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12.03.2011 | 20:42

Alle Macht den Quellen

 

Enthüllungsplattformen wie Wikileaks oder Openleaks haben Hochkonjunktur. Gerade Linke sollten solche Projekte verteidigen, denn sie versuchen, mit frei verfügbaren Informationen Hierarchien zu brechen

Von Anton Thun

Erschreckende Neuigkeiten gelangen in den letzten Monaten regelmäßig in die Medien. Dahinter stehen Enthüllungsplattformen wie Wikileaks, die dieser Tage Hochkonjunktur haben. Zeitgleich spalten sich die Meinungen zu dieser Art von Aufklärung.

Kritiker meinen, durch veröffentlichte Militärdokumente würde etwa die Sicherheit von Soldaten gefährdet. Dennoch sollten gerade Linke solche Plattformen verteidigen. Die Enthüllungen sind ein aufklärerischer Akt, der an der Macht der Herrschenden nagt.

Enthüllungsplattformen veröffentlichen nicht zufällig irgendwelche Dokumente, sondern haben ein Ziel. Dahinter steht die Annahme, dass vor allem Regierungen und Konzerne mittlerweile einen besseren Zugang zu Informationen haben als die Bevölkerung, und dass sie ihr Wissen auch für sich behalten. Die Idee ist nun, diesen ungleichen Informationszugang mit radikaler Transparenz von unten zu brechen. Diese Vorstellungen haben ihre Wurzeln in anarchistischen Theorien und werden durch die brisanten Internetseiten verwirklicht.

Mittlerweile wird aber auch Kritik an der Funktionsweise von Wikileaks laut. Daniel Domscheit-Berg, einst Wikileaks-Sprecher, ist nun selbst einer der größten Kritiker. Er bemängelt beispielsweise, dass eine kleine Gruppe für die Veröffentlichung verantwortlich ist und somit neue Monopole entstehen - und zudem die Sicherheit der Informationsgeber nicht vollständig gewährleistet wird.

Diese Erfahrungen versucht er bei Openleaks zu berücksichtigen und damit ein alternatives Modell zu Wikileaks aufzubauen. Die Theorie der Transparenz bleibt zwar dieselbe, aber die Methode soll verändert werden. Openleaks will einen automatisierten Ablauf schaffen, bei dem die Daten hochgeladen werden können und sie nur noch von Openleaks-Beteiligten anonymisiert werden, damit man sie nicht zurückverfolgen kann. Anschließend werden diese Daten automatisch an eine Auswahl von Medienhäusern und neuerdings auch Gruppen wie NGOs oder Gewerkschaften geschickt, die ein Interesse an gesellschaftlicher Aufklärung haben. Somit gibt es keine Eliten, die sichten und veröffentlichen. Der Informationsgeber selbst erhält die Entscheidungsmacht, was mit den übergebenen Daten passiert.

Es bleibt aber die Frage, was die sogenannten Whistleblowing-Plattformen überhaupt leisten können. Klar ist, dass sie von sich aus keinen Wandel herbeiführen können. Sie können aber Anstoß zu Bewegungen sein und Aufklärung bringen. „Der heutige Standard der Geheimhaltung muss in den Standard der Offenheit transformiert werden“, sagt Demoscheit-Berg auf der LiMA. „Um solche Ziele zu erreichen, wird auch eine Stiftung gegründet, die Whistleblowing nachhaltig institutionalisieren und etablieren soll.“ Der Gründer von Openleaks erhofft sich auch eine Verbesserung der Gesetzgebung zugunsten der Whistleblower. „Die Krankheiten unserer Gesellschaft reifen im Geheimen. Lasst uns versuchen, diese Geheimhaltung zu verhindern um damit auch die Krankheiten zu bekämpfen!“

Die Testphase der neuen Openleaks-Plattform beginnt im Sommer, danach soll sie den normalen Betrieb aufnehmen.

 
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