Lukasz Szopa

Blog von Lukasz Szopa

28.02.2010 | 13:09

Hartz 2.0

Zum fünften Geburtstag der Arbeitsmarkt-Reformen zürnt Guido Westerwelle über die „spätrömisch dekadente“ Hartz4-Bezieher, deren „sozialistische“ Einstellung den Staat angeblich Milliarden kostet (mehr als die Transferleistungen der „tüchtigen Leistungsträger“ in die Schweiz?...). Arbeitsministerin von der Leyen möchte zumindest den „ungeliebten Namen“ der Arbeitsmarktreformen, also „Hartz IV“, ändern (und was ist mit den meist vergessenen Teilen I-III?...)

Das Problem – ob für den historischen Moralisten oder das sprachlich ästhetische Empfinden der betroffenen Personen – ist nicht der Name „Hartz“ (der inzwischen eher für Betriebsausflüge in netter Damenbegleitung nach Rio steht), sondern die Gesetze und Regelungen selbst – die übrigens ohnehin offiziell „Gesetze für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt“ heißen.

Anstatt diese vier Gesetze hier explizit zu behandeln, möchte ich ein paar neue Vorschläge präsentieren, die nicht nur den „Arbeitslosen-Markt“, sondern vor allem den Arbeitsmarkt betreffen – denn beide sind sehr eng verbunden.

1. Umverteilung der Arbeit.
Der wichtigste Punkt, den man anerkennen muss, ist die Tatsache, dass es aufgrund vor allem des technologischen Fortschritts und der Produktivitätssteigerung (nicht nur im produzierendem Gewerbe) mittel- und langfristig immer weniger Arbeit für die konstante oder nur leicht fallende Zahl an arbeitsfähigen Menschen geben wird.
Dies ist aus meiner Sicht keine Katastrophe – solange man die vorhandene Arbeit gerechter aufteilt. Denn der jetzige Trend führt zu einer nicht nur zur materiellen Polarisierung des Arbeitsmarktes: Auf dem unterem Ende landen immer mehr Erwerbslose, auf dem anderen wird von  „Normalangestellten“ erwartet, dass sie mehr und mehr Überstunden schieben – bezahlt oder unbezahlt. Das Ergebnis ist einerseits Verarmung, Frustration und Demotivation, andererseits Versklavung, Arbeitsstress und fehlende Freizeit.
Die Lösung hier liegt nicht in rein finanzieller Umverteilung des Einkommens, sondern in einer „Umverteilung der Arbeit“. Zum Beispiel eine 30-Stunden-Woche für Angestellte. Und zwar (eigentlich) ohne Lohnausgleich. „Eigentlich“ - denn zugleich muss sichergestellt werden, dass  durch einen branchenübergreifenden, landesweiten Mindestlohn sich das monatliche Einkommen  deutlich von der Summe aller Sozialhilfen (beides pro Haushalt) absetzt.
Das schöne ist, dass sowohl die Arbeitnehmer und Gewerkschaften, wie die Arbeitgeberverbände eine 30-Stunden-Woche kritisieren werden. Die einen, weil „man zuwenig verdienen kann“ (also seine Arbeit mit den bis dato Arbeitslosen teilen muss), die anderen, weil es „die Koordination der Angestellten verkompliziert und zu unnötigen Kosten führt“ (als hätten die Firmen keine Erfahrungen mit unzähligen Freiberuflern und Werksvertrags-Mitarbeitern).
Natürlich wären in speziellen Fällen flexible Überstundenkontingente möglich – die sollte man allerdings zu 100% des Normalsatzes besteuern, wobei der Arbeitnehmer und Arbeitgeber identisch betieligt wären. Beispiel: Wenn ich ansonsten 20 € / Std verdiene, müsste mir mein Chef schon mindestens 20 € + 10 € für jede Überstunde anbieten, damit ich nichts dazuzahle. Und ihn selbst würde die Überstunde mindestens 40 € kosten (20 €+ 10 €+ 10 €).

