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Merkwürdig irgendwie, dass gar nicht so viel Wind drum gemacht wurde. Die ARD mit neuer Primetime-Serie, an (vorerst) sechs Dienstagen um 20.15 Uhr. Heute noch dazu ein Interview mit der Produzentin gelesen, das mich dann dunkel an einen ARD-Trailer erinnerte, sonst hätte ich es verpasst. Merkwürdig natürlich darum, weil die Serie in der DDR spielt. Frei heraus gesagt, klingt für mich nach heikler Angelegenheit, ganz egal was der Kalender sagt.
Dazu kommt dann, dass die Drehbuch-Autorin von beiden die eher ungeeignete Sozialisation hat. „Ohje“ dachte ich dann auch, als die ersten Sätze fielen. Ein VP-ler bringt Tomaten aus dem eigenen Garten mit aufs Revier, bietet sie wie eine Kostbarkeit einem Kollegen an. Die Dinger sehen aus wie unreife Pflaumen. Trotzdem wirbt der Mann für seine Tomaten, „im Delikat bekommt man keine besseren.“ Ziemlicher Quatsch, das Ganze. Kann mich nicht erinnern, dass unser Delikatladen so etwas Profanes wie Tomaten angeboten hätte. Und Tomaten, als Salat oder auf die Stulle, gab es bei uns viel zu oft.
Also einfach abhaken? Bei all dem Murks, mit dem die Degeto uns verlässlich versorgt, fiele das wohl nicht schwer. Ich habe dann einfach mal weiter geguckt. Weissensee ist als Ort geschickt gewählt. Ein wunderbar kleinbürgerlicher Kiez, der zwar klar nach Berlin klingt, aber als Symbol trotzdem unbefangen daherkommt. Anders als Mitte, Prenzlauer Berg, Friedrichshain, Hellersdorf. Nach einer Figurenkonstellation wie der, die man im ersten Teil der Serie kennen lernen konnte, hätte man womöglich etwas länger suchen müssen in der real existierenden DDR – aber trotzdem hat sie für mich gezündet, und das ist doch entscheidend. Spannende Besetzung mit mir teils bekannten, teils unbekannten Gesichtern. Sehr reizvoll fand ich die Saß als Künstlerin Hausmann, mit ihrer angenehmen Kessheit und ihrem unpassenden Töchterchen. Dann Familie Kupfer mit all ihrem Sprengstoff. Da kann man sich auf so Einiges gefasst machen und ich bin neugierig zu erfahren, wie die Verantwortlichen hier das Modell „Soap“ umgesetzt haben.
Hoffentlich ist der Ami bald raus. Extrem unglaubhaft mit null Akzent, dafür Anklang von Berliner Dialekt. Gondelt herum mit seiner Karre, die kaum auffälliger sein könnte – für den bräuchte man nicht extra eine Beschattung zu organisieren, der spräche sich wohl auch so rum.
Den richtig großen Missgriff gab es dann leider im Nach-Trailer vom Off-Sprecher. Leute, es heißt „Weissen’see“, und nicht anders.
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also ich hatte wirklich sorge und sogar ein bisschen angst, und konnte so positiv überrascht werden. die komödiantischen anklänge bringen ein normalität in die in den farben der ddr fotografierten szenen. dennoch könnte das genauso vor jahren gedreht worden sein, eigentlich schon vor 89 (und dann natürlich verboten). so gesehen ist das genau so ein konservativer retro-kitsch wie andere serien auch. nur dass die ohne bnd oder existenzielle zwänge authentisch wirken dürfen.
katrin sass hat schöne sätze bekommen. ich sehe sie auch wirklich sehr gern, aber der gesang ... fazit: da schau ich nochmal rein |
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Tja, beim Gesang hätte man vielleicht nachhelfen sollen...
Was die Kitsch-Serien angeht, hast du da bestimmte im Kopf? |
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zum beispiel das traumschiff, das das lebensgefühl der 80er konserviert. oder 70er?
oder die heile welt der landärzte. |
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Ok, jetzt verstehe ich auch deine Bemerkung. Traumschiff is für Leute, die ausziehen das Fürchten zu lernen.
