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„Herr Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung...“ – „Mir nicht.“ So beginnt das berühmte Spiegel-Interview „Keine Angst vor dem Elfenbeiturm“ von 1969, in dem Adorno begründet, warum er in jenen turbulenten Zeiten lieber ganz auf die verändernde Kraft der Theorie setzt.
Seitdem ist viel geschrieben worden über die Frage, ob man überhaupt noch etwas tun kann, sofern man sich nicht die Hände an jenem "Falschen", dem alles bestimmenden Kapitalismus, schmutzig machen will. Lange schien der Rückzug in den Elfenbeinturm die tragische Konsequenz der kritischen Theorie zu sein. Der Jazz-Hasser Adorno als Komponist filigraner Zwölftonmusik – so das oft bemühte Bild für die Weltflucht eines Intellektuellen in seine ästhetische Theorie.
Das das nicht alles sein kann, war immer irgendwie klar. Verständlich wird dieses Geflecht aus Theorie und Praxis jedoch erst, wenn man es mit den letzten Schriften von Slavoj Žižek entwirrt. Denn nur auf den ersten Blick haben der stets traurig schauende Theodor „Teddy“ W. Adorno und der bekennende Neurotiker Slavoj Žižek nichts gemein. Hier habe ich einen Artikel über beide und die Frage "was tun?" geschrieben.
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Danke auch für den Artikel. Wenngleich die Terminologie verschieden ist, sind da meines Erachtens Ähnlichkeiten zu Jullien, doch das (wie auch die japanische Heidegger-Rezeption z. B. bei Masao Abe) passt nicht recht ins Blickfeld herkömmlich linken Politikverständnisses.
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Hallo Dreizehn,
vielen Dank für den Hinweis. Ich habe Jullien bisher nicht gekannt, liest sich aber sehr vielversprechend an... |
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Danke für den Artikel, sehr interessant.
Eine Frage zu folgender Textstelle: "Žižek geht es zunächst erneut um seine These, derzufolge jeder, der heute vom „postideologischen Zeitalter“ und von der schrankenlosen Freiheit des Subjekts spricht, selbst im Dienste der Ideologie steht. Denn er macht den Kapitalismus zur Grundlage jedes Gedankens und jeder Handlung. Die postmodernen Dekonstruktivisten werden so für Žižek zu „nützlichen Idioten des Kapitalismus“, wie „Die Zeit“ schrieb." Mit Dekonstruktivismus verbinde ich zu allererst Derrida. Und es würde mich wundern, hätte er vom „postideologischen Zeitalter“ und von der schrankenlosen Freiheit des Subjekts gesprochen. (Ich kann mich natürlich irren.) Auf welche Postmodernen Denker bezieht sich das also? |
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Hallo cms,
das ist natürlich etwas flapsig formuliert gewesen. Es geht eher darum, dass manche in Anlehnung an Lyotards "Ende der großen Erzählungen" das postmoderne Zeitalter für ein ideologiefreies halten. Das bestreitet Zizek. Zizeks oftmals polemischer Vorwurf ist dabei der, dass der dekonstruktive Ansatz Derridas lediglich eine ironische Distanz zum Geschehen einnimmt, damit jedoch alles beim alten belässt. Wir wissen ja eigentlich, dass die Welt kaputt geht, dass der Kapitalismus nicht das gelbe vom Ei ist etc. Wir handeln aber weiter alle so, als sei das nicht der Fall – einer ironischen Distanz zum Geschehen sei dank. Die Dekonstruktion Derridas oder Butlers ist für Zizek zum Synonym für diese Haltung geworden. |
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Das hilft mir weiter. Nach meinem jetztigen Wissensstand würde ich ihm (eher spontan) zwar nicht zustimmen, aber ich werde es bei meiner weiteren Derridalektüre mal im Hinterkopf behalten. Danke.
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... und ich bei meiner weiteren Butler-lektüre
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Oh ja, Butler wollte ich mir ja auch noch vornehmen. Übrigens, wo wir schon in der Richtung sind: Ich habe mir neulich beim Verlag Turia + Kant ein Buch runtergeldaen, das nicht mehr zu kaufen ist und deshalb als freier Download erhältlich. Thema: DIe Hegemonietheroie Ernesto Laclaus. Hab bisher nur die Einleitung gelesen, aber sehr interessant. Mit Beiträgen u.a. von Butler, Žižek und natürlich Laclau selbst. Zum Download gehts hier lang: www.turia.at/downloads/laclau.html
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toll, danke! Dann halt doch noch ein bisschen Theorie vor der Praxis ;-)
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Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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