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(Möglicherweise eine Ergänzung hierzu.)
Der aufstrebende Militarist Alexander genießt die allgemeine Zustimmung der Welt. Nach und nach kann er auch die Gunst der letzten sturen Weisen für sich vereinnahmen. Dennoch bereitet ihm etwas Kopfzerbrechen, und das ist die Tatsache, dass es immer noch Leute gibt, die ihn meiden.
Also interveniert er.
Er sucht den „Hund“ auf, einen Mann namens Diogenes.
"Schlaft Ihr?"
"Ich liege."
"Philosoph ..."
"Der muss nebenan sein."
"Sehr lustig, Diogenes. Seht Ihr, ich weiß, wer Ihr seid! Niemand könnte so unverwechselbar auf dem Boden herumliegen wie Ihr. Ihr seid Diogenes, der von Sinope, der weltbekannte Denker."
"Eigentlich liege ich hier nur. Sollte selbst Eurem geistvollen Feldherrnhirn nicht entgangen sein, oder?"
"Mich befremdet Euer Hang zum Sarkasmus, Diogenes, sieht er doch eher den Verbitterten ähnlich, nicht den Weisen."
"Was Ihr nicht sagt. Hat 'toteles Euch das gelehrt, der alte Spießer?"
"Diogenes, Ihr wisst wer ich bin."
"Eine Nervensäge."
"Alexander nennt man mich, und seit heute bin ich Oberster Feldherr der makedonischen Armee, der Stolz Hellas. Sicher könntet Ihr denken, ich sei nur einfältiger Kriegsherr ..."
"Könnte ich also."
"Aber das wäre zu kurz gegriffen! Ich bin mit ganzem Herzen der Idee zugewandt, die Kultur der großen Griechen in alle Landstriche dieser Welt zu tragen! Versteht Ihr, Diogenes, mein Anliegen ist es, nicht einfach nur die Geschichte dieser Welt zu verändern, sondern das Verständnis dieser Welt, sodass erst der, der im griechischen Geiste denkt, Teil ihrer werden kann."
"Mhm-hm."
"Nun dachte ich, ich treffe Euch bei den Feierlichkeiten meines Aufstiegs zum Großen Feldherrn. Ich hoffte, Diogenes, Euer Wohlwollen für meine Unternehmungen zu haben. Ich könnte besser schlafen davon."
"Ich könnte besser schlafen, wenn ich 'n Mittel gegen Hämorrhoiden hätte."
"Damit kann ich gerade nicht dienen."
"Und ich kann nicht mit Wohlwollen dienen, großer Alexander. Wie Ihr seht, bin ich derzeit damit beschäftigt, hier auf dem Boden zu liegen."
"Diogenes, mich kränkt Euer Verhalten."
"Mhm-hm."
"Nein, das meine ich ernst. Auch um Euretwillen. Noch seid ihr ein geachteter, großer Philosoph. Ein Weiser, dessen Ruhm ohne Zweifel ist. Aber für wie lange? Über alle Zeit etwa? Willigt doch ein, mein Untertan zu werden, nein, kein Untertan, sondern ein Gleichwertiger neben mir, eine eigene Säule meines Reiches, das die großartige, geeinte Kultur, der Ihr angehört, bis an alle Grenzen der Welt reichen lässt. So wird Euer Ruhm nie verblassen!"
"Ich kann mir nichts Schöneres vorstellen, alls diesen gigantischen Ruhm weiter genießen zu können, der mir - Eurer Ansicht nach - heute schon zuteil wird. Euer Gefallen aber stellt mir eine Hürde in den Weg. Ich müsste dazu aufstehen. Und derzeit liege ich lieber."
"Diogenes, sagt! Wie bringe ich Euch auf meine Seite? Ihr könnt jeden Wunsch äußern, mit meiner Macht kann ich Euch selbst das Übermenschliche erbringen! Ich kann alle Ärzte der Welt hier nach Athen rufen lassen, damit sie Eure Leiden lindern! Alles kann ich für Euch tun! So sprecht!"
"Junge. Fang damit an, mir aus'm Licht zu gehen, ja?"
Alexander kehrt zu seinem Gefolge zurück. Jeder ist gespannt, was aus der historischen Begegnung der beiden Männern hervorgegangen ist.
„Hier kommt mein Reich an seine Grenzen“, sagt Alexander. „Und wenn ich nicht Alexander wäre, verdammte Scheiße, ich wär zu gern ein Diogenes.“
Dieser Begegnung folgen sicherlich zwei Erfolgsgeschichten. Alexanders Feldzügen haben wir zu verdanken, dass der griechische Geist common sense in der Welt wurde, entsprechend einst auch bei den Römern Einzug hielt und somit zum bestimmenden Element der europäischen Kultur avancierte, spätestens - in seiner ganzen Transparenz - durch die Renaissance. Alexander war damit durch die physische Intervention Europas geistiger Vater. Er starb, zur Legende geworden, in Babylon am Fieber.
Viele Quellen geben sein Todesjahr (323 v.Chr.) auch als dasjenige des Diogenes von Sinope an. Hat er nun auch eine Erfolgsgeschichte hingelegt? In gewisser Hinsicht schon, betrachtet man die Anekdote, die seine Begegnung mit Alexander beschreibt, mit all ihren Konsequenzen.
Diogenes und seine Kyniker haben früh eine Parallelkultur zu "Europa" entwickelt, in der diese Anti-Philosophen doch tatsächlich bis an das Ende dieses klassischen Geistes überleben konnten. Ihr Temperament verbleibt als das Unkonforme, das Grobe, das Wilde, das Erhabne.
Gegen den konstruierten Sinn der Welt Positionierte. Konsequent, weil außen vor.
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Klasse !
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Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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