie aus der Erkenntnis der eigenen Sterblichkeit und der Sinnlosigkeit des Lebens. Wie ist das eigentlich bei dir, Lars?

Zumindest lastet die innere Leere stets so schwer auf deinen Schauspielern, dass sie irgendwann keinen Schritt mehr tun können. Wie Kirsten sich da durch den Garten schleppt, das tut schon weh. Überall zerren die Wurzeln der Bäume an ihr, sie kommt kaum vorwärts. Später sagt sie: Ich kann nichts mehr sehen, überall sind Spinnennetze.

Davor die Hochzeitsnacht: Kiefer Sutherland, Finanzier des prunkvollen Fests, sagt ihr: „Du hast jetzt die Pflicht, glücklich zu sein!“ Und der naive Bräutigam präsentiert ihr stolz das Foto von einem Stück Land. Das hat er gekauft hat, um sie „endlich“ glücklich zu machen – sooo ein schönes Stück Land, mit den roten Äpfeln – in "genau der richtigen Süße"!

Spätestens dann ist es aus. "Ich kann nicht mehr laufen", sagt Kirsten und will sich bei ihrer Mutter anlehnen. "Aber du kannst wanken. Also wanke wieder nach draußen!", ihre Mutter. Nichts geht mehr. „Ich hab es versucht“, sagt sie später zu ihrer Schwester. „Ja, du hast es versucht“.

Das, Lars, muss das schlimmste für dich sein, oder? Dieses Lachen. Je glücklicher die anderen zu sein scheinen, desto anstrengender wird es für einen selbst. Den ganzen Film über wackelt deine Kamera, zieht sogar in der Totalen immer noch mal kurz nach links, nach rechts. Es gibt keine Stille, nirgends. Alles ist eine anstrengede Perfomance. Doch je näher „Melancholia“ kommt, desto ruhiger wird das Bild. Kiefer Sutherland hat da längst seine Schlaftabletten eingewürfelt. Er kann nicht mehr. Kirsten kann wieder. Sie wird immer ruhiger. Endlich Klarheit. Es ist vorbei. Dieses Spiel, an dem man irgendwie nicht teilhat.

Im Grunde hast du der Todessehnsucht ein Denkmal gesetzt, Lars. Deshalb sorry für den pathetischen Schwachsinn mit dem „betrunken Musik hören“. Das will nämlich Kirstens Schwester auch: "Lass uns doch zusammensein, wenn es passiert, ein Glas Wein trinken, Musik hören," fleht sie Kirsten an. Kirsten schaut sie entgeistert an: „Das ist eine Scheiß Idee.“

Es ist die gleiche Idee, die Kirstens Bräutigam hatte, als er sie nach der desaströsen Hochzeitsnacht mit den Worten verlässt: "Es hätte alles so schön sein können." Und sie: "Ja, hätte es. Aber was hast du erwartet?"

Dann krachen die Planeten ineinander. Endlich Stille. Im Kino mussten ein paar anfangen zu lachen, so still war es.

Weiterhin also viel "Spaß"!
Sebastian

 
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Kommentare
takamura schrieb am 10.10.2011 um 21:38
lieber sebastian,

es sooen ja keine vergleiche angestellt werden, da jeder film für sich betrachtet werden sollte.
unabhängig und ohne den bezug zu anderen filmen.
ich finde den film "drive" wunderbar!
ich war gerührt. angetan. in mir wurde ein verlangen nach wunderbaren filmen ausgelöst.
drive ist ein film der als bezugspunkt angesehen werden kann. eine art richtschnur wie musik, bild, und ton ineinander geflochten zu einem werk werden.
ich hoffe, du hast den film auf english gesehen. den wie du weisst, verdirbt die verdeutschte ausgabe eine films den ganzen inhalt.
ryan gosling, seine stimme, sein ausdruck, die ruhe, die gewalt all die einzelnen teile und das ganze. wunderbar. auch wenn ich mich wiederhole, einfach wunderbar.
melancholia hat einen eigenen wert. doch es ist für sich gesehen, kein meisterwerk. es ist als filmkunstwerk eine art kunstwerk. nicht mehr und nicht weniger. die filme von lars sind eben filme mit seiner handschrift. egal was er macht, es ist sofort zu erkennen, dass es von lars ist.
die filme von nicolas windig refn, sind so unterschiedlich, dass es nicht sofort erkennbar ist, dass es ein refn film ist!
danke für den artikel!
grüsse
yeni dünya
Sebastian Dörfler schrieb am 10.10.2011 um 22:13
lieber yeni dünya,

danke – ich muss gestehen, ich kenne gar keinen film von nicolas windig refn, co-autor björn schon. was du über die filme von lars von trier schreibst, ist bestimmt richtig. und trotzdem hat mich melancholia irgendwie nachhaltig beeindruckt – und das schaffen seine filme meistens, trotz der gleichen handschrift.

