Lindnerowski

Blog von Lindnerowski

17.12.2011 | 16:12

Unter Träumern

Upside down

„Aus den Träumen von gestern werden manchmal die Alpträume von morgen“ sagte mal der deutsche Journalist Friedrich Nowottny. Ist das, was uns nachts beflügelt oder Angst einflößt wirklich zukunftsweisend, oder sind Träume nur Schäume. Tatsache ist, dass jeder Mensch träumt; auch die, die behaupten nicht zu träumen, tun es dennoch, sie erinnern sich nur nicht daran. Wie funktionieren Träume?

 

Die technische Seite

 

Bevor wir in den Tiefschlaf fallen, wo uns oft unglaubliche Träume erwarten, muss sich unser Körper völlig entspannen. Der Atem verlangsamt sich genauso wie die Tätigkeit des Herzens. Die Muskeln entspannen sich. In dieser ersten Schlafphase träumen wir oft sehr realitätsbezogen. Psychische Konflikte, die tagsüber ungelöst blieben werden verarbeitet und kehren in der Regel in dieser Schlafphase immer wieder zurück. Der Trauminhalt kann sich desto mehr wiederholen, je  schwerer der Konflikt war. Nicht selten wird der Schlafende dadurch gehindert in die Tiefschlafphase hinab zu gleiten. Es mangelt an erholsamen Schlaf. Man fühlt sich morgens müde und erschöpft.

Doch wenn die physische und psychische Entspannung sich in der ersten Schlafphase weiter ausbaut, so rutscht der Mensch in die Tiefschlafphase, oder die REM-Phase. REM steht für Rapid-Eye-Movement, die Schlafphase, in der Wissenschaftler 1953 eine enorme Aktivität der Pupillen festgestellt hatten. Außerdem entdeckten sie, dass die Hirnstromaktivität zunimmt, die Atem- und Herzfrequenz sich erhöhen und der Blutdruck steigt. Die besonders ausgeprägte Hirnstromaktivität kann während der Nacht bis zu 65 Minuten dauern. 80-85% der Leute, die während einer REM-Phase geweckt wurden, berichten über sehr lebendige Träume, ja sogar komplexe Traumhandlungen.

Im Tiefschlaf- oder  der REM-Phase ist unser limbisches System, das Emotionen verarbeitet, sehr aktiv, stärker sogar als im Wachzustand. Besonders viel ist im Bereich der Angst und Furcht los. Wissenschaftler gehen davon aus, dass zwei Drittel bis drei Viertel unserer Träume uns Angst einjagen, daher recht unangenehm sind. Was hindert uns daran aus einem solchen Traum aufzuwachen? Nun, beim REM-Sleep schläft das Stirnhirn, wo Vernunft und Rationalität ihren Platz haben und zwischen Traum und Wirklichkeit unterscheiden könnten. Doch woher kommen die surrealen Bilder, seltsame Landschaften? Die Wissenschaftler wissen, dass während des Tiefschlafs auch das primäre Sehzentrum nicht aktiv ist, da die Augen geschlossen sind. Der sekundäre visuelle Kortex ist jedoch auch nachts online; dieser verarbeitet und interpretiert die Bilder im Wachzustand und – so vermuten Forscher – werden in der REM-Phase die Bilder direkt aus dem Gehirn zu einem halbwegs stimmigen Gebilde geformt. Das würde die oft als abstrakt und seltsam empfundenen Bilder erklären. Der Tiefschlaf unterteilt sich in zwei Phasen: die erste dauert zwischen 90 Minuten und einer Stunde und die zweite, meist in den frühen Morgenstunden, ist wesentlich kürzer, zwischen 20 und 30 Minuten.

 

Wozu Träume?

 

Laut Sigmund Freud, der sich ausgiebig psychologisch mit Träumen auseinander setzte, dienen Träume zur Verwirklichung geheimer Wünsche, die in der Realität durch gesellschaftliche Strukturen, Werte und Normen nicht zulässig wären. Francis Crick und Graham Mitchison – zwei Molekularbiologen – behaupten hingegen, dass man träumt, um zu vergessen. Da unser Gehirn im Wachzustand sowieso unbewusst eine Vielzahl von überflüssigen Informationen aufnimmt, so nutzt es die Tiefschlafphase, damit es in einer Art  von Flashbacks das Überflüssige noch einmal erlebt, bevor es dann gelöscht wird, wie auf einer Festplatte.