2.    Mindestlohn.
 Wie schon oben erwähnt, die Umverteilung der Arbeit erfordert einen Mindestlohn von ca. 10 €. Das würde bedeuten, dass man monatlich mindestens 1.200 € netto verdient (4 x 30 Std. a 10 €). Dies wäre – sofern die Sozialhilfe Hartz-IV unverändert bleibt – deutlich genug darüber liegt.  Damit weder Westerwelle noch die Arbeitslosen darüber klagen müssen, dass „es sich nicht zu arbeiten lohnt“. Wer mehr verdienen möchte, kann mit seinem Arbeitgeber über die Überstunden verhandeln (siehe oben) oder freiberuflich dazu verdienen.
Soll man auf das Argument, dass Mindestlohn Arbeitplätze „vernichtet“ überhaupt eingehen? Sogar in den Zeiten, wenn selbst böse Kapitalisten wie „Lidl“ einen solchen fordern, und 20 EU-Staaten diesen längst eingeführt hatten? Wenn Arbeitplätze verloren gehen, dann durch schlechtes Management und durch schlechtes Arbeit – deren Produktivität sehr oft mit der Motivation der Mitarbeiter zusammenhängt.

3. Flexibilisierung des Arbeitsmarktes.
Durch eine 30-Stunden-Woche wäre vor allem der Arbeitgeber genötigt, flexibler zu sein. Das ist meistens ein Vorteil, denn er würde bei einer schlechten „Auftragslage“ nicht zu viele untätige Mitarbeiter bezahlen müssen, während er mehr Freiraum hätte in „guten Zeiten“ mehr Freiberufler einzustellen. Jede Firma hätte einen verlässlichen, erfahrenen und motivierten „Mitarbeiterstamm“, und dazu immer wieder auf Werksvertrag-Basis arbeitende „Freie“. Wichtig ist hier eine Voraussetzung: der Werksvertrag-Lohn darf nicht unter dem „Angestellten“-Lohn bleiben. Damit hätte ein Arbeitgeber keine Möglichkeit, die Festangestellten zu „erpressen“ (sie ihn aber ebensowenig), und es bestünde kaum Motivation, den Großteil der Arbeit über Werkverträge zu führen. Denn hier würde gelten: je ausgebildeter, motivierter und erfahrener ein bisheriger Mitarbeiter ist, desto mehr wird ihn sein Arbeitgeber als „Festen“ behalten wollen.

4. Arbeitslosen- und Krankenversicherung
Diese Versicherung sollte endlich den Namen „Versicherung“ verdienen. Ähnlich wie eine KfZ-Versicherung oder eine Krankenversicherung für Selbständige sollt es eine verpflichtende Versicherung sein, die eine Vielzahl an privaten Versicherungsanstalten anbieten (deren Mindeststandards der Staat kontrolliert – damit die Prämien nicht künstlich niedrig gehalten werden).
Die Versicherung wäre alleine vom Arbeitnehmer zu entrichten – er/sie soll entscheiden, was passiert, wenn man doch arbeitslos wird. Das würde den Arbeitgeber entlasten, wäre aber aus der Sicht des Angestellten auch kein zusätzlicher Wettbewerbsnachteil gegenüber Werksverträgen (jedem Selbständigen stünde frei, sich bei einer solchen Versicherung zu versichern).
Die Krankenversicherung sollten beide zur Hälfte bezahlen, Arbeitnehmer wie Arbeitgeber – denn davon profitieren auch beide (jeder „Krankentag“ eines Festangestellten ist für ein Unternehmen teurer als ein monatlicher KV-Beitrag). Dadurch wäre zwar ein Freiberufler „günstiger“, doch andererseits könnte der Arbeitgeber durch einen „Sammelvertrag“ bei einer Krankenversicherung mehrere Mitarbeiter pauschal versichern – und so die „pro Kopf“-Kosten senken.

5.Bedingungslose Sozialhilfe:
Statt ALG II und Hartz-IV, also der bisherigen Kombination aus Sozialhilfe (Miete, Heizung, etc.) und der Arbeitslosenhilfe, sollte es nur eine Sozialhilfe für Bedürftige geben – und zwar zu realistischeren Sätzen, die, wie schon das Urteil von Karlsruhe besagt – genauer bestimmt werden sollten.
Zusätzlich soll sich diese pauschale Hilfe für Bedürftige jedes Jahr automatisch mit der Inflationsrate verändern, und nicht wie bisher an die Rentenerhöhung gekoppelt sein (was hat eines mit dem anderen zu tun???)
Keinesfalls soll der Erhalt der Sozialhilfe mit „Arbeitsförderungsmaßnahmen“ verbunden werden. Wer zu wenig Mittel zum Leben hat – dem soll wie bis jetzt geholfen werden. Ob er durch Arbeit mehr verdienen will, und wie er diese Arbeit finden soll, soll seine Sache sein.
Wie auch immer die Höhe einer Sozialhilfe ausfallen mag – diese soll wie schon erwähnt immer einen mindestens 30%-Abstand zur Höhe des Mindesteinkommens (1.200 € netto) betragen, und soll idealerweise über Gutscheine (für Miete, Energie, Möbel, Kleidung, Schulsachen etc.) geregelt werden.