einen schönen abend!
sebastian
j-ap schrieb am 11.10.2011 um 10:46
»und trotzdem hat mich melancholia irgendwie nachhaltig beeindruckt« — Was genau war es denn, was Dich so beeindruckt hat, Sebastian? Kirsten Dunst allein wird's wohl nicht gewesen sein, Thanatos-Festspiele gibt's auch von Riefenstahl und den Alk vorm Abkratzen bei Edgar Allan Poe (zB in »A Cask of Amontillado«).
Sebastian Dörfler schrieb am 11.10.2011 um 11:00
ach, kirsten alleine kann auch schon beeindrucken. aber da mir zur zeit sowieso mal wieder alles zuviel ist, war es vor allem diese sehnsucht nach stille. das ist jetzt nicht sonderlich originell und auch nichts neues, ich weiß – aber sie ist nunmal da. und vielleicht sah sie noch nie so schön aus wie in diesem film.
j-ap schrieb am 11.10.2011 um 11:53
»da mir zur zeit sowieso mal wieder alles zuviel ist« — Da finde ich zumindest den Ansatzpunkt nachvollziehbar, Sebastian. Verstehen kann ich ihn allerdings nicht, weil Du zu wenig darüber mitteilst. (Whoops, Zaunpfahlalarm. :b)

Vor allem darüber, ob diese »Sehnsucht nach Stille« ein latenter Wunsch nach Stillstellung der Verhältnisse ist (darauf scheint mir nämlich der Trier-Streifen hinzudeuten) oder aber ein Imperativ, die Verhältnisse so zu ändern, daß diese annihilationistische Sehnsucht gar nicht erst notwendig ist.

Grüße!
Sebastian Dörfler schrieb am 11.10.2011 um 12:36
du hast schon wieder recht, josef. ich "muss" einfach zu viel quatsch machen gerade – fürs wesentliche bleibt zu wenig zeit.

und klar: der gedanke, nach dem film erstmal die wallstreet o.ä. zu besetzen, kommt einem nicht unbedingt.
j-ap schrieb am 11.10.2011 um 19:46
Warum sollte man auch so blöd sein und ausgerechnet die Wall Street besetzten -- und nicht, sagen wir mal, eine Autofabrik in Rüsselsheim, eine Ölraffinerie in Baton Rouge, ein Casino in Vegas oder wenigstens ein Bordell am Bois de Boulogne?

Ich habe bis heute noch keine einzige vernünftige Erklärung dafür gehört, warum zwar einerseits der Kapitalismus schlimm und beschissen ist -- was stimmt -- aber die Lösung gerade nicht in seiner Abschaffung und Überwindung, sondern in einem nun bitteschön aber sogleich zu gewährenden Mehr an Transparenz, Demokratie, Ehrlichkeit, Sparsamkeit und allgemeiner Amts- und Sittenaufsicht bestehen soll.
Sebastian Dörfler schrieb am 11.10.2011 um 21:31
ha, dachte ich mir schon, dass du das alles bekloppt findest! jetzt muss ich dir doch mal widersprechen: die occupy-menschen sind (noch) nicht die piraten-partei. transparenz-forderungen o.ä. gab bisher nicht. im gegenteil: eher die sympatische absage an den allgemeinen polit- und medienzirkus. ich zitiere mal aus dem ows-journal von gestern:

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No list of demands

Tens of thousands of New Yorkers streamed into Foley Square on Wednesday—labor unions rolled out, students walked out. The occupation of Wall Street grew to resemble the city we live in.

What race, age, religion, occupation did we represent? None of them. All of them. Barricaded in by steel pens, surrounded by a thousand cops and NYPD helicopters above, we saw our power reflected in their need to control us. But just as this is our movement, it is our narrative too.

The exhausted political machines and their PR slicks are already seeking leaders to elevate, messages to claim, talking points to move on. They, more than anyone, will attempt to seize and shape this moment. They are racing to reach the front of the line.

But how can they run out in front of something that is in front of them? They cannot. For Wall Street and Washington, the demand is not on them to give us something that isn’t theirs to give. It’s ours. It’s on us. We aren’t going anywhere. We just got here.
-------------

vielleicht also doch ein wenig hoffnung, die hier noch besteht? oder: bestehen muss, damit wir ideologisch nicht schon lars-von-trier-mäßig abestumpft sind?
j-ap schrieb am 12.10.2011 um 09:50
Also so einfach laß' ich Dir hier nicht raus, Sebastian. Wenn Du nämlich dem Weg zur Quelle hinauf folgst, dann landest Du beim Uraufruf der Adbusters von Mitte Juli dieses Jahres, in dem es heißt:
The time has come to deploy this emerging stratagem against the greatest corrupter of our democracy: Wall Street, the financial Gomorrah of America. (...)

