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Der Publizist Robert Misik bringt auf den Punkt, weshalb Linke heute so wenig Gehör finden. Und daran selbst Schuld sind.
Heute haben alle progressiven Milieus ein Kommunikationsproblem. Nicht nur die sozialdemokratischen Parteien, über deren aseptische Polit-Sprache sich viele lustig machen. Ähnliches gilt für die „linkeren“ Linksparteien mit ihren leeren halbstarken Worthülsen und ihrem toten Jargon aus den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts, oder für die Gewerkschaften mit ihrem Funktionärssprech. Oder für Intellektuellenmilieus mit ihren Wortgirladen von „Diversity“, „Biopolitik“ etc. Organisationen und Milieus entwickeln ein Eigenleben, man entwickelt einen Binnen-Jargon, um sich von anderen abzugrenzen – und verlernt so, mit normalen Menschen auf normale Weise zu kommunizieren.
Linke müssen lernen, über ihre Werte zu sprechen. Bei dem Thema beginnen sie ja oft nervös zu zucken, weil von „Werten“ reden doch normalerweise die Konservativen so gerne. Und Linke argumentieren mit den „Interessen“ die diese oder jene Gruppe hat. Aber das greift zu kurz. Wir sind für Gleichheit und soziale Gerechtigkeit, weil es unserem ethischen Kompass entspricht. Oder auch, weil eine Gesellschaft als ganzes dann besser funktioniert, wenn sie nicht in grobe Ungleichheiten zerrissen ist. In Wahrheit ist die Linke doch die einzige politische Kraft, die einen Begriff von Gemeinnutz hat. Breitere gesellschaftliche Allianzen werden immer von einer geteilten Moralität zusammengehalten.
Die Linken müssen klare, konkrete Ziele formulieren, für die man sich begeistern kann. Das Ziel einer Gesellschaft, in der alle gleiche Chancen haben und alle ihre Talente entwickeln können. Übrigens kann man das auch auf folgende Weise plakativ formulieren: „Wir brauchen jeden und jede!“ Aber die Linke ist viel zu defensiv geworden und sie hat für dieses „auf zu neuen Zielen“ praktisch keine Sprache mehr. Stattdessen sagt man den Leuten eher: „Wählt uns, weil mit uns wird es langsamer schlechter“. Damit schleicht sich so ein Depri-Ton ein. Aber Miesepeter haben noch nie die Welt verbessert. Nur Optimisten können die Welt verbessern.
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Gewiss, so einfach ist es, politischen Inhalt zu vermitteln.
Philosophische Miesepeter haben unser Diesseits interpretiert, das es zu verändern gilt. Ohne "Depri-Ton". Danke. |
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An die LINKE, sehr geehrte Frau Lötzsch,
ich habe gerade in den heute Nachrichten eine Wahlprognose gesehen, in der die LINKE in zwei Bundesländern nur 4 % vorhergesagt bekommt. Ich möchte Ihnen vorschlagen, nachträglich zu ihrem Auftritt am 18.März 2011 in Offenbach a.M., bundesweit einen Aufruf an alle ehemaligen und diensttuenden Kriegsdienstverweigerer zu richten, mit ihren Stimmen bei den anstehenden Wahlen, die LINKE zu wählen. Leider haben sich die Grünen zu einer Kriegsunterstützerpartei entwickelt. Ihnen sollte kein Kriegsdienstverweigerer seine Stimme geben. Mit so einem Aufruf ließe sich so manches Gewissen bei uns Kriegsdienstverweigerern wecken, links zu wählen. Sehr bedauerlich finde ich es, das die libyschen Kräfte des Widerstandes nicht den Weg des gewaltlosen Widerstandes wie in Tunesien und in Ägypten gegangen sind. Sicherlich hätte dieser Weg auch Opfer gekostet aber der humanitäre Rückhalt und die Sympathie für die Revolte wäre größer gewesen. Krieg mit Krieg zu beantworten, lässt nur einen Gewinner zu, nämlich den des militärisch Stärkeren. Am Ende werden beide Seiten in diesem Bruderkrieg die Verlierer sein. Verheerend finde ich die jetzige Eskalation der Einmischung ehemaliger Kolonialmächte, denen es um den Zugriff auf die Bodenschätze des Landes geht. Mit freundlichen Grüßen aus Offenbach am Main Uwe Kampmann |
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Und selbst? "Kommunikationsproblem"? "Progressive Milieus"? "Normale Menschen"? "Geteilte Moralität"? Ist doch ebenfalls Hohlsprech.
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@ Dreizehn
Es scheint nicht nur an der Sprache zu hängen, die diese LiMA benutzt. Die Diskussionsbereitschaft, eine grundlegende Voraussetzung demokratischen Erkenntnisgewinns, ist bei 61 Beiträgen und nur 4 Kommentaren ebenfalls nicht vorhanden. Da nützt das Lamentieren über die angeblich unangemessene Sprache der "linkeren Linksparteien" gar nix. Das Verkünden ex cathedra ist alles andere als links. |
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Sehr richtig. Die Zeit des Jammerns muss endlich ein Ende haben.