6. Arbeitsvermittlung.
Nochmal, die Wahl und die Entscheidung, ob und wie jemand sich Arbeit sucht, soll ihm vorbehalten werden. Die „Agentur für Arbeit“, die bereits nichts mehr mit der Arbeitslosenversicherung zu tun hätte, sollte samt aller „Jobcenter“ und ihrer „Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen“, „1-Euro-Jobs“ (die ein staatlich geförderter Lohndumping sind, mit Schaden für das Lohnniveau) und „Ausbildungskursen“ abgeschafft werden. Wer Arbeitsvermittlung braucht, wendet sich an eine private Firma – oder versucht es doch alleine. Durch die Abschaffung der staatlichen „Agentur für Arbeit“ könnte man den Markt für Job-Vermittler auch für „weniger qualifizierte“ Kunden interessant machen. Die Wohnungen werden schließlich auch entweder „privat“ gefunden, oder über einen Vermittler – der sich ruhig bei Erfolg eine Provision verdienen darf.

Das Ergebnis der dargestellten Maßnahmen wäre vor allem ein mehr offener Arbeitsmarkt, in dem die Arbeit breiter gestreut wäre, ohne den Arbeitgeber besonders zu belasten, und ohne dass die Arbeitnehmer zu wenig verdienen. Natürlich gäbe es immer noch Bedürftige, die Sozialhilfe brauchen, doch die gibt es leider immer – auch wenn der Arbeitsmarkt „boomt“ und auch wenn der Staat noch so viele „Programme“ fördert. Denn meist sind es persönliche Tragödien wie Scheidung, Unfall/Krankheit, Sucht, oder Verschuldung die zu einer sozial kritischen Lage führen.
Viele Menschen würden vielleicht etwas weniger verdienen – aber nur, weil sie etwas weniger arbeiten. Dafür hätten sie mehr Freizeit – egal ob sie diese für Familie, Hobbys, gemeinnützige Arbeit, Askese oder für den Konsumwahn nutzen wollen (bekanntlich arbeitet mancher so viel, dass er kaum Zeit hat, das Geld auszugeben – es bleibt höchstens Zeit, es in einen Fond zu stecken).
Einige mehr hätten die Chance, Arbeit zu finden – und nebenbei viele unfreiwillige Selbständige die Chance auf einen „festen Job“.
Der Staat hätte seine Aufgabe darin, gute Mindeststandards zu schaffen: sowohl beim Mindestlohn wie bei einer bedingungslosen Sozialhilfe, deren Höhe von einem Mindestgehalt ferngehalten werden sollte. Sowohl die Job-Versicherungen wie Job-Suche sollen nicht vom Staat geplant und gelenkt werden, sondern zwischen Individuen und privaten Unternehmen ausgehandelt werden.

Ich weiß, dass ich in diesem Text einige Punkte ausgelassen habe, die man ebenfalls bedenken müsste – seien es das Steuersystem, die Rentenversicherungen oder die staatliche Unterstützungen für Kinder (Kindergeld, Hartz-IV für Kinder). Doch beides betreffen bereits weitere breite Themen, die zwar mit dem Arbeitsmarkt verbunden sind, dennoch zuerst unabhängig behandelt werden sollten.

 
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Kommentare
quarktasche schrieb am 28.02.2010 um 17:02
Ich würde es einfach so machen:

Wochenarbeitszeit von 30 Stunden, Mindestlohn 10€/h
Bedingungsloses Grundeinkommen von 1500€, Pro 1€ Lohn kürzung des Grundeinkommen um 0,50€
Steuerfreibetrag von 3000€ monatlich (36000€/Jahr), darüber 50% Steuern bis 5000€/Monat (60000€/Jahr), darüber 60% Steuern bis 8333€/Monat (100000€/Jahr), darüber 70%, also Stufentarif etwas anders als die FDP sich das vorstellt.