Andere Forscher sind hingegen davon überzeugt, dass Träume uns dabei helfen Erlerntes zu vertiefen, indem wir es im Schlaf noch einmal erleben. So wurde beispielsweise festgestellt, dass Paare, die sich im Schlaf mit ihrer Beziehung beschäftigen, auch eher als andere in der Lage sind Konflikte zu lösen.

Interessant ist ebenfalls die Theorie des finnischen Wissenschaftlers Antti Revonsuo, der seine Idee auf die Tatsache stützt, dass wir mehr unangenehme als angenehme Träume haben. Seiner Meinung nach bereiten wir uns  im Traum durch das wiederholte Erleben von drastischen Situationen auf mögliche, ähnliche Begebenheiten im realen Leben; so sieht er das Träumen als eine Art Sicherheitstraining für Notfallsituationen. In der Realität würde das im Traum trainierte Gehirn in einer Notlage schneller reagieren, beispielsweise einen Schockzustand zügig verarbeiten und adäquat zur gegebenen Lage eine lebensrettende Entscheidung treffen.

Viele Menschen träumen wunderbar vom Fliegen, das ihnen selbstverständlich erscheint, rennen von hast getrieben Zügen hinterher oder haben das beklemmende Gefühl nicht zu wissen wo sie sich befinden. Und wer von uns hatte mal nicht das Gefühl, dass manch ein Traum wirklich Sinn ergab, logisch erschien, doch wenn man erwachte, ist von seinem sinnvollem Gehalt nichts mehr geblieben?

Menschen möchten gern erfahren, ob ihre Träume eine tiefere Bedeutung haben. Gern bedient man sich hierbei der vielen Traumdeutungen in diversen Büchern oder im Internet.

Einige Philosophen und Religionswissenschaftler sind der Meinung, dass sogar unsere Realität lediglich ein Traum ist aus dem wir erwachen, wenn wir sterben. So wäre das wirkliche Leben ebenfalls als eine Lektion zu betrachten, die wir lernen müssen, bevor wir wieder zu unserem Ursprung (Gott, Geist, Licht, etc) zurückkehren.

Wichtig jedoch ist es sich in den eigenen Träumen nicht zu verlieren. Denn sonst droht Realitätsverlust, oder wie es Morpheus  im Gespräch mit Neo in dem Film Matrix formulierte: "Hattest du schon mal einen Traum, Neo, der Dir vollkommen real schien? Was wäre wenn du aus diesem Traum nicht mehr aufwachst? Woher würdest du wissen, was Traum ist und was Realität."

 

 
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Kommentare
ostello jaeger schrieb am 17.12.2011 um 16:51
lieber lindner,
denkbar ist auch: möglicherweise ist der traum die verbindung zur ganzheitlicheren realität, von der wir uns aufgrund selektiver wahrnehmung im wachzustand zu weit entfernt haben. denke ich mal, glaub ich.
tschau
Joachim Petrick schrieb am 20.01.2012 um 01:27
@Lindnerowski

"Andere Forscher sind hingegen davon überzeugt, dass Träume uns dabei helfen Erlerntes zu vertiefen, indem wir es im Schlaf noch einmal erleben. So wurde beispielsweise festgestellt, dass Paare, die sich im Schlaf mit ihrer Beziehung beschäftigen, auch eher als andere in der Lage sind Konflikte zu lösen."

Danke für den Hinweis. Werde ich meiner Frau berichten, die u.a. Mediatorin ist.

Womöglich fungieren auf Lichtgeschwindigkeit gebrachte Träume als eine Art Gedankenräume ausspähende Mediatoren/innen?
Joachim Petrick schrieb am 20.01.2012 um 01:27
@Lindnerowski

"Andere Forscher sind hingegen davon überzeugt, dass Träume uns dabei helfen Erlerntes zu vertiefen, indem wir es im Schlaf noch einmal erleben. So wurde beispielsweise festgestellt, dass Paare, die sich im Schlaf mit ihrer Beziehung beschäftigen, auch eher als andere in der Lage sind Konflikte zu lösen."

Danke für den Hinweis. Werde ich meiner Frau berichten, die u.a. Mediatorin ist.

Womöglich fungieren auf Lichtgeschwindigkeit gebrachte Träume als eine Art Gedankenräume ausspähende Mediatoren/innen?
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