Lindnerowski

Blog von Lindnerowski

19.09.2011 | 07:51

Über das Glück im täglichen Wahnsinn

Immer öfters kann man Leute sehen, die nicht den Eindruck Obdachloser erwecken, und dennoch aus den Mülleimern nach Pfandflaschen fischen. Die Preise schnellen in die Höhe, nicht so die Gehälter. Der Abgrund zwischen reich und arm wächst und in den Nachrichten hört man stets über Kriege, terroristische Anschläge, Naturkatastrophen oder verseuchte Lebensmittel. Wo, zwischen all dem Wahnsinn, lässt sich das eigene Glück finden?

 

Seltsame Welt und seltsame Menschen

 

Laut Darwins Evolutionstheorie überleben nur die Starken und dazu ist noch der Mensch des Menschen Wolf. Unser Frieden ist der Preis, den andere außerhalb unserer Grenzen mit Krieg bezahlen müssen. Selbst Heraklit meinte: „Kampf ist das Gesetz der Welt, der Krieg ist Vater und Herr aller Dinge.“ Alles wäre vielleicht nicht so übel, wenn nicht die Tatsache, dass wir auch in unserem privaten Umfeld Feinde haben, die erpicht darauf sind uns in unserem Glück zu stören – beispielsweise wenn sie hinter unserem Rücken über uns lästern, bei der Arbeit, in der Familie.

Wir fühlen auch, dass die uns umgebende Welt irgendwo hineilt und auf Teufel kommt raus hinläuft, als ob es um etwas Großes ginge. Ebenfalls wissen wir, dass das Ziel das individuelle Glück ist; aber schaffen wir es dieses zu fassen, wenn uns alle überholen, schubsen und sogar über Leichen gehen, um an das Glück zu kommen? Was ist das Glück, nach dem die Massen lechzen? Ist es der materielle Wohlstand, der uns Ruhe geben kann und uns und unseren Nächsten eine gewisse Sicherheit gibt? Geld, vielleicht ein kleines Vermögen, das uns erlaubt den Heißhunger zu stillen, damit wir uns mit unbrauchbaren Dingen ausstatten; Dinge, die wir möchten, die in Mode sind, die jeder hat und durch deren Besitz man glänzen kann. Dies ist das Ziel von Millionen auf der Suche Glück. Haben bedeutet Sein, und wenn ich viel habe, dann bin ich glücklich. Und wenn mich einer bei meinem Glück hindert, dann Gnade ihm Gott!

 

Raus und rein

 

Dennoch, fühlen wir uns nicht oft erschöpft von dem Ganzen, entwertet, unerfüllt? Denn wie man sieht auch die großen Stars, Reiche und Staatsmänner haben ähnlich Probleme wie ganz gewöhnliche Leute, trotz Geld und Ruhm. Heimgesucht von Krankheiten, Depressionen, Tod, wo auch das größte Vermögen nicht helfen kann. Lohnt es sich also hinter dem Geld her zu rennen, wenn sich nachher herausstellt, dass Geld kein Glück bringt? Aber alle laufen mit, eilen, sollte ich da zurückbleiben, ein Niemand sein? Gerade in solchen Augenblicken des inneren Zwiespalts, der Hoffnungslosigkeit und der Verzweiflung, sollte der Mensch Abstand zu der Welt gewinnen, in der er lebt. Ohne diese Welt wäre es schwierig für uns zu leben, doch sich ständig in dieser Tretmühle aufhalten, da kann man wahnsinnig werden. Deshalb stellte auch die bekannte französische Schriftstellerin Anais Nin fest, dass es für uns wichtig ist, „… aus der Geschichte herauszutreten, wie in ihr zu leben. Wir müssen aus ihr heraustreten, damit wir die Kraft aufbringen, an ihr teilzunehmen, in ihr zu leben und jene Absage an die Verzweiflung zu erreichen…“ Mit andere Worte: gönn‘ dir Ruhe!

Gerade wenn wir für kurze Zeit dem Alltag entfliehen, erleben wir oft Glücksmomente. Dieses Glück bezieht sich darauf, dass wir plötzlich Details entdecken, Kleinigkeiten, die wir vorher nicht beachtet haben, da wir keine Zeit dafür hatten. Es könnten beispielsweise Veränderungen in der Natur sein, eine schöne Umgebung (Berge, Meer), inspirierende Musik oder ein Buch. Eine Veränderung unseres physischen und psychischen Umfelds gewährt uns den notwendigen Abstand, um objektiv und locker auf unser tägliches Leben und uns selbst zu blicken. Wie man öfters auch sagt: es ist überall gut, wo man nicht ist.

