Es ist Mittwoch. Die Tagschicht ist vorbei und ich sitze beim Feierabend-Alster vor der Bar und hoffe, dass mich niemand vollquatscht. Ich wurde für ein abendliches Treffen mit Tuba und Balu, sowie meinem langjährigen Begleiter Max, verabredet. Da ich eine stressige Schicht hatte, komme ich nicht mit zum Einkaufen.
Max und Balu sind irgendwie nicht in der Lage, sich alleine zu verabreden und brauchen dafür immer Tuba und mich (wir beide schaffen es sehr wohl, uns regelmäßig alleine zu treffen). Balu und Max treffen sich also zum einkaufen und ich hole sie, als sie fertig sind, am Supermarkt ab, um zusammen zu Balu und Tuba zu gehen.
Angekommen, müssen die beiden sich erstmal bei einem Bier vom anstrengenden Einkauf erholen *mir kommen die Tränen Jungs*…ich: schnell Tzaziki gemacht - meinen Teil erfüllt (Auch die Tatsache, dass ich nix, oder wenig mit der Kocherei zu tun haben wollte, war Teil der Abmachung, die auch für Tuba galt, die erst um 21h nach Hause kommen würde) und an den PC gesetzt. Die beiden: sehr rücksichtsvoll und lassen mich in Ruhe tippen.
---Wer gestern zwischen 20h und 21h hier ein bisschen die Kommentare verfolgt hat, weiß: ergiebig war das nicht; langer Tag + Hunger.---
Dann verging Zeit und um kurz nach neun ist Tuba da. Balu und Max hatten derweil die restlichen Sachen geschnitten und gebraten. Es gibt Essen. Tuba und ich versuchen es mit Prosecco, können aber beide, ob des langen Tages, nicht abschalten und nuckeln so vorwieglich an unseren Wasserflaschen.
Es ist ein üblicher Abend. Inhalte: zufriedenstellend. Was das betrifft, muss ich sagen, dass ich Waagen ja oft als nervend empfinde, aber: in der Küche und bei der Wahl von abendfüllenden Gesprächsthemen sind sie sehr nützlich.
Ausgewogen war es also.
Sogar die guten, alten Körperfunktionen und Arztbesuche kommen zur Sprache. Tuba betont, wie witzig sie es findet, wenn Balu furzt - eigentlich findet Tuba jeden Furz witzig, egal wo er raus kommt. Irgendwann muss ich leider mit den Worten Leute, ich esse hier, abbrechen. Die Bilder in meinem Kopf werden zu stark.
Musik: was ist das was da läuft? Das ist Darkest Hour, aber das ist Metalcore…aber ich mag die Stelle. Alles was davor lief, war auch Darkest Hour…keine Ahnung, hab ich nicht gehört, hab ich ausgeblendet. Ich habe die „Musik“ davor tatsächlich auf dem Weg zwischen Gehörgang und Gehirn in ein monotones Brummen verwandelt, bis diese hippieske KlingKlang Stelle kam.
Alltag: Tuba erzählt einen Schwank aus der Uni (sie hat wieder neu angefangen, zu studieren und findet sich immer wieder zwischen Menschen, die ihr an Lebenserfahrung etwas nachstehen, was zu merkwürdigen Situationen führt): Woher kommt eigentlich Dein Name? fragt eine Kommilitonin. Aus der Türkei…Stutzen: Welcher Elternteil kommt denn aus der Türkei? Ähm…beide, wieso? Und…warum trägst Du dann kein Kopftuch? Tuba stutzt. Ich habe ein bisschen Angst, dass ihr ihre angemalten Augenbrauen aus dem Gesicht fallen, als sie versucht den Blick nachzumachen. Sie lacht. Ach Tuba, Du weißt doch: ob mit oder ohne Maske: ich mag Dich immer und wunderschön bist Du sowieso. Da wird sie rot.
Das war natürlich nicht alles, was wir an Gesprächsthemen in die Waagschale legten, aber der Rest war irgendwo zwischen Politik und Privat und das würde jetzt zu weit führen, zu viele Fässer öffnen.
Nur das hier, möchte ich niemandem vorenthalten:
Nach einer Stunde ist mein Glas dann endlich leer und Balu macht sich gerade auf den Weg in die Küche. An dem Frosch in meinem Hals vorbei quake ich, er solle den Prosecco aus dem Kühlschrank mitbringen. Seine Haltung verrät mir, dass er mich nicht gehört hat. Ich gucke Tuba an: Mist, da muss ich wohl selber gehen. Tuba blickt mir fragend in die Augen: Wieso? Balu holt den bestimmt noch. Worauf ich ihr verständnislos in die Augen blicke.
Tuba versteht meine wortlose Frage und fängt an: Also, Balu war letztens bei meiner Schwester und da haben ihm die Freunde, die zu Besuch waren gesagt, dass es drei Beziehungstypen gibt. Ich bin mehr so der Dienstleistungstyp und Balu macht das gerne.Da kommt Balu zurück und ich will besonders witzig sein, warte bis er sich setzt und frage: hast Du gehört, dass Du den Prosecco mitbringen solltest?
Ich kann nur ungläubig gucken, als er aufsteht und den Besagten aus der Küche holt. Krass, wieso machst Du das denn? Ich hätt mir den selber geholt, das war doch nur ein Witz…Max lacht sich schlapp. Vor allem weil er es witzig findet, wie unangenehm mir das ist.
Balu, der von Tuba instruiert wurde, die Beziehungstypengeschichte zu erklären fing an: Also, es gibt da den Dienstleistungstyp, der feiert es total ab, wenn der Partner etwas für den anderen tut. Dann gibt es den Geschenktypen, der fühlt sich geliebt, wenn er beschenkt wird. Und dann noch den Zweisamkeitstypen, dem es einfach reicht zu zweit zu sein. Ich so: immer? Balu: Nach Möglichkeit…ja.
Max und ich schauen uns zweifelnd an. Beruhigt erkenne ich, dass er sich auch nicht so richtig für einen Typen entscheiden kann. Bis er sagt: Also dann bin ich eher der Zweisamkeitstyp. Ich bin schockiert. Wieso, sagt er, ich bin eben gern mit Dir zusammen… Immer? Frage ich ungläubig. Er überlegt und antwortet (wieder zu meiner Beruhigung) naja…immer jetzt auch wieder nicht. Aber wenn wir zusammen sind find ich das gut. Balu attestiert ihm, dass das nicht reicht, um der Zweisamkeitstyp zu sein. Hm, was machen wir denn da jetzt? Balu beruhigt uns: es gibt fünf verschiedene Typen, aber die anderen beiden hab ich vergessen…
Der Abend ging weiter und meine Augen sagen mir sehr deutlich: es war wohl etwas zu lang. Aber gelernt habe ich wieder viel. Über Beziehungen. Über Klischees. Über Freundschaft.
Achtung: Namen entsprechen nicht der Realität (obwohl Balus Name auch in echt ein bisschen comicmäßig klingt), Situationen schon.
Und: nach Ostern: mehr aus der Kneipe. Ich bin noch auf der Suche nach einem geeineten Soundtrack.