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12.03.2011 | 13:04

Viel Recherche, wenig Geld?

 

Über all das gleiche in der Mainstream-Presse? Warum schreiben viele große Zeitungen so ähnlich? Fehlt den Journalisten Zeit und Geld, um zu recherchieren? Oder haben sie schlicht die gleiche Meinung? Eine Podiumsdiskussion am Freitagabend sucht nach Antworten.

Von Felix Werdermann

„Ich suche immer nach dem großen Geist, von dem sie abschreiben.“ Ulrich Maurer spricht über Journalisten. Der Linksparteipolitiker beklagt die Entwicklung der letzten Jahre: Immer mehr würde geschrieben, aber auch immer schlechter. „Ich lese immer das gleiche.“ Und hinter dem großen Geist, von dem alle abschreiben, vermutet er die Nachrichtenagenturen.

Maurer sitzt auf dem Podium der LiMA-Diskussion über Grenzen der Kommunikation. Eigentlich sollte auch die taz-Chefredakteurin Ines Pohl dabei sein, aber nun ist es eine reine Männerrunde geworden: Für die taz diskutiert am Freitagabend Sebastian Heiser, neben ihm sitzt Jürgen Reents, Chefredakteur vom Neuen Deutschland (ND). Lorenz Maroldt, Chefredakteur vom Tagesspiegel ist ebenfalls dabei – wie auch Frank Werneke, stellvertretender Bundesvorsitzender der Gewerkschaft Verdi. Der Journalist Wolfgang Storz moderiert.

Maurer macht für die schlechte Qualität im Journalismus den „Kostendruck“ verantwortlich. Lorenz Maroldt widerspricht ihm: „Kaputtgespart“ würden vor allem die Regionalzeitungen, die großen überregionalen Zeitungen, betreffe das nicht so sehr. „Ich glaube auch nicht, dass Recherchieren nur vom Geld abhängt.“ Die taz sei dafür ein gutes Beispiel. Auch mit wenig Geld, werde dort Qualitätsjournalismus betrieben.

„Recherchieren ist nicht teuer“, bestätigt taz-Redakteur Sebastian Heiser, der öfter aufwendig recherchierte Artikel veröffentlicht. Dennoch sei die Arbeit bei der taz „Selbstausbeutung“. Ein bestimmter Personenkreis an Journalisten nehme das hin, „aber das kann kein Geschäftsmodell sein für den Journalismus“.

Selbst für viele taz-Redakteure sei das kein dauerhaft akzeptables Modell, meint Gewerkschafter Frank Werneke. Im Regelfall sei die taz keine Perspektive für das gesamte Arbeitsleben, nach einigen Jahren wechselten die Redakteure zu anderen Medien. Werneke bemängelt wie Macholdt die Situation der Regionalzeitungen. Dort würde immer mehr „Agenturjournalismus betrieben“, die eigenen Artikel kämen zu kurz.

ND-Chefredakteur Jürgen Reents hat noch eine andere Erklärung für die vielen Artikel, die sich ähneln. Grund sei weder der Geist, den Maurer sucht, noch eine Anweisung von oben. Entscheidend sei vielmehr „ein Grundkonsens, der nicht in Frage gestellt wird“ und von den meisten Journalisten geteilt werde. Ein Beispiel: Wenn Soldaten ins Ausland geschickt werden, dann folgere die schreibende Zunft: Es geht um einen humanitären Einsatz. Sollte sich die Meinung später ändern, so werde das nicht thematisiert. „Das geschieht bei den Medien weitgehend ohne Selbstkritik.“

 
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