Staatliche Renten- und Arbeitslosenversicherung, kann durch das Bedingungslose Grundeinkommen wegfallen, oder wenn man das Grundeinkommen nicht komplett durch Steuern finanzieren will, kann eine Bürgerversicherung in die alle, abhängig vom Lohn, einzahlen, die beiden Versicherungen ersetzen.

Bei der Krankenversicherung gibt es ebenfalls die beiden Möglichkeiten: Steuerfinanzierung oder Bürgerversicherung. Auf jeden Fall, eine Kasse für alle.

Freiwillige Zusatzversicherungen für Rente, Arbeitslosigkeit und Krankheit kann es natürlich trotzdem geben.

Grüße von der Krankentasche
Lukasz Szopa schrieb am 01.03.2010 um 11:43
Sorry Quarktasche, dein Modell reisst ein noch größeres Haushaltdefizit - durch das Grundeinkommen. Selbst bei 1000 € nur für 100% Bezieher (+- 10 Mio Menschen incl. Kinder) wären es schon 120 Mrd / Jahr, derzeit beträgr HartzIv + ALG-Zuschuss + Rentenzuschuss 105 Mrd. Und wenn man den letzten wegfallen ließe, kämen sicher noch einige Mrd. für Rentner, die unter 1000€/Monat haben.
Einkommenseitig: Selbst wenn man die "Reicheren" nach deinen Vorschlägen besteuert, kommen da max. 40 Mrd. / Jahr zusätzlich zustande.
Mein Fazit: "Deine" Steuersätze, aber statt Grundeinkommen bisherige Höhe an sozialen Zuwendungen, ggf. Verschiebung der Hilfen vom Rentenzuschuss zu HartzIV (siehe Karlsruhe-Urteil).
Wobei es - siehe mein Vorschlag vom 30-Std.-Woche - das wichtigste ist, nicht Hilfen zu verteilen, sondern Arbeit.
quarktasche schrieb am 01.03.2010 um 11:53
Es lässt sich drüber Diskutieren, aber ich gehe davon aus das es mit einem Gescheiten Konzept und Abschaffung von unötigen Subventionen finanzierbar wäre .

Nur ist die Politik Sklave der Wirtschaft...
Olaf Dudek schrieb am 01.03.2010 um 12:09
Grundsätzlich ist die Umverteilung von Arbeit ja eine gute Idee, setzt aber voraus das genug Arbeit da ist. Es darf aber doch gezweifelt werden, ob da die Reduzierung der Arbeitszeit das Mittel der Wahl ist. Denn es hat schon einmal nicht funktioniert,nämlich als die 35 Std-Woche eingeführt worden ist. Und 10 Euro Mindestlohn ist in der Summe das Selbe wie 7,50 Euro Stundenlohn und 160 Std. Das haben wir nämlich schon. Und mit 1.200 Euro(Brutto) Monatseinkommen ist es schwer, zu (über)leben. Wo also liegt der Vorteil in dem Vorschlag? Ich sehe ihn nicht.
Lukasz Szopa schrieb am 01.03.2010 um 14:31
1. Ich gehe davon aus, dass genauso viel Arbeit da ist wie jetzt - und wenn jeder derzeit arbeitende weniger arbeitet, gibt es mehr Arbeit für die, die noch keine haben.

2. Hätte man die 35-Std.-Woche nicht eingeführt, hätten wir noch mehr Arbeitslose.

3. Mindestlohn - ich meine 10€ NETTO, damit 1.200 € NETTO im Monat.

Der Vorteil wäre, dass die vorhandene Arbeit auf mehr Menschen aufgeteilt worden wäre, d.h. wer keine Arbeit hat - findet eher eine, und wer eine hat, hat mehr Freizeit (auch wenn etwas weniger Geld).
In meinem Modell müssten sowohl die Arbeitgeber was "geben" (nämlich höheren Std.lohn), wie auch die DERZEITIGEN Arbeitnehmer (weniger arbeiten und dadurch weniger verdienen).
Wichtig ist auch, dass wir in Betrachtung der Arbeitenden nicht nur auf den Niedriglohnsektor und die Arbeitslosen schauen - wenn höhere und mittlere Einkommen durch weniger Arbeitsstunden mehr Jobs schaffen, rücken mehr Leute auf deren Lohnniveau, d.h. es ensteht eine "Kaskade nach oben".
Olaf Dudek schrieb am 01.03.2010 um 15:24
also zu 1) da ist der Wunsch eher der Vater des Gedanken.