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Ich war auch angenehm überrascht, aber Sprache, Kleidung, Farben schienen aus meiner Erinnerung eher den 60-er, 70-er Jahren zu entsprechen. Am Ami fand ich nur den Ford Mustang interessant, der wäre in Weissensee bestimmt Ortsgespräch gewesen.
Die Schauspieler fand ich fast durchgehend überzeugend und der Gesang von Katrin Sass gefiel mir ausnehmend gut. |
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Mustang also! Ich weiß nicht, war dieser Typ Auto sehr gebräuchlich, in der BRD oder den USA?
Das mit der Kleidung und den Farben ist ein Punkt, der auch mir aufgefallen ist, bzw. immer wieder auffällt bei Filmen wie Sonnenallee usw. Da stellt sich bei mir eigentlich nie dieser Filmeffekt ein, dass Kulisse und Kostüme überzeugend wirken. Irgendwie wirkt es immer etwas schräg, zusammengewürfelt... Stellt sich mir die Frage: bin ich zu sensibel oder sind die Macher dahingehend nicht in der Lage? |
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Du bist nicht zu sensibel, sondern das Kostümbild ist zu unsensibel. Beziehungsweise die Macher sind zu unsensibel Kostümbildner zu egagieren, die zeitgeschichtlich Erfahrung haben oder am besten gleich gute Leute von der DEFA zu engagieren.
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Eigentlich wollte ich mir die Serie auch nicht antun.
Und es wurde durchaus eine Menge Wind vorher schon drum gemacht. So mit dem Tenor: Endlich mal eine richtige Familienserie und nicht das Übliche. Und was kommt dann? Hier Stasi-Oberst, dort oppositionelle Liedermacherin, da war ich schon abgeturnt. Und eine Drehbuchautorin, die schon diese Schmonzette mit "Die Frau vom Checkpoint Charly" zu verantworten hatte. Und dann noch diese alberne Anmerkung von der Produzentin Regina Ziegler las über ihr produziertes Werk: "Sowas wie die Drombuschs in der Stasizeit", da war mir dann echt schon schlecht. Wieder klischierter Kram, der von den guten Darstellern lebt. Inzwischen sehe ich ein, dass die DDR ein Versatzstückladen ist, aus dem sich alle bedienen können, die mal Erfolg haben wollen mit einem Drehbuch. Und da muss man Stasi unbedingt mitnehmen. Ich sehe allerdings auch ein, dass man bei solchen Serien nicht mit der Lupe sitzen darf und sagen: So war das nicht und so war jenes nicht. Dann kann man gar nichts drehen. Das ist auch klar. Einen Film über das Alltagsleben in der DDR wird es nicht geben ohne Stasi und Repression. Es gab mal eine kleine DDR-Familienserie Schulserie - ich glaube auf SAT1 - recht lebensnah. Aber die verschwand rückstandslos, wahrscheinlich, weil zu harmlos. Dabei wurde da auch auf Druck in der Schule hingewiesen usw. Also ich gucke mir das wahrscheinlich nicht alles an. Saublöd finde ich außerdem diese "Geschwisterkonstellation". |
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schrieb am
15.09.2010 um 10:11
Ohne Stasi und Repression, dass geht natürlich nicht. Die Genossen des MfS haben in Konsum auch die Ostereier überwacht, wer nimmt ein rotes, grünes oder gar braunes... ja, ja, - so war der Osten! Oder?
