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Junge Feministinnen brechen alte Dogmen - mit knappen Outfits und obszönen Gesten. Kritikerinnen bezweifeln jedoch, ob der neue Popfeminismus tatsächlich der Emanzipation dient.
Von May Naomi Blank und Dena Kelishadi
Ein Mikrofon baumelt demonstrativ zwischen den Beinen der Sängerin Peaches; die Kamera filmt sie von unten, direkt in ihren Schritt. Scheinwerfer erleuchten die Bühne in Pink. Peaches hackt mit ihren Pfennigabsätzen zum Takt auf den Boden und stöhnt dazu. Mit der Strophe „You've got them all, by the balls, causin' waterfalls“ (du hast sie alle bei den Eiern, und sie spritzen ab), beginnt sie ihren Song „Boys wanna be her“.
Peaches, samt provokanter Sexualmetaphorik, gilt als Galionsfigur einer neuen Welle des Feminismus. Erotik und Emanzipation, diese Mischung war lange Zeit undenkbar. In der deutschen Öffentlichkeit galt der Feminismus als unattraktiv, unsexy und verkrampft. Auf der LiMA leitet die Journalistin Eva Gutensohn ein Seminar über diese neue Art der Emanzipation, den sogenannten Popfeminismus. Eine permanente Frauenbewegung ist bis heute wichtig, findet Gutensohn: „Es ist nicht auszuschließen, dass wir Frauen in 30 Jahren wieder am Herd stehen, wenn wir nicht da weitermachen, wo wir jetzt sind.“
Popfeminismus ist die Mischung aus zeitgemäßer feministischer Kritik und emanzipatorischer Initiative – von Frauen für Frauen. Popfeministinnen nehmen die Massenkultur unter die Lupe: Gibt es sexistische Strömungen in der Musik? Wer sind die Akteure in der Modebranche? Wer arbeitet in der Theaterkritik? Immer noch wird die Popkultur von Männern dominiert. Um dem Kontra zu geben, machen Popfeministinnen ihre eigenen Projekte. Selbstbestimmt inszenieren sie eine offensive Sexualität, die man von Frauen nicht erwartet. Frauen wie Peaches benehmen sich wie die Männer aus der Machokultur, und halten ihnen damit den Spiegel vor.
Trotzdem stellt sich die Frage: Warum ist das Powackeln eines Spice Girls etwas anderes als das Powackeln von Peaches? Man möchte behaupten, beides Mal fügen sich Frauen männlichen Phantasien. „Popfeministinnen, wie Peaches oder auch Lady Bitch Ray, wackeln nicht mit ihrem Po, um das männliche Publikum aufzureizen“, sagt Gutensohn. Es sei ein Irrglaube, zu denken, Feminismus wäre etwas Unkörperliches. Bis heute werde das Feministinnen oft unterstellt.
Mit ihren Seminarteilnehmerinnen und Seminarteilnehmern besucht Eva Gutensohn die Redaktion des Missy Magazines, wo Redakteurin Stefanie Lohaus erzählt, von wo und wann der Begriff „Popfeminismus“ stammt: Obwohl es ihn schon seit den 90er Jahren gibt, ist er erst seit 2007 im breiteren öffentlichen Diskurs bekannt. Damals erschien das Buch „Hot Topic. Popfeminismus heute“ von Sonja Eismann, eine der Herausgeberinnen der Missy.
Obwohl die Missy-Journalistinnen den Erfolg des Popfeminismus vorantrieben, ist ihre Arbeit umstritten. Kritiker finden ihre Haltung hip und schick, aber dafür zu unpolitisch. Gutensohns Vision für die feministische Praxis ist eine Bewegung mit popfeministischen Ansatz, aber mehr ernstem, politischem Diskurs. Gegen ästhetischem Aussehen sei nichts einzuwenden, aber „Geburtenkontrolle, Selbstbestimmung über den eigenen Körper und die Sexualität sind problematische Themen, die noch lange nicht gelöst sind.“
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finde Gutensohns kritik nachvollziehbar, einerseits
aber andererseits: spaß möchte auch sein! oder darf feminismus nur bierernst? (bierernst? ist das nicht auch den mit-glied-ern vorbehalten?) |
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"Warum ist das Powackeln eines Spice Girls etwas anderes als das Powackeln von Peaches? "
Eine Frage, die die Welt bewegt :-)))) |
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schrieb am
18.03.2011 um 16:48
„Popfeministinnen, wie Peaches oder auch Lady Bitch Ray, wackeln nicht mit ihrem Po, um das männliche Publikum aufzureizen“, sagt Gutensohn. Es sei ein Irrglaube, zu denken, Feminismus wäre etwas Unkörperliches."
Hm, dann wackeln Sie also für ihr weibliches Publikum mit dem Po oder habe ich da was falsch verstanden? Wenn der Feminismus doch so körperlich ist ... Wie auch immer, gut zu wissen, dass sie nicht für mich damit herumwackeln. Muss ich also aufpassen, dass es mich nicht aufreizt, wenn ich zufällig mal ein Video so einer feministischen Künstlerin sehe. Vielleicht wäre es hilfreich, wenn bei den Videos unten ein entsprechender Warnhinweis eingeblendet werden würde. |
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Mach dir nicht so viele Sorgen: genieße das Powackeln, von wem auch immer. :-)
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Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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