Gerhard Seyfried ist einer der Pioniere des „Underground Comics“. Mit seinen gesellschaftskritischen und antiautoritären Cartoons ist er wohl der berühmteste Vertreter seines Genres.
Ein Portrait von Niklas Schlindwein
Sonntagnachmittag auf der LiMA. Ein kleiner, älterer Mann mit grauem Haar und schwarzer Kleidung betritt das Podium. Die meisten Anwesenden wissen, dass es sich hier um einen der talentiertesten deutschen Underground-Künstler handelt. Es ist Gerhard Seyfried. Zufrieden stellt er sein neu fertiggestelltes Plakat für die LiMA im nächsten Jahr vor. Er selbst ist ein bekennender Linker. Die LiMA sei „ein gutes Ding“, sagt der 62jährige.
Gerhard Seyfried ist vielen Menschen wegen seiner die gezeichneten Wahlplakate für Hans-Christian Ströbele bekannt. „Der ist in Ordnung“, sagt der gesellschaftskritische Künstler. Seyfrieds Zeichnungen von Anarchos und lustigen Polizisten trifft auf eine große Fangemeinde. „In der linken Szene fühle ich mich wohl“, betont Seyfried häufig. Die Cartoons sieht er als politische Medien. So seien die Botschaften leicht übermittelbar, „weil viel über lachen läuft“. Mit Wortspielen wie „Freakadellen“ und „Bulletten“ oder auch „Pop! Stolizei!“ beweist er seinen künstlerischen Witz.
Durch skandalträchtige Cartoons gerät Seyfried immer wieder ins Visier der Polizei. Auf einer Zeichnung ist ein Anarchist zu sehen, der belustigt „Haschisch“ ruft, woraufhin der Polizist höflich „Gesundheit“ antwortet. Verhört und verhaftet wurde Seyfried auch bereits. Daraus, sagt er, entstand die Ablehnung gegen die Polizei: „Es ging mir darum, die Ehrfurcht der Leute vor der Uniform zu mindern.“
Als sein Vater Mitte der 50er Jahre zum Major befördert werden sollte, antwortete der: „Lecken Sie mich am Arsch, Hochachtungsvoll Fritz Seyfried!“ Gerhard Seyfried war da noch ein Kind. „Das hat mich damals schwer beeindruckt“, sagt der 62jährige heute über seinen Vater.
Später schrieb Seyfried junior für das Münchener Stadtmagazin „Das Blatt“, später arbeitete er in der Werbung. Doch dann entschloss er sich: „So eine Scheiße mach ich nicht mehr!“ Rückblickend bezeichnet Seyfried seinen Werdegang als eher zufällig.
Bis zum Alter von 40 Jahren hatte er keine Ahnung, wo er später einmal landen würde. „Aber zeichnen konnte ich schon immer.“ Heute ist Seyfried ein erfolgreicher Satire-Künstler. Seine Internetseite verzeichnet 40.000 Klicks pro Tag. Seit 1990arbeitet er mit der Künstlerin Ziska zusammen. Ihr neuestes Comicalbum – das erste seit zehn Jahren – handelt von Datenmissbrauch und von schmutzigen Machtphantasien neoliberaler Politik. Der Titel: „Kraft durch Freunde“.
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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