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@apatit: :D
"Das Böse ist immer und überall." @Magda Ja, dass so ein Projekt von 'Leuten wie uns' mit Argusaugen betrachtet wird, scheint mir nur normal zu sein. Ich hatte wie gesagt von den Vorankündigungen nicht viel mitbekommen, auch über die Drehbuchautorin und ihre früheren Projekte wusste ich gar nichts, außer eben ihrer Westherkunft. Vielleicht fiel dann bei mir das Nervpotential vorab einfach weg, weshalb ich dem ersten Teil doch etwas abgewinnen konnte. Wie du sagst, es ist halt erst mal eine Serie. Sicher hätte man nicht gleich so dicke einsteigen müssen, insbesondere was die Familie Kupfer angeht. Die wird sehr wahrscheinlich extrem im Zentrum stehen. Und dass es ohne Stasi gar nicht geht, naja... wat willste machen. Man könnte sich für den gewöhnlichen DDR-Alltagstrott vielleicht auch an DDR-Serien halten. Dass in DDR-Serien auf dem Feld Unterhaltung die Stasi nie vorkommt (nach meiner Kenntnis), ist aber leider ein Fakt, der es dem Betrachter (insbesondere dem westdeutschen) ganz naturgemäß extrem schwer macht, aus den dargestellten Alltagsszenen verlässliche Rückschlüsse auf die Dominanz (oder eben auch nicht) von Stasi und anderen Organen für den gelebten DDR-Alltag zu treffen. Ich finde aber, dass es gewissermaßen doch möglich ist. Im RBB läuft zur Zeit "Neues übern Gartenzaun". Daran habe ich mittlerweile ein bisschen Gefallen gefunden. Beschreibt eben auch nur den Mief in Gartenanlagen, die Biederkeit, das Streben nach Liebe und ganz privatem Glück, beruflichem Fortkommen usw. Aber allein die liebenswerte Tüdeligkeit von Herbert Köfer... |
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Im Großen und Ganzen retten die guten Schauspieler die Serie. Die Idee kann man doch recht einfach unter "Romeo und Julia unter der Stasiknute" zusammenfassen.
Ich bin eigentlich recht wohlwollend eingestiegen, doch sehr schnell wurde klar, dass hier Soapideen teuer gedreht und verkauft werden. Ich habe überhaupt kein Problem mit Soap. Ich habe ein Problem mit teuer produzierten Serien, deren Storyniveau eher auf Soapniveau liegt. Das geld, dass die ARD für Drehbücher raushaut, sollte für intelligentere Plots reichen. Soapautoren haben eben auch nur eine Woche Zeit um sich Plots für eine Woche auszudenken und das geht bei täglichem konsum auch voll in Ordnung. Aber wenn die Künstlerin Hausmann ihrem Ex-Widerstandslover und heutigen Stasioffizier verzweifelt, Julia!!! ist deine Tochter ins Ohr flüstert, dann ist das keine ARD Primetime mehr, sondern müsste eigentlich um 18 Uhr kommen und Verbotene Liebe heißen. Die einzige Möglichkeit aus der Nummer halbwegs glimpflich herauszukommen, ist, dass sie lügt. Für funktioniert das noch nicht einmal als Dallas zu DDR Zeiten. So was wie Dallas in seinr gnadenlosen dramatischen Überhöhung funktioniert nur in abgehobenen Sphären von fiktiven Ölfirmen und Bohrungen im südchinesischen Meer, die uns alle nicht interessieren, solange nur JR damit jemanden in den Ruin treibt. Und sobald die Stasi ins Spiel kommt funktioniert es eben auch als Drombuschs nicht mehr. Von der Stasi beobachtet zu werden ist dann doch etwas anderes als wenn der dicke Onkel das Familienunternehmen an die Wand fährt. Und bei all dem frage ich mich, ob eine Serie über die 80er in der BRD auch so viel gewollten politischen Bezug hätte. Wenn ich einen Film über die Stasi sehen will, dann guck ich lieber den unvergessenen Ulrich Mühe in "Das laben der Anderen", wenn mir nach Soap ist stehen sechs Staffeln Dallas bei mir im Bücherregal. |
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"Die einzige Möglichkeit aus der Nummer halbwegs glimpflich herauszukommen, ist, dass sie lügt."
War mir bisher nicht in den Sinn gekommen. Damit machst du mich jetzt erst recht neugierig auf weitere Teile. Damit musst du nun wohl leben. ;-) Was "Das Leben der Anderen" angeht, da habe ich bei schottischen Freunden, die sich diesen Film ganz enthusiastisch als distinguiertes Weihnachtsgeschenk gaben, recht verzweifelt versucht, die Begeisterung zu bremsen. |
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Och, damit kann ich leben. Ist zwar auch Soapdramaturgie (allerdings bessere, da unerwarteter), aber niemand sagt ja, dass sie an sich nicht funktioniert. Ich mochte "Das Leben der Anderen" sehr gerne. Aber ich bin auch Westkind mit lediglich recht aufmüppfiger Ostverwandschaft.
