Empfehlung der Woche

Frieden – Wie geht das?

Frieden – Wie geht das?

Klaus von Dohnanyi, Erich Vad

Hardcover, gebunden

160 Seiten

22 €

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Meine Frau weint

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Angela Schanelec

Drama

Deutschland, Frankreich 2026

93 Minuten
ab dem 11. Juni im Kino!

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Kultur : Feminismus. Aus die Maus (1.1)

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Eine Zugfahrt kann dauern. Ich will ja nach Hause. Die Familie und Ostern liegen seit Kilometern hinter mir und ich steige in Hannover um. Da bin ich dann über ein ziemlich großes Fass gestolpert. Das habe ich mal mitgebracht und würde es gerne hier öffnen. Was ist drin?

Der Feminismus.

Oh ja, sie hat das F-Wort gesagt. Wie sich sicher jedeR von Euch denken kann, ist dieses Fass ganz schön voll. Das liegt zum einen daran, dass die Geschichte des Feminismus schon ziemlich lang ist und zum anderen daran, dass die Leute immer alles durcheinander werfen. Was da alles drin ist. Das glaubt mir kein Mensch.

Rosen zum Beispiel. Schenk niemals einer Feministin Blumen. Hä? Wieso das denn? Also, ich nenne mich ganz gerne Feministin und ich mag Geschenke. Naja, Rosen nicht so, aber das liegt daran, dass ich nicht viel für Schnittblumen übrig habe, nicht an der Rose selbst. Mal abgesehen davon, dass für die Rosenproduktion ein paar Menschen ganz schön schuften müssen und ein paar anderen Menschen ganz gerne mal das Wasser abgedreht wird, nur damit wieder andere Mneschen zum Beispiel den Valentinstag feiern können. Das ist jetzt aber ein anderes Fass. Also: Rosen erstmal aussortieren.

Ah. Da ist was Historisches. In Deutschland zu Beispiel gab es verschiedene feministische Strömungen. Die eine, die bürgerliche, würde ich jetzt nicht unbedingt unter Feminismus, wie ich ihn verstehe, verorten. Frauenbewegung ist an dieser Stelle ein passendes Stichwort, wie ich finde. Da ging es eher um die ökonomische Notwendigkeit von Veränderungen. Nicht falsch verstehen. Das waren existentielle Forderungen, aber die Motivation, war nicht immer partizipatorisch, geschweige denn emanzipatorisch.

Die Proletarische. Ja, das geht schon eher in die Richtung, die ich meine, wenn ich von Feminismus spreche. Frauen, die mitmachen wollten. Nicht weil es ökonomisch sinnvoll ist, sondern weil sie es wollen. Weil sie erkannt haben, dass es ihr Recht ist.

Es gab Überschneidungen in den Forderungen. Die Frau wollte Staatsbürgerin werden. Das war Sie bis 1918 nicht. Die Frau wollte studieren. Das durfte sie in vollem Umfang erst ab 1908. Die Frau wollte aber auch habilitieren. Sie wollte die gleichen Karrierechancen haben, wie der Mann. Das durfte sie dann im Zuge der zugestandenen Staatsbürgerinnenschaft mehr oder weniger. An diesen Rudimentärforderungen hängt im Übrigen ein Rattenschwanz an Lebensumständen, an unerträglichen Bevormundungen durch Vater, Ehemann und nicht zuletzt den Staat, auf die ich jetzt aber nicht eingehen werde. Außerdem war das Ganze ja mit der Weimarer Republik noch nicht am Ende. Zwischendurch haben sich die Deutschen den Hitler geholt und dann, nachdem alle frei und demokratisch geworden sind, war das mit der Gleichberechtigung im Grundgesetz und der praktischen Übertragung in geltendes Recht auch nicht so einfach.

Heute ist aber heute. Sagen die einen. Heute gäb‘s aber nicht, ohne Gestern. Sagen die anderen.

Zwischen heute und gestern ist aber noch etwas passiert. Die Zweite Frauenbewegung in Deutschland, wird das genannt. Da kommen dann aber auch die Letzten aus ihren Löchern und schreien: Alice!!!Who the fuck is Alice?! Ich weiß wer das ist. Emma kenn ich auch. Aber dafür eine kleine, subjektiv ausgewählte, Liste, die nicht den Anspruch der Vollständigkeit erhebt.