2)die 35 Std Woche (28,5 bei VW) hat zu Outsourcing, abhängigen "Scheinselbstständigen",Arbeitsplatzverlagerung und Zunahme der Überstunden geführt. Die Arbeitslosenzahlen sind eher gestiegen seitdem. Selbst wohlwollenste Berechungen gehen von einem Rückgang der Arbeitslosenquote von unter 1% aus.

3) Ich wohne auf dem Land und nehme nur mal die Zahlen von meinem Kreis:

durchschnittliche Miete für 75-80qm 450 Euro, Nebenkosten 120,00 Euro, Strom 60 Euro. Dann sind wir schon bei 730 Euro, bleiben noch 470 Euro, Fahrkosten zur Arbeit, sagen wir 150 Euro, bleiben noch 320 Euro, Versicherungen 100 Euro bleiben noch 220 Euro. Und immer noch nichts im Kühlschrank.GEZ und Telefon (Flat) 70 Euro, bleiben 150 Euro und immer noch nichts im Kühlschrank. Wovon, bitte soll Konsum gemacht werden?
Deaktivierter Nutzer schrieb am 02.03.2010 um 09:16
@ Olaf Dudek
€ 1200,-- zum Überleben? Dafür wären viele Menschen in Deutschland dankbar & zufrieden.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 02.03.2010 um 09:17
Die 35h Woche ist doch in sehr vielen Berufen eine Illusion. Z.B. in der Dienstleistungsbranche. Überstunden werden dort erwartet. Aber nicht bezahlt.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 02.03.2010 um 09:21
@ Olaf Dudek
bei 75 - 80qm Wohnfläche, werden hier noch 40qm für 2 Gästezimmer eingerichtet & vermietet.
Und bei € 150,-- Fahrtkosten, würde ich mir eine Whg suchen, welche näher am Arbeitsplatz ist. Versicherungen... Dir sollte man mal Peter Zwegat vorbei schicken.