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schrieb am
15.09.2010 um 13:14
" Das Leben der Anderen " war ein politischer Oskar, - und der Oskar hatte noch Eiskristalle vom "kalten Krieg" auf der goldenen Haut. ( Meine Meinung )
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"Was "Das Leben der Anderen" angeht, da habe ich bei schottischen Freunden, die sich diesen Film ganz enthusiastisch als distinguiertes Weihnachtsgeschenk gaben, recht verzweifelt versucht, die Begeisterung zu bremsen."
Ich habe mit einer westdeutschen Freundin diesen Film geguckt. Die ist nun völlig unvoreingenommen daran und fand den Film nicht immer stimmig. Da stimmen streckenweise auch die Charaktere nicht. Und dann reißt der Held da irgendwelche Abhördrähte unter den Tapeten raus am Ende. Wann wollen die das denn verlegt und geklebt haben. Der Kulturminister hatte zu DDR-Zeiten überhaupt nichts zu sagen. Dieser Stasimajor war die personifizierte Schnödigkeit. Wenn alles immer so einfach wäre. Aber: Man hat beschlossen: Von Donnersmarck muss einen Epoche-Film drehen, den Rest machen die spindoctors. Und - auch in dem Film: Die hervorragenden Schauspieler. |
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"Im Großen und Ganzen retten die guten Schauspieler die Serie. Die Idee kann man doch recht einfach unter "Romeo und Julia unter der Stasiknute" zusammenfassen."
Sehe ich auch so. Ansonsten, eben DDR-Dallas. ;-) Der Ami kommt wirklich nicht gut rüber (ist unglaubwürdig) und die Sass hat eine Frisur die 1980 nicht gerade üblich war. Werde mir den Rest trotzdem anschauen. |
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Mein Fazit: Die Darsteller sind gut. Der Stoff aber gäbe mehr her.
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Offenbar war die Drehbuchautorin noch nicht mal in der Lage, den Namen des handlungstragenden Ortes zu recherchieren. Es gibt kein Weissensee. Der Bezirk heißt Weißensee, der zugehörige See "Weißer See" und nicht -- wie von der ARD verbreitet -- "Weissensee".
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Offenbar war die Drehbuchautorin noch nicht mal in der Lage, den Namen des handlungstragenden Ortes zu recherchieren. Es gibt kein Weissensee. Der Bezirk heißt Weißensee, der zugehörige See "Weißer See" und nicht -- wie von der ARD verbreitet -- "Weissensee".
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Wie du an meiner Schreibweise siehst, war mir das entgangen. Und das, obwohl ich das Vergnügen hatte, ein Jahr in diesem (damals noch) Bezirk zu leben. Ich schiebe die Verantwortung für meinen Lapsus auf die Orgie von Rechtschreibreformen, die es seit meiner Zeit in Weißensee (es sieht so auf jeden Fall besser aus!) gegeben hat. Im Weißen See drin war ich allerdings nie. Ich wusste damals auch nicht, dass er einer der tiefsten in Berlin sein soll, mit 10 Meter. Sieht man ihm irgendwie nicht an...
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schrieb am
17.09.2010 um 20:08
Es ist ja auch die " goldene Henne " und nicht der "goldene Broiler ", der schmeckt ja auch lecker - nur wegen der Schreibweise...
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schrieb am
19.09.2010 um 00:54
Schätzungsweise ist das "ß" im Titel der internationalen Vermarktbarkeit zum Opfer gefallen. Mit ihrer vorherigen Miniserie "Die Wölfe" haben Frau Ziegler und Regisseur Friedemann Fromm es immerhin bis zum Emmy gebracht, mal vom Grimmepreis abgesehen. Und zwar der verbotenen Geschwisterliebe zum Trotz, die bereits bei den Wölfen als Thema auftauchte.
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Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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