 

Das Glück ist da wo wir nicht sind

 

Solch eine sporadische Flucht aus dem Alltag hilft uns eine gesunde geistige Verfassung zu bewahren. Wenn man eine gewisse Distanz zum eigenen Umfeld und zu sich selbst gewinnt, ist man in der Lage über den Schein des eigenen angeblichen Unglücks hinaus zu schauen; über die Unwirklichkeit der Verzweiflung und die eigene Abhängigkeit von Lappalien, ohne welche man eigentlich leben kann. Das Glück ist vorübergehend, aber vorübergehend ist alles. Lasst uns über einen Augenblick der Normalität freuen, ohne Eile, ohne Telefone, ohne etwas zu verschweigen, ohne Kampf. Das Glück befindet sich in unseren Gedanken, frei von jeglichem Druck. Der deutsche Sozialphilosoph Thomas Adorno sagte mal: „Was wäre Glück, das sich nicht mäße an der unmessbaren Trauer dessen, was ist? Denn verstört ist der Weltlauf. Wer ihm vorsichtig sich anpasst, macht eben damit sich zum Teilhaber des Wahnsinns, während erst der Exzentrische standhielte und den Aberwitz Einhalt geböte.“

Also, hau für einen Moment ab! Reiß aus! Entfliehe, auch wenn nur für einen Augenblick, dem grauen Alltag, dem Rattenrennen, dem Wahn des Geldes. Habe nur Mut dazu. Das Glück wartet.            

 
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Kommentare
ostello jaeger schrieb am 19.09.2011 um 19:47
hallo lieber lindnerowski,
ich empfehle einen spaziergang in der natur als wegbereiter zum inneren frieden, oder gegebenenfalls den blick aus dem fenster, eine ruhige atmung und die ausrischtung der gedanken auf eine glückshormon fördernde situation ;)
jedoch, insgesamt, wir sind doch so dicht in unser wirtschaftlich-materialistisches-wettkampf-ausbeutungs-system verwoben, dass es schon besonderer kraftanstrengungen und starker motivation bedarf um wirklich individuelle ziele, abgesehen von der angenehmen ökonomischen nische und kleinen partiellen auszeiten zu verfolgen.
wirkliche veränderung ihrer lebensbedingungen wollen immer noch die wenigsten, weil halt noch der relative wohlstand, das festhalten am gewohnten, verhaltensnormen, innere blockaden, ideenlosigkeit, ect... daran hinderlich sind.
dank immer ungerechter fliessenden geldströmen und immer stressigeren lebensbedingungen für die mehrzahl der weltenbürger werden wir aber sicherlich schon bald erleben, dass sich neue krassere formen der äusserung von unzufriedenheiten mit den lebensbedingungen herausbilden werden.
hg
Lindnerowski schrieb am 20.09.2011 um 14:02
Wie wahr... Die nächste kriegerische Auseinandersetzung kommt bestimmt. Die Geschichte wiederholt sich - so ein Jammer...
Rosalix schrieb am 20.09.2011 um 08:32
Achtsamkeit nennen es die Buddhisten. Kinder haben sie automatisch. Deshalb kommt einem auch die Kindheit in Erinnerung an die eigene Wahrnehmungsfähigkeit zumindest, irgendwie glücklich vor. Schnee, der Erste, die Kälte in der Luft der Geruch, die Stimmung hinter dem Fenster in der Wärme zu stehen, die Nase an der Scheibe, der Hauch, die Finger die in den Hauch malen. Erwartungen getragen von Düften.
Buch zum Thema welches ich echt gut finde: Stefan Klein, "die Glücksformel."
Ziemlich wissenschaftlicher Versuch zu erklären, wie die guten Gefühle entstehen.
Stefan Klein geht so weit zu behaupten, dass Bürgersinn und weniger materielle Unterschiede (weniger Konkurenz, Neid, Versagensangst) der Menschen, die Lebenserwartung messbar erhöhen.
Lindnerowski schrieb am 20.09.2011 um 14:04
Schön, dass es noch so viele Gleichgesinnte gibt.
Lindnerowski
Nach dem Kacken Bürste packen!
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