The most exciting candidate that we've heard so far is one that gets at the core of why the American political establishment is currently unworthy of being called a democracy: we demand that Barack Obama ordain a Presidential Commission tasked with ending the influence money has over our representatives in Washington. It's time for DEMOCRACY NOT CORPORATOCRACY, we're doomed without it.

This demand seems to capture the current national mood [!] because cleaning up corruption in Washington is something all Americans, right and left, yearn for and can stand behind. (...)

Beginning from one simple demand – a presidential commission to separate money from politics – we start setting the agenda for a new America.
Videlicet: Die gute, wahre, schöne, echte, authentische amerikanische Demokratie wurde hintergangen von halbseidenem Gelichter, das sich jetzt eben dafür vor einem ideellen Gesamtbundesrechnungshof von unten zu verantworten hat und nach erfolgter Durchführung der basishalber veranlaßten Amts- und Sittenaufsicht ... beseitigt wird? Nein: Mit dem Antrag konfrontiert wird, es möge sich doch bitte selbst verabschieden und denen Platz machen, die vom Staat des ganzen Volkes tatsächlich was verstehen.

Eine Kritik, die so vorgetragen wird, die will von ihrem Gegenstand (der es nämlich macht, daß eine ganze Latte materieller Interessen vor ihm zuschanden gehen müssen — das ist aber nicht irgendein Finanz-Sündenbabel in der Wall Street, sondern Staat, Kapital, Geld, Wert und so weiter!) gar nichts wissen, sondern nur Unzufriedenheit rationalisieren, d.h. die begründete Ablehnung einer Sache durch Sorge um sie ersetzen.

Was soll man bitteschön von so einer sehr amerikanischen Staatsgründungs- bzw. -erneuerungsbewegung halten?
Sebastian Dörfler schrieb am 12.10.2011 um 20:34
na, die hoffnung ist, dass sie mittlerweile über so eine minimal-posse hinaus sind. inwieweit das natürlich stimmt – keine ahnung. aber interessant anzusehen ist es ja schon, wie sich gerade die linken pop-ikonen das "human mic" weiterreichen – und wievel pathos da von alles seiten reingelegt wird… ich bin anfällig für sowas, weißt du doch. und werde am schluss wieder dastehen und denken: "was hast du erwartet?"

wo wir gerade mal wieder hier sind: wie steht es eigentlich um deine "ausstiegs-pläne"? hast du nicht vor einiger zeit einmal ganz leise etwas in diese richtung artikuliert, als wir über ähnliches geredet haben – einen persönlichen ausweg aus diesem ganzen dilemma hier? ich bin mir fast sicher.

gespannt:
sebastian
j-ap schrieb am 13.10.2011 um 18:51
Tief im Herzen bist Du halt ein Romantiker — und sag' nicht, daß Du das zum ersten Mal hörst!

Die Frage ist ja, was seine Pathosfähigkeit über einen Gegenstand aussagt: Es deutet zumindest darauf hin, daß es sich um ein Allgemeines handelt, worum es dabei geht; also um etwas, was schon längst von jedem konkreten Interesse absieht und es unterpflügt, insofern paßt auch das theologische Vokabular aus den Aufrufen.

Achja, meine »Ausstiegspläne«: Zwischen die und ihre Umsetzung kamen, der Reihe nach, kapitalistische Verwertungserfordernisse, lateinamerikanische Verwaltungsgepflogenheiten und das angelsächsische Immobiliarsachenrecht. Ich bleibe aber dran. ;-)

Grüße!
KalleWirsch schrieb am 11.10.2011 um 09:11
Ich trau mich ehrlich gesagt nicht in Melancholia. Lars von Trier kann m.E. nur großartig (Dogville, Dancer In The Dark) oder nervtötend (Breaking The Waves) sein. Melnacholia hört sich, nach allem was ich gelesen habe, verdammt nach Breaking The Waves an, und das ist so ziemlich der nervtötendste Film den ich je gesehen habe (obwohl man ihm zugute halten muss, dass er mich so aggressiv gemacht hat, dass etwas kaputt machen wollte).
KalleWirsch schrieb am 11.10.2011 um 09:19
Was ich vergaß: Die persönliche Briefform der Filmbesprechung von zwei Autoren hat mir sehr gut gefallen.*****
Sebastian Dörfler schrieb am 11.10.2011 um 10:25
danke, kalle! und vorsicht: es besteht die gefahr, dass man aus dem kino kommt und vor allem sich selbst kaputt machen will. ;)
KalleWirsch schrieb am 11.10.2011 um 10:49
Och, ich bin ein wahrer Meister der Projektion;)
Sarah Rudolph schrieb am 11.10.2011 um 09:53
Lieber Sebastian,

