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Erst Wochenzeitung, dann Millionenauflage, heute kleine Zeitung, die Themen setzt und von FAZ-Lesern abonniert wird: Die junge Welt hat eine einmalige Geschichte. Zu Besuch in der Redaktion.
Von Felix Werdermann
Die junge Welt ist ganz oben. In der sechsten Etage sitzt die Redaktion der linken Zeitung, vom Konferenzraum geht es zum Balkon, von dem man über die Dächer der Hauptstadt sehen kann. Und darauf legen einige Redakteure besonderen Wert: Man kann herabschauen auf die Zentrale der Linkspartei. Trotzdem: Dahinter ragt ein noch größeres Gebäude in den Himmel, es gehört zur Geschichte der jungen Welt. Heute sitzen dort Berliner Zeitung und Berliner Kurier, aber früher gehörte das Gebäude der jungen Welt. Als die Zeitung noch eine Millionenauflage hatte.
Heute ist alles etwas kleiner. Etwa zwei Dutzend Redakteure – hauptsächlich Männer - kommen zur Morgenkonferenz, der Raum ist voll, aber nur, weil auch einige Teilnehmer der LiMA zu Besuch sind. „Insgesamt sind wir kleiner als die Sportredaktion der Frankfurter Rundschau“, sagt Rüdiger Göbel, stellvertretender Chefredakteur.
Nach der Morgensitzung bleibt er im Raum, zusammen mit Arnold Schölzel, dem Chefredakteur. Sie führen die Besucher durch die Geschichte der jungen Welt – von 1947 bis heute. In den ersten Jahren war sie die Wochenzeitung der Freien Demokratischen Jugend (FDJ), bis sie im Jahr 1952 täglich erschien. Weshalb sie ihren Namen trägt, ist unklar. Eine Funktionärszeitschrift der Hitlerjugend habe genauso geheißen, erzählt Schölzel.
Hochkonjunktur erlebte die junge Welt am Ende der DDR-Zeit. Über eine Millionen Exemplare wurden täglich verkauft, sogar mehr als vom Neuen Deutschland, damals Zentralorgan der Sozialistischen Einheitspartei. Schölzel führt das auf drei Gründe zurück: Der niedrige Preis (10 Pfennig), die Anbindung an die FDJ und der bekannte Sportteil in der Zeitung.
Nach 1989 ging es bergab: Der Verlag wurde an verschiedene Eigentümer verkauft, die Auflage brach ein. 1995 gab der damalige Eigentümer die Produktion auf, nur wenige Mitarbeiter machten trotzdem weiter und nahmen vor allem Interviews ins Blatt, um die wenigen Seiten vollzukriegen. 1997 spaltete sich ein Teil der Redaktion ab und gründete die Jungle World, ein Jahr später wurde die Genossenschaft gegründet. Seit 2004 steigt die Auflage wieder.
Göbel und Schölzel wussten aber auch über die heutige Zeitung einige interessante Aspekte zu berichten. So liegt sie bei den freiwilligen Bezahl-Abos im Internet bundesweit auf Platz drei – hinter der FAZ und der taz. Die Leserschaft ist jung und in ganz Deutschland zu finden: Ein Drittel soll unter 30 Jahre alt sein, fast die Hälfte lebt in Westdeutschland. Und: Man habe festgestellt, dass es bei den Abos „signifikante Überschneidungen von FAZ- und junge-Welt-Lesern gibt“, berichtet Schölzel.
Es dürfte trotzdem noch genug FAZ-Leser ohne Abo der jungen Welt geben, denn die Auflage der FAZ ist etwa 20 mal so hoch. Die junge Welt wird in der Regel 18.000 Mal gedruckt. Trotzdem dürfe sie sich als Trendsetterin fühlen, meint Schölzel: Sie spreche nicht nur Themen an, die dann auch von größeren Medien aufgegriffen würden. Auch beim „Prinzip Entschleunigung“ und der Akzeptanz von Interviews in Zeitung habe die junge Welt eine Art Vorreiterrolle gehabt. Durch den frühen Redaktionsschluss bringt die Zeitung mehr Hintergründe an Stelle der letzten Nachrichten. Und weil kein Geld für lange Recherche-Texte da ist, holt man sich die Originalstimmen über Interviews. Beides aus der Not geboren – aber in Zeiten des Internets folgen immer mehr Zeitungen diesem Trend.
jW-Exkursion: Eine junge Welt wird gemacht. Von der Frührunde bis zur Mittagsrunde.
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In den 70ern wie auch Anfang der 80er gehörte ich zu den Abonnenten der "Jungen Welt". Dafür gab es mehrere Gründe: Zum Einen gab es nicht die Unmenge an Zeitungen wie heutzutage; das ND wurde bis zur Gorbatschow-Zeit immer dröger; der Sportteil war tatsächlich gut, außerdem gab es noch Abdrucke von Jugendbüchern; die Partnerschafts- und Sexualberatung wurde (nach meiner Kenntnis vor allem von jungen Frauen) gelesen; ; last not least war ich damals auch jung.
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"Geschichtsstunde..." - Ich erwartete jetzt, was über die Rolle der jW in der Glasnost- und dann in der Wendezeit, über den Knaatsch, der zur Abspaltung der jungleworld-Leute geführt hat, zu erfahren, oder eine Erklärung dafür, warum auch hier im Freitag-Forum manche Leute Schaum vor den Mund kriegen, wenn sie nur den Namen junge Welt hören... Oder kommt das noch?
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Die einzige linke Zeitung, die es in die alljährlichen Verfassungsschutzberichte schafft. Sie wird verfassungsförmlich vom Beamtentum zum Gesellschaftskritiker geschlagen.
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Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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