Konstum bedeutet auch, zu große Whg zu bewirtschaften oder Auto zu fahren.
Lukasz Szopa schrieb am 02.03.2010 um 09:49
Das Beispiel VW spricht eigentlich für meinen Vorschlag, denn:
- Durch Outsourcing & "Scheinselbständige" wurden eben Arbeitsplätze geschaffen! Das "einzige" Problem, dass diese unterbezahlt sind. Aber ich fordere ja einen ALLGEMEINEN Mindestlohn - so dass das "outsourcen" nichts bringen sollte. (Und wenn VW etwas ins Ausland auslagern sollte, dann hätten sie es früher oder später ohnehin gemacht)
- Überstunden - auch da schlage ich vor, durch höhere Besteuerung diese noch mehr als jetzt einzuschränken.
- Natürlich macht es keinen Sinn, wenn nur ein Unternehmen (VW) im Alleingang die Wochenstunden kürzt. Daher flächen- und branchenübergreifend, und so bald wie möglich auch EU-weit.
Olaf Dudek schrieb am 03.03.2010 um 14:49
Ich engagiere mich ehrenmatlich für die Tafel, also ich weiß schon wovon ich rede ;-))
Olaf Dudek schrieb am 03.03.2010 um 14:52
Sorry, aber ich ja nicht auf welchem Planeten Du lebst. Ich lebe auf der Erde und in größten Flchenkreis in Hessen. Allein die preiswerteste KFZ-Versicherung liegt schon Haftpflicht bei 30 Euro Monat, mal so zum Nachdenken. ÖPNV gegen null usw.
Also nix da mit wer immer Zwegat ist, einfach mal selber nachrechnen.
Olaf Dudek schrieb am 03.03.2010 um 14:58
Ich wehre mich schlicht dagegen, Arbeitszeitverkürzung als alleiniges Mittel anzusehen. Die erste Sofortmaßnahme müsste die Abschaffung der kalten Progession sein, dann eine Steuerreform. Die Steuerklasse 5 und 6 gehören schon längst abgeschafft. Es sind eine Menge Dinge möglich und auch nötig. nur Arbeitszeitverkürzung reicht eben nicht.
Lukasz Szopa schrieb am 03.03.2010 um 19:13
Ich habe nirgends behauptet, die Verteilung der Arbeit sein das einzige Mittel um Arbeit für Arbeitslose zu schaffen.
Sind Sie der Meinung, durch Reformen der Einkommenssteuer würde man Arbeitsplätze schaffen? Etwa weil es dann "Wachstum" gibt welches Arbeitsplätze "schafft"? Das gehört für mich zu volkswirtschaftlichen Märchen.
Carl Gibson schrieb am 01.03.2010 um 14:52
@Lukasz Szopa: Sie haben sich viel Zeit genommen, um Alternativen differenziert aufzuzeigen. Vieles, was schon erkannt wurde und längst umgesetzt hätte sein müssen, scheiterte bisher an der Lobby bestimmter Wirtschaftsbereiche, die keine Veränderungen wollen. Echte Veränderungen (Steuergerechtigkeit, Steuervereinfachung), die Milliarden einbringen bzw. einsparen könnten, stehen noch aus, obwohl sie sinnvoll und praktikabel sind. Aus meiner Sicht wären Systemreformen durchzuführen, radikale Einschnitte, etwa das Abschaffen von Privilegien bei Freiberuflern, Beamten, gesetzliches Verbieten von Überstunden, Einführung von Mindestlohn etc.
Nur um einer ideologischen Liberalisierung willen sollte der Bereich "Arbeit" nicht unbedingt manchesterkapitalistischen Bedingungen freigegeben werden.
Beobachtungen aus meinem Umfeld: Das Leistungsprinzip fehlt noch im "Beamtenwesen"! Einmal Universitätsprofessor, immer Universitätsprofessor, auch wenn de facto nichts mehr geleistet wird.
Oder: Saturierte, gut versorgte ehemalige Beamte oder Bundesangestellte üben weiterhin zum Teil gut bezahlte Tätigkeiten aus, obwohl sie das nicht müssten. Sie nehmen anderen die "Arbeit" weg, gerade Berufseinsteigern, und das fällt ihnen überhaupt nicht auf.
Diverse „ehrenamtliche“ Tätigkeiten werden fast "umsonst" erledigt, weil man nichts Besseres zu tun hat. Auch so werden versicherungspflichtige Tätigkeiten verhindert.
Viele Schwierigkeiten des Arbeitsmarktes in den USA und in Europa sind nicht zuletzt Folgen der Globalisierung - einige Räder müssten wieder zurück gedreht werden. China muss nicht für alles die Werkbank sein - selbst "protektionistische" Maßnahmen sind legitim, wenn es gilt, nationale Interessen zu schützen.
Sonst macht die Profitgier von Wenigen China groß und stürzt die alten Nationalökonomien in Elend und Ruin. Das erleben wir heute - und Organisationen und Verbände wie der DGB schauen munter zu.
Apropos Zahlen, Brutto/Netto-Verdienst pro Stunde etc. Das ist alles Makulatur, wenn die Kaufkraft von Euro und Dollar verfallen, dank der Fehler, die in der forcierten Globalisierung gemacht wurden. Kurzsichtig und gierig hat man sich hier im Westen den Ast abgeschnitten, auf dem man saß und die Kuh geschlachtet, die man noch lange melken wollte.
Um das zu vermeiden forderte Max Weber vom Politiker nicht nur "Charisma", sondern vor allem "Augenmaß". Das aber ist unseren Entscheidungsträgern in Wirtschaft und Politik längst anhanden gekommen. Carl Gibson
Lukasz Szopa schrieb am 02.03.2010 um 10:01
Sie haben Recht, dass man viel über das Umverteilen (der Arbeit oder des Einkommens) sprechen kann, aber dass man zuerst Arbeit & Geld im Lande halten sollte. Dennoch: im Bezug auch China haben derzeit eher die USA als Deutschland ein Problem des Leistungsdefizits, wobei EU auch eher geg. China im Minus ist.
Andererseits: Der Anteil des Leistungsbilanzdefizits am BIP ist in Deutschland gering, bzw. es ist sogar kein Defizit:
BIP: 2407 Mrd
Exporte: 982 Mrd.
Importe: 872 Mrd.
Leistungsbilanz: + 110 Mrd.
Das heisst, trotz des "Billig-China-Bashings" exportiert D. immer noch mehr als es importiert, UND der Anteil der Dienstleistungen (die man schwer importieren kann) ist so hoch, dass das meiste in D. ausgegebene Geld in D. auch bleibt.
Lukasz Szopa
Geb. 1973 in Tychy, Polen. Studium der Int. Betriebswirtschaft an Uni Wien. Schriftsteller (Lyrik, Prosa), Übersetzer (polnisch <-> südslawisch), Informatiker.
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