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12.03.2010 | 14:48

Das Elend des Journalismus

Unsicheres Einkommen, geringeres Zeilengeld, Stress und Druck: Freien Journalisten könnte eigentlich die Lust am Beruf flöten gehen. Warum sie trotzdem weitermachen und was sie verändern können, das wurde auf dem Podium am Donnerstagabend diskutiert.

Journalismus – eine Gratwanderung zwischen Hartz IV und Selbstaufgabe. Podiumsdiskussion. Donnerstag, 19 Uhr.

Von Felix Werdermann


Es kommt nicht häufig vor, dass Gewerkschaften Unternehmen loben. Und schon gar nicht, wenn diese schlechte Löhne zahlen. Bei der Tageszeitung taz ist das anders: Dort würden die Mitarbeiter fair behandelt, sagt Eva Werner vom Deutschen Journalisten-Verband (DJV). Und Konny Gellenbeck, Leiterin der taz-Genossenschaft, verteidigt die Preisdumping-Politik des Verlags: „Wir zahlen keinen Tariflohn. Sonst gäbe es die taz nicht mehr.“

Werner und Gellenbeck sitzen auf dem Podium im Roten Salon. Dabei sind auch noch der Medienpädagoge Andreas Kubitza, der freie Journalist Kai Schächtele und Moderator Andreas Weiland. Die Jugendpresse hat zur Diskussion geladen, knapp 50 Besucherinnen und Besucher – vorwiegend jüngere – sind gekommen. Und die sind mucksmäuschenstill, denn die Gäste auf dem Podium haben keine Mikrofone.

Alle verdienen weniger als 2.500 Euro

Die Zuhörer lernen erstmal das journalistische Niedrigpreis-Segment bei der taz kennen: Es gebe „keinen, der mehr als 2.500 Euro netto verdient“, sagt Gellenbeck. Das Einstiegsgehalt für Redakteure liege sogar unter 2.000 Euro brutto. Deshalb seien vor einigen Jahren auch viele zu anderen Zeitungen gewechselt. „Mittlerweile ist es umgekehrt.“ Die taz expandiert in der Krise: Niemand sei entlassen worden, erzählt Gellenbeck, die Online-Redaktion habe sogar noch Verstärkung bekommen.

Der Grund: Die taz verdient ihr Geld zu 80 Prozent aus dem Verkauf der Zeitungen, Anzeigeneinnahmen machen nur 12 Prozent aus. Von den wegfallenden Anzeigenkunden ist die taz also kaum betroffen. Bei der Konkurrenz sieht es aber anders aus. Die Verlage haben aber nicht nur mit der Wirtschaftskrise zu kämpfen, zusätzliche Sorgen bereitet das Wissen um die Online-Angebote. Inzwischen gibt es fast alle Inhalte auch kostenlos im Internet. Warum dann noch eine Zeitung kaufen?

Die Online-Konkurrenz

Diese Probleme kennen auch die Gewerkschaften. Die Stellenanzeigen aus den Zeitungen seien beispielsweise „ins Netz abgewandert“, sagt Werner vom DJV. „Das ist unwiederbringbar weg.“ Nun könne man bloß noch „dafür kämpfen, im Rahmen der Bedingungen das beste rauszuholen“. Zum Beispiel gebe es inzwischen eine Tarifbezahlung für freie Autoren.

Kai Schächtele (Foto: Janina Gutermann)Freuen kann sich darüber Kai Schächtele, Vorsitzender der „Freischreiber“, einem Verband von freien Journalisten. Trotzdem müssten sich viele Freie Sorgen machen, ob sie auch im nächsten Monat wieder genug Geld haben, um die Miete zu bezahlen. Für viele Menschen sei unvorstellbar, „unter welchen Bedingungen die arbeiten“. Besonders hart treffe das Berufseinsteiger, die froh sind, überhaupt einen Artikel in einer großen Zeitung veröffentlichen zu können – und sich deshalb mit einem geringen Zeilenhonorar zufrieden geben.

Auch wenn freie Journalisten eine unsichere Einkommenssituation haben – Schächtele möchte nicht mit fest angestellten Redakteuren tauschen. „Das, was mir gefällt, was mir Spaß macht, ist innerhalb von Redaktionen kaum zu machen“, sagt er. Zu viel Zeit werde für die Konferenzen und das Korrekturlesen anderer Texte verwendet.

„Überangebot an Journalisten“

Und wie kommt man als Freier durch das Leben? „Man muss sehr gut vernetzt sein“, sagt Gellenbeck von der taz. „Und man muss sich vermarkten können.“ Denn derzeit sieht die Arbeitsmarktlage für Journalisten nicht gerade rosig aus, wie Schächtele erklärt: „Es gibt ein Überangebot an Journalisten.“ Das führe dazu, dass die Redaktionen sofort einen zweiten freien Journalisten fragen können, wenn der zuerst angefragte Autor das nicht machen möchte.

Ist man also gezwungen, jeden Job zu übernehmen und zum Beispiel ein Praktikum nach dem anderen zu absolvieren? Der Deutsche Journalisten-Verband glaubt das nicht. „Wir haben eine klare Position“, sagt Gewerkschaftsfrau Werner. „Zumindest nach dem Studium keine unbezahlte Praktika mehr.“

Nur: Viele junge Menschen, die im Journalismus Fuß fassen möchten, halten sich nicht daran. In der Zunft des Schreibens gibt es noch immer eine Generation Praktikum, die sich auch auf der LiMA gezeigt hat: Ein Workshop hat nämlich doch einige Jugendliche angesprochen. Titel: „Ich brauche ein Praktikum!“ Leider fehlte der Dozent.

Fotos: Janina Gutermann

 
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