lukasheinser

Blog von lukasheinser

13.02.2009 | 13:13

Eight Days A Week

Was für eine Woche!

Während der Journalist Walter Isaacson in einer Titelgeschichte im "Time"-Magazin und im Interview in der "Daily Show" sein Konzept für die Zukunft des Journalismus beschrieb (das Zauberwort heißt "Micropayment"), wirkte es in Deutschland gerade so, als wolle man mit der Abwicklung des Journalismus bis spätestens Weiberfastnacht fertig sein.

Diverse Medien blamierten sich erst ein bisschen, als sie einen falschen elften Vornamen des neuen Bundesfinanzministers aus der Wikipedia kopierten, und dann ein bisschen mehr, als sie die Schuld daran überall, nur nicht bei sich selbst suchten.

Der Journalist Heiko Werning, der für taz.de das Blog "Reptilienfonds" betreibt, hat den besten Nachklapp zu dieser Geschichte geschrieben:

Natürlich kann man als Journalist nicht jedes Detail aufwändig recherchieren. Aber wenn man idiotischerweise schon Artikel macht, die sich ganz oder teilweise mit den vielen Namen des Herrn beschäftigen, wenn also die an sich nebensächliche Vornamensfrage zur Hauptsache wird, dann sollte die Hauptsache vielleicht auch stimmen.

[...]

Und wenn, was natürlich immer mal vorkommt, eben doch ein Fehler passiert, dann stellt man es richtig und entschuldigt sich dafür, aber man jammert nicht über die Umstände der Welt und die Gemeinheit derer, die Fehler oder fehlerhafte Arbeitsweisen aufdecken.


Am nächsten Tag schaffte es Bild.de, die nicht sonderlich glaubwürdige Meldung vom Rauswurf des Stürmers Kevin Kuranyi bei Schalke 04, die durch einen Hackerangriff auf die Vereinswebsite gekommen war, abzuschreiben (die Leute bei "RP Online" taten das, was sie am Besten können, und schrieben die Ente bei Bild.de ab). Als sich die Sache wenig später aufklärte und "Bild" groß von einem "Hacker-Skandal" faselte, vergaß man dort freilich zu erwähnen, wer solch alberne Späße eigentlich glauben sollte.

Das waren aber nur die großen, skurrilen Beispiele, die vom inhaltlichen Ende des Journalismus zeugen. Ganz handfest wurde es bei den Einstellungen der Woche: Während Holtzbrinck sein zukunftsweisendes (so zumindest die Selbsteinschätzung) Nachrichtenportal zoomer.de nach nur zwölf Monaten einstampfte, stellte Burda mit "Tomorrow" und "Young" zwei Zeitschriften ein, die immerhin seit zehn bzw. sechs Jahren existierten. Außerdem erwischte es das Magazin "Wein Gourmet" und den Fernsehsender Giga (diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit).

Und dann war da noch ein ganz anderer Bereich der Medien: Experten kamen bei einer Bundestagsanhörung zu den von Familienministerin Ursula von der Leyen geplanten "Sperrmaßnahmen" für Internetseiten (zunächst mal wegen Kinderpornographie, später vielleicht wegen Urheberrechtsverletzungen) zu dem Schluss, dass das geplante Verfahren erstens wirkungslos sei und zweitens die Grundrechte der User einschränken könne.

Zum Abschluss aber eine gute Nachricht: Der deutsch-ägyptische Blogger Philip Rizk, der von ägyptischen Sicherheitsbehörden festgenommen worden war, ist gestern nach vier Tagen wieder freigekommen.
 
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