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Journalisten recherchieren immer mehr im Internet. Und wissen dennoch kaum, wie sie am besten vorgehen. Ein Interview mit Albrecht Ude, Online-Journalist und Recherche-Trainer.
Workshop Internetrecherche. Freitag, 13 Uhr.
Interview: Felix Werdermann
LiMA-Blog: Herr Ude, muss man Recherche im Internet überhaupt lernen? Kann das nicht jeder?
Albrecht Ude: Also, irgendwas findet man immer im Netz – Google und Wikipedia sei Dank. Aber oft findet man eben irgendwas, und nicht das, was man sucht. Außerdem gibt es Sachen, die man auf üblichem Rechercheweg nie findet – oder es dauert schlicht zu lange.
Der übliche Rechercheweg heißt Google.
Das ist einer der Hauptfehler, die man machen kann: nur Google zu nutzen. Denn es gibt auch andere Suchmaschinen – sogar für spezielle Bereiche wie Immobilien oder Firmen. Hinzu kommen Kataloge und Verzeichnisse, mit denen man das Internet erschließen kann. Die werden von Menschen gepflegt; das heißt, die Ergebnisse werden nicht wie bei Google automatisch erstellt.
Welche Datenbanken gibt es denn?
Es gibt beispielsweise Bibliotheksdatenbanken wie die Deutsche Nationalbibliothek. Wenn ich nach einem in Deutschland erschienenen Buch suche, schaue ich am besten erstmal da nach. Aber auch, wenn ich nach jemanden mit Doktortitel suche, hilft mir diese Seite weiter. Denn auch die Doktorarbeit findet sich dort.
Wenn ich aber weder eine passende Datenbank noch eine spezielle Suchmaschine kenne, dann greife ich auf Google zurück?
Gerade Google wird vorgeworfen, sehr viele Nutzerdaten zu speichern. Es gibt aber andere sogenannte Metasuchmaschinen, bei denen Ergebnisse verschiedener anderer Suchmaschinen ausgewertet werden, z.B. Metager2.de oder ixquick.de. Letztere hat sogar das europäische Datenschutzsiegel bekommen, weil sie die Daten der Nutzer nicht speichert.
Also nutze ich möglichst viele Suchmaschinen, wenn ich schnell die gewünschten Informationen finden möchte?
Nicht unbedingt. Sehr hilfreich ist es, sich zu überlegen: Wer könnte die Antwort auf meine Frage wissen? Wenn ich beispielsweise eine konkrete Frage zu geschützten Bezeichnungen für landwirtschaftliche Produkte habe, gehe ich auf die Seite der Europäischen Union, die solche Bezeichnungen vergibt. Dort gibt es auch eine Datenbank, in der all diese Produkte verzeichnet sind.
Solch eine Frage ließe sich vermutlich auch per Anruf klären. Kann man im Internet denn noch mehr herausfinden als in der realen Welt?
Manche Recherchen funktionieren nur im Netz. Als im Jahr 2008 die Olympischen Spiele in Peking waren, fragte Mike Walker aus den USA, ob die Turnerin He Kexin schon 16 Jahre alt war und damit teilnehmen durfte. Die Chinesen haben das behauptet. Walker gelang es, in einem Suchmaschinen-Cache ein offizielles Dokument der chinesischen Sportbehörden zu finden, aus dem hervorgeht, dass die Frau erst 14 war und damit zu jung für eine Teilnahme an den Wettkämpfen – und das, obwohl die Chinesen die offiziellen Dokument gelöscht hatten.
Das Internet bietet also große Potentiale. Aber kann man überhaupt glauben, was im Internet steht?
Das muss man jedesmal neu prüfen. Es kommt darauf an, die Techniken zu beherrschen, wie man die Verlässlichkeit prüfen kann. Ich kann zum Beispiel mit “Whois” herausfinden: Wer hat die Domain registriert? Wem gehört die? Solche Informationen sind sehr viel schwieriger zu fälschen als das Impressum auf einer Website.
Wie ist das bei Wikipedia?
Da muss ich die Versionsgeschichte betrachten. Dort wird gespeichert, was vorher geändert wurde. Heute gibt es ja PR-Agenturen, die sehr geschickt manipulieren – auch Wikipedia-Artikel. Angesichts der Meinungsmacht, die Wikipedia hat, ist das auch kein Wunder.
Neben manipulierten Artikeln gibt es auch ausgedachte Geschichten, mit denen Journalisten hinter das Licht geführt werden sollen.
Jede Menge Zeitungsenten ließen sich vermeiden, wenn man wüsste, wie man vernünftig recherchiert. Jüngst ist die Presseagentur dpa auf eine Falschmeldung reingefallen, in Bluewater, Kalifornien habe es einen Selbstmordanschlag gegeben. Als Belege gab es im Internet ein Video, Twitter-Nachrichten und eine angebliche Website der Stadt. Später hat sich herausgestellt, dass die dpa auf eine reichlich krude PR-Aktion hereingefallen war. Das hätte man aber mit Online-Quellenprüfung vorher merken können: Die Twitter-Accounts waren drei Tage alt, Websites in den USA waren auf einen Deutschen registriert.
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Hmmm...: Das Internet bietet also große Potentiale. Aber kann man überhaupt glauben, was im Internet steht? Ja wenn das die grosse dpa tut sind wir doch auf dem richtigen Weg. Also frohes Suchen ;-)
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Ausgabe 07/12
16.02.2012
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