Ich schrieb vor über einem Jahr einen richtungsweisenden Blogbeitrag, in dem ich der Linken einen hilfreichen Fingerzeig gab. Wer politische Erneuerung will, sollte sich das noch einmal durchlesen. Auch in vielen Kommentaren lassen sich nützliche Hinweise finden. |
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Dieses Gestammle der Linken geht mir schon seit Studentenzeiten (in den frühen siebziger Jahren) auf die Eier. Die DKP folgte sturheil der Sprachregelung der DDR, die Maoisten hängten sich an den Plattheiten Maos auf und die elitären Seminarmarxisten... ach.
Weil ich mich an die Klassiker selber nicht herantraute habe ich damals einige Einführungen in den Marxismus gelesen und mir gesagt: Wenn schon die Einführungen so kompliziert sind, wie kompliziert müssen dann erst die Originaltexte sein? Irgendwann habe ich dann doch einige Bücher von Marx, Engels und - ja, auch - Lenin gelesen und verblüfft festgestellt, daß sie wesentlich einfacher und klarer waren als die "Einführungen". (Dasselbe ist mir übrigens auch bei Freud passiert.) Vor allem Engels war (und ist) mir eine Freude. In einem Theaterstückerl sind damals die Maoisten und Seminarmarxisten karikiert worden, in der Figur des Poeten wurde eine Alternative skizziert: Vorspiel auf dem Theater Der Agitator, der Weise, der Poet. Der Agitator mit keckem Proletenkapperl, der Weise mit Doktorhut und Umhangmantel, der Poet mit Lorbeerkranz. Agitator: Tritt vor, die geballte Faust zum Himmel erhoben, nach und nach pathetischer werdend Herr Maier, der uns schon so oft Beschissen hat in Wort und Taten, Hat nun zum letzten Schlage ausgeholt, Der alle uns in Kürze treffen soll. Sind wenige bedroht, so werden wenig kämpfen, Sind aber alles Opfer des Komplotts, So werden alle Seit' an Seite steh'n. Wir müssen sein ein einig Volk von Brüdern, Gemeinsam kämpfend in der Stunde der Gefahr, Und wenn die Welt voll Teufel wär', so laßt Uns, tapfer kämpfend, siegreich sein, zuletzt. Laßt zündende Parolen uns ersinnen Um diese dann in stet'ger Wiederholung der breiten Masse der Studentenschaft Tagaus, tagein und Stund' um Stunde Zu predigen mit immer größ'rer Vehemenz. Jedes Wort betonend Kampf - dem - B - H - G ! Grunzt in wollüstigem Zorne, tritt wieder zurück Weiser: Tritt nach vorne, den Mantel mit großer Gebärde schließend Mein lieber Freund, ich glaub', Ihr macht Es euch ein bißchen gar zu leicht. Die Kompliziertheit der gegeb'nen Situation Verlangt nach einer angemess'nen Analyse. Es ist an uns, Notwendigkeiten aufzuzeigen, Und jedermann die Hintergründe zu vermitteln, Die diesem Machwerk Stellenwert verleihen. Wir müssen, soll der Kampf der Längerfristig' Perspektive nicht entbehren Die Widersprüche des Systems erläutern Und jedem transparenter machen Die Logik des abstrakten Kapitals. Die bürgerliche Wissenschaft zu kritisieren Und hinterfragbar machen ihre Intention Ist Kampf zugleich auch gegen dies Gesetz. Tritt zurück Poet: Tritt nach vorne, kratzt sich skeptisch am Kopf, der Lorbeerkranz verrutscht dabei Es ist schon richtig, irgendwie, was Beide Ihr hier eben sagtet - Mit der gebot'nen Skepsis freilich, Die deutlich zu betonen, ich mir Auch diesmal nicht verkneifen kann. Doch scheint es mir, ihr macht den zweiten Schon lange vor dem ersten Schritte, Und wundert Euch dann, daß der Kopf Schon wacker fortgeschritten ist, dieweil Der Arsch - die vielzitierte breite Basis - Am Ausgangspunkt behäbig sitzen blieb. Wenn Massen Ihr bewegen wollt, müßt Ihr Den Hebel, der die Kraft entfalten soll, An jenem Punkte wirken lassen, der durch Die Art der Masse vorgegeben ist Und niemals dort, wo esoterisch' Träume Den Archimedisch' Punkt gern sähen. Wenn Äcker Ihr bestellen wollt, Dürft Ihr das Pflügen nicht vergessen. Denn tut Ihr das und sähet gleich, Mit großer, weit ausholender Gebärde So wird zwar dies und jenes Pflänzchen Erblüh'n und volle Früchte tragen, Die große Mehrheit aber wird zuschanden Und euer ehrlich' Fleiß und Mühe Wird nur geringe Wirkung zeigen. Der beste Schlüssel zu der Leute Köpfe Scheint mir der ganz naive Spaß zu sein, Der schaurig-schöne Kitzel des Theaters, Die Freud' an wild geflunkerten Geschichten. Man sagt, nichts sei so tödlich Als treffend angebrachter Spott, Der Große Herren jeder Würd' entkleidet Und sie dem schadenfrohen Blick der Menge Als Stümpfchen Unschlitt sichtbar macht. Ciao Wolfram |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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