„Mehr Europa!“ verlangen die Regierungen Deutschlands und Frankreich. Es geht nicht so weiter mit dem alten Kontinent: erst die Griechen, dann Bunga Bunga; wer ist der Nächste? Steuersünder, Schmarotzer, Eurobetrüger – wir müssen konkurrenzfähig bleiben, sonst überrollen uns die Shaolin- Mönche und andere wirtschaftlichen Separatisten. Europa braucht deshalb mehr Befugnisse, mehr politische Macht, mehr Merkel.

Eine fantastische Möglichkeit diese ganze unkontrollierbare Marktwirtschaft, die aus Freunden Feinde macht, ganze Regierungen stürzt und Leute auf die Straßen treibt! So könnte es sich die Kanzlerin im galaktischen Senat auch gedacht haben. Lauter Separatisten, die ihr Volk noch um eine Meinung bitten, ob sie denn die Einsparrungen durchhalten wollen und im Gegenzug die Hilfe der Republik (sprich: Eurozone) in Anspruch nehmen wollen. Scheiß auf das Volk! Scheiß auf die Demokratie! Die Zeit drängt, denn die Börsen sind unbarmherzig und drohen die gesamte Republik in ein Dauerchaos zu stürzen. Da kann nur eine helfen: Lord Merkel. Der Kanzler hat auch seinen dunklen Schüler aus Frankreich mitgebracht. Gemeinsam werden sie die Separatisten vernichten und damit in der europäischen Galaxis wieder Friede und Ordnung schaffen. Heil Merkel!
Die Unruhe wegen dem Euro-Zaster, die bereits aufgezeigten Sündenböcke und die weiteren Risiken noch weniger Geld in der eigenen Tasche zu haben, das wären die perfekten Argumente, die man dem Pöbel servieren könnte, um eine stärkere, stabilere Euro-Galaxis zu erschaffen. Ein mächtiges Europa mit einer gemeinsamen Fiskalpolitik, mit einer gemeinsamen politischen Vision, wo Eurosünder härter bestraft werden und das Volk weiter lustig im Einkaufsrausch taumeln kann – das klingt verlockend, das klingt geil!
Also erstmal paar Abgesandte der Republik zu den südeuropäischen Hemisphären schicken und die lästigen Leute zum Abdanken bewegen. Irgendwo, vielleicht zwischen dem nicht stattfindenden Referendum in Griechenland und dem Machtwort der Kanzlerin gab es einen Knacks in der Demokratie. Ab jetzt wird’s nur noch bergab gehen.
Pinky und der Brain, Lord Sarkozy und Lord Merkel können nun die Weltherrschaft an sich reißen. Cameron ist natürlich ein Stein im Schuh, aber er ist wie aus einer weit, weit entfernten Galaxie, der in den eigenen Reihen schon die Kacke am Dampfen hat und zwischen Republik und Nicht-Republik hin und hergerissen wird. Angst und Furcht haben sie alle, aber diese Gefühle gehören bekanntlich zur dunklen Seite der Macht. Irgendwie werden sie es schon deichseln; entweder werfen sie ihm Geld in den Rachen oder man versucht es wieder mit Luftangriffen. Hauptsache zum Schluss lässt sich der ganze Machtzirkus zum ersten galaktischen Imperium Europa ausrufen. Alles schön unter dem Deckmantel der Demokratie. Und wir werden noch dabei jubeln und lauter blaue Eurofähnchen dazu schwenken.
Man erinnert sich noch vielleicht an die Worte Senatorin Amidalas als in der dritten Episode die dunkle Scheiße im Senat losging: „So geht also die Demokratie zugrunde – in tosendem Applaus.“
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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