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15.03.2011 | 01:36

Gegen die Bleiwüste

 

Schlecht in Form: Viele linke Zeitungen konzentrieren sich auf die Inhalte, nicht jedoch auf die Gestaltung – obwohl das viele Leser kostet. Woran liegt's?

Von Felix Werdermann

An der Bild-Zeitung gibt es viel zu kritisieren – aber ihren Erfolg kann man schwerlich abstreiten. Auflage: Knapp drei Millionen Exemplare. Davon können linke Zeitungen nur träumen – würden doch viele Macher gerne mehr Menschen mit ihren Inhalten erreichen. Paradoxerweise trägt jedoch gerade dieser Wunsch dazu bei, dass sich linke Zeitungen am Kiosk schlecht verkaufen lassen ja sogar schlecht verschenken lassen.

Zahlreiche Politgruppen geben Zeitungen heraus – meist mühevoll durch ehrenamtliche Arbeit hergestellt, nur in größeren Organisationen sind es oft die Mitarbeiter der Öffentlichkeitsabteilung. Die Motivation: Die Leser auf die eigene Position hinweisen, von der eigenen Meinung überzeugen, für die eigene Arbeit interessieren. Das ist eine andere Herangehensweise als sie in zahlreichen Zeitungen praktiziert wird, die sich gerne als “überparteilich” oder “unabhängig” bezeichnen (und damit ist nicht nur die Bild-Zeitung gemeint). Dort versteht man den Journalismus stärker als Dienst am Leser: Wir schreiben, was unsere Zeitungskäufer wissen wollen.

Beide Sichtweisen haben ihre Berechtigung und lassen sich in der Realität auch nicht scharf voneinander abgrenzen. Dennoch haben vor allem die Macher kleiner linker Zeitungen ein Problem: Weil sie andere Menschen von bestimmten Positionen überzeugen wollen, konzentrieren sie sich fast ausschließlich auf die Inhalte, die Form ist zweitrangig. Im politischen Alltag spielen Argumente eine große Rolle – Bilder, Schriftart oder Infografiken hingegen normalerweise nicht. Doch gerade solche Elemente sind es, die eine Zeitung attraktiv machen.

Hinzu kommt eine falsche Selbstwahrnehmung der linken Zeitungsmacher: Wer felsenfest von seiner Meinung überzeugt ist, glaubt meist, dass sich auch andere leicht dafür gewinnen lassen, wenn sie nur die richtigen Informationen in die Hand gedrückt bekommen. Wie das aussieht, ist egal – es ist schließlich die Wahrheit.

Nur: Die Informationen in der Hand sind nicht die Informationen im Kopf. Das Lesen ist Arbeit, die der Autor dem Leser abverlangt. Und da lässt jede Erleichterung die Chancen steigen, dass der Text tatsächlich (zu Ende) gelesen wird. Konkret hilft eine klare, verständliche Sprache, aber ebenfalls eine deutliche Textstruktur, die auch optisch zu erkennen ist. Ausgedrückte Empörung, Übertreibung und Insidersprache bewirken das Gegenteil.

Schlecht gemachte Zeitungen erreichen teilweise nicht mal die Leute, die den Positionen der Macher nahe stehen. In der Geschichte gibt es dazu ein prominentes Beispiel: So wurde die “Rote Fahne” – damals Mitgliederzeitung der Kommunistischen Partei Deutschlands – in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts nicht mal von allen Parteimitgliedern gelesen. In einer Umfrage bemängelten die Leser vor allem die unverständlichen Texte.

Ganz anders sah es bei der “Arbeiter-Illustrierten Zeitung” (AIZ) aus. Sie richtete sich nicht nur an Parteimitglieder, berichtete auch über Sport- und Kulturveranstaltungen, brachte Fotomontagen, Bilder und Infografiken im Blatt. Mit ihren über 3.000 Leserreportern hat sie vorgemacht, was jetzt die Bild-Zeitung seit fast fünf Jahren nachmacht: Die Leser aktiv einbinden. Die AIZ war mit ihrer Strategie sehr erfolgreich: Im Jahr 1933 wurden eine halbe Million Zeitungen gedruckt, kurz danach wurde die AIZ jedoch von den Nazis verboten.

Bis heute hat sich in Deutschland keine linke Zeitung vergleichbar etablieren können. Die Linksfraktion im Bundestag kopiert mit ihrer Zeitung “Klar” bloß die Bild-Zeitung – und kommt alleine deswegen bei vielen nicht gut an. Die Suche nach dem Superblatt geht also weiter. Vielleicht kann dabei ein Blick in ein Zeitungsarchiv der Arbeiterbewegung durchaus nützlich sein.

Dieser Text basiert auf Argumentation und Informationen aus dem Workshop “Die Linke sucht das Superblatt” von Jan Maas, Marcel Bois und Stefan Bornost.

 
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Kommentare
Magda schrieb am 15.03.2011 um 10:06
"Hinzu kommt eine falsche Selbstwahrnehmung der linken Zeitungsmacher: Wer felsenfest von seiner Meinung überzeugt ist, glaubt meist, dass sich auch andere leicht dafür gewinnen lassen, wenn sie nur die richtigen Informationen in die Hand gedrückt bekommen. Wie das aussieht, ist egal – es ist schließlich die Wahrheit"

Das ist nicht nur bestimmend für die Art der Darstellung, sondern auch oft sehr entnervend im Umgang mit Linken.
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Georg von Grote hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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