mir geht es ganz ähnlich wie Kalle und doch ganz anders.
Nach diesem Briefen bin ich jetzt noch verwirrter als zuvor. Zu Beginn war ich ganz klar darin, diesen Film nicht sehen zu wollen. Allein die Ästethik von Antichrist (den ich davon abgesehen vielleicht gar nicht so scheiße gefunden hätte) hat mich völlig wahnsinnig gemacht, und die wenigen Bilder, die ich von Melancholia sah, schienen mir in die gleiche unangenehme Richtung zu gehen, weshalb ich mich nicht mal ansatzweise damit beschäftigt habe, es war einfach klar, dass ich diesen Film nicht sehen werde.
Dann las ich die Kritik von Andreas Busche im Freitag www.freitag.de/kultur/1140-sieht-nicht-gut-aus und kam ins Grübeln, ob ich das nicht doch überdenken solle, es reizte mich auf einmal sehr.
Eure Briefe nun ... ich weiß es nicht. Irgendwie schreckt mich das alles total ab.
Kannst du mir nicht raten? So unter Melancholikern?

Liebste Grüße
Sarah
Sebastian Dörfler schrieb am 11.10.2011 um 10:34
liebe sarah,

anitchrist konnte ich nicht mal bis zum ende sehen, das war mir zu viel, zu "psycho". aber klar sollten sich melancholiker "melancholia" angucken! sie werden mit einem wohligen gefühl den saal verlassen und denken: "sag ich doch immer".

und schreib dann, wie du ihn fandest, ja?
sebastian
Sarah Rudolph schrieb am 12.10.2011 um 21:23
Natürlich schreibe ich wie ich ihn fand. Aber ich habe den Verdacht, dass das noch ein wenig dauern könnte. Ich weiß wirklich nicht, ob ich mir einen solchen film antun muss, nur um mich hinterher scheiße zu fühlen. Oder doch wohlig? Ach!

Und ja, Antichrist ist ziemlich sick. Wobei ich ja auf diesen Psychokram stehe, irgendwie. Nicht nur melancholisch, zu allem Überfluss auch noch einigermaßen verrückt.
Aber wie gesagt, diese ganze Bildästhetik war mir zusammen mit diesem absolut Irren dann auch zuviel.

Ich hadere weiter ...
Sarah
Streifzug schrieb am 11.10.2011 um 12:12
Lieber Sebastian,

Charles Baudelaire, Jean Baudrillard, Maurice Joly, Joris Huysmans, John Bunyan, Georges Bataille, Octave Mirbeau, Arthur Rimbaud, Lautréamont habe ich gelesen, entsprechende Filme geschaut. Es blieb eine Leere. Was tun? Wie erschließe ich mir einen Strom abgründigster Phantasien, einen Strom, der nie versiegt, einen Strom, der mein nimmersattes Selbst ewig nährt?

So wurde ich Fallensteller. Meine Filme sind der Köder. Die daraus resultierenden Briefe die Beute.

Danke für deine Einsichten in die abstrusen Abgründe menschlichen Denkens.
Bis bald,
Lars von Trier
Sebastian Dörfler schrieb am 11.10.2011 um 12:53
lieber lars,

danke für die schnelle antwort. dachte ich mir schon, dass du dann dasitzt und amüsiert zuschaust, wie diese leute versuchen, irgendwo bedeutung reinzuinterpretieren. wo du doch die möglichkeit jeglicher bedeutung gerade wieder mal ad absurdum geführt hast.

hört sich spaßig an. ich hoffe, du bist zufrieden mit der beute.

bis zum nächsten mal!
sebastian
Streifzug schrieb am 11.10.2011 um 13:16
KalleWirsch schrieb am 11.10.2011 um 13:58
Lieber Lars,

ein kleines Bächlein hätte ich für dich. Obwohl ich mir sicher bin, du kennst das schon.

youtu.be/qtEASs7helw
Streifzug schrieb am 11.10.2011 um 15:15
Lieber Sebastian,

wie sagen wir Jäger: Du bist mir ein gefundenes Fressen.

Prasadam!
Lars
Sebastian Dörfler schrieb am 11.10.2011 um 22:05
bei solchen videos… immer wieder gerne.
tlacuache schrieb am 11.10.2011 um 12:43
Freitagblogger = Geisterhospital
Leider noch nicht auf Krankenschein, das Kinoticket.
Gruss, L.v.T.
Michael Angele schrieb am 11.10.2011 um 17:24
Genau, Hospital der Geister, hier kommen die Melancholie und der Witz von Triers doch aufs Schönste zusammen

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