Empfehlung der Woche

Frieden – Wie geht das?

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Klaus von Dohnanyi, Erich Vad

Hardcover, gebunden

160 Seiten

22 €

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Meine Frau weint

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Angela Schanelec

Drama

Deutschland, Frankreich 2026

93 Minuten
ab dem 11. Juni im Kino!

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Was muss man sich eigentlich alles gefallen lassen? So als Dienstleisterin, meine ich. Gefällt es dem Gast, steigt der Pegel, fallen die Hemmungen. Mir gefällt das nicht immer.

Der Abstand zwischen mir und den Empfängern meiner Dienstleistung beträgt durchschnittlich einen Meter. Zwischen uns liegen Tresen, oder Tisch - und manchmal auch Welten.

Thomas ist der neue Chef von Kette. Er wurde in dem Zeitschriftenladen angestellt, weil der Alte die Mitarbeiter wohl nicht so richtig im Griff hatte. Kette hat ihn irgendwann mit angeschleppt und ich persönlich glaube, dass er das nur gemacht hat, damit Thomas Verständnis für Katermomente aufbringt.Außerdem hat sich Thomas in den kurzen Jahren als Gast so viel bei uns erlaubt, dass Kette nun wohl mindestens unkündbar ist.

Thomas wird richtig ekelig, wenn er betrunken ist. Am Anfang habe ich versucht, das zu ignorieren. Später wurde ich pampig, so ganz ohne Charme. Das hat noch weniger geholfen. Irgendwann fing ich an, der Pampigkeit eine gehörige Portion Lächeln hinzuzufügen. Ein bisschen mit Thomas herumzufrotzeln und siehe da: Der Grad seiner Ekelhaftigkeit blieb konstant, aber er ließ sich (von mir) in Schranken weisen. Auch Trinkgeld gibt es nun. Nach eigenem bekunden, weil ich ihn so gut erzogen habe.

Neulich kam er auf den Trichter, dass er mein Opa sein könnte.

Ja, Thomas, theoretisch, aber dann hättest Du mit knapp über 30 Opa werden müssen.

Das ändert nichts daran, dass ich Dein Opa sein könnte.

Hm, ich habe keinen mehr und könnte einen gebrauchen.

Wenn Du mein Opa sein willst, musst Du mir den letzten Rest meines Studiums finanzieren.

Schallendes Gelächter. Nun heißt Thomas Nonno. Das macht ihn nicht weniger widerlich, wenn das Bier Wirkung zeigt, aber das hat uns auf eine Ebene gebracht, die (zumindest aus seiner Perspektive) nahezu freundschaftlich ist. Ich weiß nun wo die Knöpfe sind, die ich drücken muss und das Beste: je peinlicher er sich benimmt, desto mehr Trinkgeld gibt’s beim nächsten Mal.

Dann gibt es Ratsche. Mit ihm verhält es sich anders herum. Er war zu Beginn eher zurückhaltend, ja fast schüchtern. Ratsche ist etwa so alt wie Nonno +- fünf Jahre. Nun ergibt es sich, dass Ratsche, den ich als den klassischen Quartals(be)säufer bezeichnen würde, nur das sein Quartal einmal im Monat stattfindet, übermütig wird. Ratsche kennt da dann auch keine Grenzen. Als ich heißes Wasser in das Spülbecken gebe, sagt er etwas von heißer Braut. Den Zusammenhang verstehe ich: heißes Wasser - heiße Braut. Deshalb lächele ich und ignoriere das. Dann:

ey, Du heiße Braut, mach mir mal ein Bier.

Ich ziehe spöttisch die Brauen hoch und versuche zu signalisieren, dass es genug ist. Ohne Erfolg. Und als wäre das nicht genug, raunt Dirk, ein Ex-Bulle, der bei uns ganz gerne mal die Sau raus lässt, oder wahlweise auch über sein verkorkstes Leben jammert, mir im Vorbeigehen zu:

na Du heiße Braut, dann mach mir doch auch mal ein Bier…

Gänsehaut. Dirk ist so einer von der Sorte, die meinen, mit knapp 50 immer noch so heiß zu sein (vor allem weil er regelmäßig das Solarium besucht), dass sie sich alles herausnehmen können. Einer von der Sorte, die einfach nicht merkt, dass die Uhr weiterläuft, auch wenn das eigene Leben schon lange vorbei ist.

Wieder hinterm Tresen wollte Ratsche gerade erneut ansetzen.

Halt die Klappe!

Ratsche erschreckt. Hört aber schnell wieder auf damit:

Komm Blondie, hab Dich nicht so, gib mir lieber noch n Bier.

Juniorchef kommt rein: Lu, was ist mit Dir denn los?

Ich schaue zu Ratsche und verdrehe die Augen.

Der tickt heut nicht mehr richtig, ich schmeiß den gleich raus.

Musst ich gestern Abend auch schon machen, der konnte Daniela nicht in Ruhe lassen. Da scheint er aber nichts mehr von zu wissen.

Ich glaub der wird verrückt.

Ich glaub der sollte einfach mal ausnüchtern…das geht ja jetzt schon den vierten Tag hintereinander so und wirklich geschlafen haben, kann er ja nicht.

Beim dritten Blondie platzt mir der Kragen.

Alter, es reicht jetzt! Wenn Du Dich nicht im Griff hast, musst Du nach Hause gehen, Ratsche!

Ratsche stutzt.

Was?!

Ich wollte doch nur n Spaß machen…

Und ich hab Dir gesagt, dass das kein Spaß mehr ist, man!

Das Ende vom Lied war dann eine gewaschene Abreibung für Ratsche und eine klare Ansage, an diejenigen, die meinten auf seinen Zug aufspringen zu müssen. Ich kapier auch wirklich nicht, wie Leute so unkontrolliert sein können. Was sich einer dabei denkt, wenn er die Hand, die ihnfüttert, bzw. den dazugehörigen Menschen so behandelt. Auf der anderen Seite des Tresens wäre das zwar genau so wenig in Ordnung gewesen, aber da hätt ich gehen können.

Das war zum Schluss auch das Argument, das Ratsche endlich hat still werden lassen.

Ich kann hier nicht weg. Weil ich hier arbeite. Deshalb ist ja klar, wer geht, wenn ich die Situationnicht mehr ertrage.

Nur Dirk sah sich berufen, mir in verständnisvollem und dennoch belehrendem Ton zu erklären, wie ich meine Arbeit zu machen habe. Meine Grenzen solle ich doch nicht so früh ziehen, was würde ich denn machen, wenn mal so n richtiges Arschloch daher kommt usf.

Da steh ich ja auch drauf: während meine beiden Chefs im Laden sind und die Situation mitbekommen, mir also sagen könnten, wenn ich mich grundlos aufrege, fühlt sich der Ex-Bulle aus dem Assitoaster berufen, mir zu sagen, wie mein Job funktioniert.

Wie immer ist in der nächsten Schicht alles vergessen und wir fangen von vorne an.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.