Clara Zetkin(1857-1933): „Ich will dort kämpfen, wo das Leben ist“ hat sie gesagt. Sie meinte damit aber nicht die Küche, auch wenn sie Frauenrechtlerin war (einen Kalauer darf ich, oder?). Sie war nämlich auch Sozialistin. Vertreterin des proletarischen Flügels der Frauenbewegung. Auch hat sie erkannt, was der zweiten Frauenbewegung oft zu Recht vorgeworfen wird: es bringt nichts, nur die eigene Klientel zu bedienen.

Hedwig Dohm(1831-1919): Wusste, dass die Menschen, zu dem was sie sind, durch Sozialisation gemacht werden. Forderte ökonomische Unabhängigkeit, damit Frauen nicht gezwungen werden, eine Ehe einzugehen, sondern sich -sofern sie das wollen- frei dafür entscheiden können.

Simone de Beauvoir(1908-1986): War sich darüber im Klaren, dass es privilegierte Positionen gibt, aus denen der Mensch ins Leben startet. Die Frau wird über den Mann, als Gegenpart, definiert. Das fand sie kritikwürdig. Genau wie die Benachteiligung eines Menschen aufgrund des Geschlechts. Er ist das Subjekt, sie das objektivierte Andere.

Alice Schwarzer(*1942): In den 70er Jahren sicher revolutionär in Ihren Forderungen, kommt sie mir persönlich heute viel zu konservativ vor. Nicht emanzipatorisch genug. Dennoch: nicht wegzudenken und des Respekts würdig. Denn ohne Alice? Sie wollte die Sexualität befreien, genau wie den Körper der Frau. Auch sie war erpicht darauf, dass Frauen ökonomisch unabhängig werden. Und: Alice redet sogar mit Bushido.

Judith Butler(*1956): Betrachtet nicht mehr „die Frauen“, sondern geht intersektional an die Thematik heran. Weißer Mittelstandsfeminismus ist u.a. das, was sie der zweiten Frauenbewegung ankreidet. Und auch das Differenzdenken sieht sie als Problem. Denn mit der Hervorhebung der vermeintlichen Unterschiede zwischen den Geschlechtern, werden diese noch verfestigt. Auch ganz wichtig: es gibt nicht nur Mann und Frau, die sind nämlich konstruiert.

Ich schaue mir also diese Reihe, der vielen unterschiedlichen Richtungen voller Ehrfurcht an. Dann drehe ich mich um, weil ich gerade arbeite. Es ist Silvester. Wir arbeiten ausnahmsweise zu zweit. Bisschen schick machen, das niedliche Sternchenkleid an -ja, es ist etwas kurz, aber vielleicht auch deshalb-: wirklich hübsch. Ich drehe mich natürlich nicht der Arbeit wegen um, sondern wegen der Hand auf meinem Hintern. Ich war gerade auf der anderen Seite des Tresens, um Gläser einzusammeln, als sie zugriff. Sie, die Hand, gehörte zu einem Er. Tja, da konnten mir aber jetzt weder Alice noch Judith raushelfen. Faust geballt, umgedreht, und drauf. *Boing*. Der Typ war mindestens 30 cm. größer als ich und ungefähr dreimal so viel. Ich traf seinen Oberarm und er blickte auf mich herab, als hätte ich ihn kitzeln wollen. Die Situation war Silvester-mäßig. Ich konnte nichts anderes machen, als meiner Kollegin mitzuteilen, dass der Typ nichts mehr bekommt. Seine Freunde haben das nicht verstanden. Nach der Erklärung guckten alle betroffen. Einer fragte: sag mal, wie hat er denn zu gegriffen? Eher fest und war das so ne Art streicheln? Wären meine Körperteile nicht so eng miteinander verbunden: mir wären mindestens die Augen rausgefallen. Glücklicherweise bekam der Mann von seiner weiblichen Begleitung mit scharfer Stimme und einem Schlag auf den Hinterkopf, den Hinweis, dass das keine Rolle spielt.

Soviel erstmal zu Theorie und Praxis. Da kann noch so viel passiert sein, in den letzten 100 Jahren, solange ich kein Kleid anziehen kann, ohne dass mir ein Idiot an den Arsch tatscht, und solange es Frauen gibt, die denken sie seien selber schuld, sind Feminismus und der Ruf nach Gleichberechtigung noch lange nicht obsolet.

Teil 2

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