lukasheinser

Blog von lukasheinser

09.02.2009 | 13:00

Michael Glos is no longer listed as in an administration

Bis Ende vergangener Woche hatte ich angenommen, dass Deutschland von einem Haufen durchgeknallter Kindergartenkinder regiert wird. Seit dem Wochenende weiß ich es.

Da schreibt also der Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) ein Fax an seinen Parteivorsitzenden Horst Seehofer, in dem er um seine Entlassung als Bundesminister bittet. Zwar hatten viele nicht gewusst, dass wir einen Wirtschaftsminister haben (geschweige denn, dass er Glos hieße), aber auf die Frage, wer eigentlich Bundesminister ernennt und entlässt, hätten wohl doch viele noch mit "Bundeskanzlerin" und/oder "Bundespräsident" geantwortet - und damit verfassungsrechtlich mehr oder weniger Recht gehabt.

Doch es ist ja nicht nur der bizarr erscheinende Ansprechpartner (als Parteivorsitzender hat Seehofer ja durchaus ein Wörtchen mitzureden) und dessen etwas unentschlossene Reaktion: Kann man den Schilderungen aus Berlin Glauben schenken, hat die Kanzlerin ungefähr zeitgleich mit der Presse (vielleicht auch durch die Presse) erfahren, dass einer ihrer Minister weg will.

Das passt ins Bild, denn Politiker - auch innerhalb der Parteien - reden längst nicht mehr mit- sondern nur noch übereinander. Vertreter von SPD und CDU rennen von Hauptstadtstudio zu Hauptstadtstudio (und begegnen sich dabei wie in jeder guten Boulevardkomödie kein einziges Mal) und beschimpfen sich gegenseitig, während Guido Westerwelle in jedes Mikrofon spricht, das nicht bei "Drei" auf den Bäumen ist (was den wenigsten Mikrofonen gelingt). Der Wähler steht wie ein fassungsloses Scheidungskind daneben und wünscht sich, es würden doch nur alle die Klappe halten. Fast sehnt man sich zurück in die Zeit, als Politik noch in verqualmten Hinterzimmern Bonner Gaststätten gemacht wurde.

Letztlich sind Politiker (bis zum Beweis des Gegenteils) aber auch nur Menschen. Warum sollten sie sich also groß anders verhalten als all die Nachbarn, Verwandten und "Freunde", die lieber über- als miteinander sprechen? In Zeiten, in denen Menschen via Statusnachricht in sozialen Netzwerken erfahren, dass ihr Partner (nicht Ex-Partner, wohlgemerkt!) in einer neuen Beziehung ist, wundert einen eigentlich gar nichts mehr.
 
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Kommentare
Tessa schrieb am 09.02.2009 um 13:17
Die Meldung Glos stellt Rücktrittsgesuch über twitter oder SMS hätte die Welle und Art der Reaktionen wohl kaum verändert. Das illustriert in der Tat, wie normal dieses Verhalten ist, und wie wenig es verwundert.
lukasheinser
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