lukas eckhart

rette sich wer kann (das leben)

07.02.2011 | 21:20

the fault lines: was zeigt mir, der ich sehe, in meinem leben das bild

zwei menschen, nein drei. doch: zwei berühren und trennen sich. in wiederholungen und variationen. was manchmal an einen zerr- und ringkampf erinnert, ist vielmehr ein aufeinander-zu-bewegen mit brüchen. pausen strukturieren diesen ersten teil der performance zweier fixpunkte der tanzszene. obwohl, meg stuart möchte ich beinahe als eine säulenheilige der performancekunst bezeichnen. jenseits des anekdotischen benennens geht es aber eben gerade nicht (bloß) um eine metaphorische beziehungsgeschichte, wie vielleicht der beginn, der bereits das scheitern erahnen lässt, suggerieren mag: the fault lines. nein, es geht um etwas viel größeres. vielleicht möchte frau es dispositiv nennen, jedoch in einem ganz selbstreflexiven sinn. (look now, look again.) auf subtile weise wird mittels zweier projektionsstrategien in diese körperperformance eingegriffen, wobei die manipulation, die dritte figur, nun immer mehr die hauptrolle zu übernehmen scheint. scheint. denn in wirklichkeit übernehmen die rezipientInnen die regie, können den blick auf die zwei figuren oder auf deren projektion richten, die quasi im rechten winkel zu jenen stattfindet. (look again.) was zeigt mir, der ich sehe, in meinem leben das bild? nach barthes: was singt mir, der ich höre, in meinem körper das lied? freilich gibt es auch geräusche, und manchmal ganz kurze momente mit angedeuteten harmonien. davor wellen, störfrequenzen, danach stimmen, verkehrslärm. freilich: alles sehr subtil und silent. wie das gesehene: wenig lenkt vom wesentlichen ab. ein karger raum, ein paar lichtquellen, ein vorhang, dazu projektions- und soundequipment. mehr braucht es nicht, um eine knappe stunde zu wenigen minuten komprimieren zu lassen. oder umgekehrt? (look.) ein rundes loch ist ein runder durchblick. er zeigt einen anderen blickwinkel auf die figuren. er zeigt weniger, nämlich bloß kopfgröße. aber auch mehr, weil er gleichsam einen fokus bildet. ganz klein vergrößert. ganz klein kann ganz groß sein! ein fuß. eine hand. ein angeschnittener körper. oder nichts. und immer in bewegung. ein tasten. ein fühlen. ein berühren quasi, als die figuren sich kaum mehr berühren. sondern immer passiver und ruhiger werden. nachgerade zärtlich erscheint die kreisrunde projektion. sie zeichnet. wie im vielleicht nur gefühlten dritten teil, nach einer romantischen lichtbrechung? jetzt wird mit schwarzem stift auf die projektion, die jetzt als projektion einer projektion erkennbar wird, skizziert. zweiter grad: achsen und feine striche werden immer mehr zu einem eigenständigen bild, das die projizierten figuren zu übermalen scheint. the fault lines, jetzt wörtlich. diese rücken nun immer mehr in den hintergrund. der mensch wird zur leinwand. zu einer passiven oberfläche für etwas ganz anderes. (look now!) wir beobachten das schauspiel in einer ähnlichen fesselung, wie sie den zweien widerfährt. am ende werden sie zu einem pointillistischen gemälde, das ende eines kurzen, aber luziden kunstdiskurses, der die sinne für eine welt jenseits der spastischen gesten schärft: eine welt des "post". die freilich immer rätselhafter und komplexer wird, desto genauer wir hinschauen. können.

 
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lukas eckhart
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