luzieh.fair

Blog von luzieh.fair

31.01.2012 | 20:29

Podiumsdiskussion: Feminismus im Netz

Hier die Ankündigung:

„Neuere deutsche Studien belegen, dass im deutschen Sprachraum statistisch betrachtet mehr Frauen als Männer bloggen und die Inhalte der Blogs weisen von „Gender“ beeinflusste Unterschiede auf. Was bedeutet dies für feministische Blogs? Im Rahmen einer Podiumsdiskussion sprechen fünf Blogger*innen über die Möglichkeiten, die die Kultur des Bloggens dem Feminismus des 21. Jahrhunderts eröffnet. Neben der Vernetzung untereinander und der Auswirkung des Mediums "Blog" auf die Diskussion aktueller feministischer und queerfeministischer Themen, sollen auch Reaktionen positiver wie negativer Art und deren Sender*innen Inhalt sein.“

Nadine Lantzsch ist zu Gast. Die Feministin -Feministinnen sind alle Podiumsgäste- und Autorin ist Betreiberin des Blogs Medienelite. Nadia Shehadeh ist neben ihrer Arbeit im Weiterbildungssektor Mitbetreiberin des Blogs Philibuster. Die Biologin Helga Hansen arbeitet als freie Journalistin und betreibt das Blog Drop the thought. Birthe Goldt gründete das mädchenblog  Ninia Binias ist Bloggerin und hat mit Ninia laGrande ihr eigenes Blog. Außerdem ist sie – wie es scheint – eine großartige Performerin und macht regelmäßig bei Poetry Slams mit. Das Ganze wird moderiert von Jutta Wegener, über die ich auf die Schnelle keine Info finden konnte.

Ich bin sehr gespannt, was mich heute Abend erwartet und wage den Versuch meine Eindrücke quasi 1:1 online zu stellen. Nicht live und nicht in Farbe, aber zeitnah in schwarz-weiß.

Nun bin ich da. Zu spät. Das sieht mir zwar nicht ähnlich, aber kommt auch mal vor: Hund, Mitbewohnerin, rote Ampeln und prinzipill die Kasse, die am längsten voran geht.

Drei der fünf Diskutantinnen sind von der Mädchenmannschaft. Dann die indivualistin Ninia Binias und einmal das Mädchenblog.

Es ist nicht allzu voll, aber es ginge auch leerer.

Die Resonanz auf die Bloggerinnen ist unterschiedlich. Natürlich auch nicht immer positiv. Das kennen diejenigen von Euch, die hier zu feministischen Themen bloggen auch.

Bei Facebook, erzählt Helga Hansen, habe sich einmal ein Mann gemeldet, der unter seinem Klarnamen einst fiese Kommentare verfasste, ob die jetzt mal gelöscht werden können. Zwar habe er seine Meinung nicht geändert, aber es sei ihm schon peinlich, dass er das vor ein paar Jahren unter seinem echten Namen veröffentlicht hat.

55Mio Blogs relativ mehr Frauen bloggen, währen die so genannten A-Blogs von Männern betrieben werden.

Feminismus als Schmuddelthema.

Leute geben Rückmeldung, dass sie Thema und Texte gut finden, aber sich nicht als feministisch bezeichnen, oder gar Emanze nennen würden.

Witzig.

Die Medien wenden sich oft an dieselben Expertinnen – es fehlen definitiv jüngere Frauen, die aktiv sind. Die Perspektiven und der Bezugsrahmen sind einfach anders.

Es ist ja nicht so, dass es die nicht gibt. Vor mir sitzen fünf. Um mich herum mutmaßlich auch einige.

Eine wichtige Frage wäre tatsächlich: streben BloggerInnen überhaupt einen Bekanntheitsgrad über die Bloggerszene hinaus an? Wer würde denn in Talkshows gehen, sich zeigen?

Fragen aus dem Publikum: Wie geht ihr mit Trolls um? Nadine hat die Kommentarfunktion in ihrem eigenen Blog abgeschaltet, weil die Qualität der „Diskussionnen“ den Aufwand nicht mehr rechtfertigten. Außerdem gibt es regelmäßig Drohmails, bis hin zu Morddrohungen. „Meistens um Weihnachten und Ostern“ also: wenn die Leute einsam sind, bedrohen sie Menschen, deren Meinung ihnen nicht passt. Dass werde ich mal genauer beobachten.

Diese Trolls haben ein enormes Geltungsbedürfnis und es wirkt manchmal so, als hielten sie sich für den Nabel der Welt.

Helga: Drei Kommentarregel: 1. leicht trollig, 2. etwas nerviger 3. Off topic – wenn man auf Nummer drei eingeht, kommt im besten Fall ein „ihr seid eh alle untervögelt“

Als feministische Bloggerin braucht man schon ein dickes Fell: Ninia fand das am Anfang schwer. Gut zum Beispiel zu Hause Ventile zu haben. Mann muss lernen Kommentar auch mal kommentarlos zu löschen.

Es gibt einen „Haterblog“ nach amerikanischem Vorbild das ist eine schöne Sache. Die tollsten Mistkommentare werden da anonym und ohne Hinweis auf die Quelle online gestellt und die Werbeeinnahmen fließen in emanzipatorische, herrschaftskritische Projekte.

Feministisches Selbstverständnis:

Vermutlich gibt es bei den fünf Diskutantinnen sieben verschiedene feministische Selbstverständnisse.

Bei Helga ist die feministische Wahrnehmung an ihrer Lebensrealität gewachsen.Die Mädchenmannschaft hat aber kein einheitliches feministisches Selbstverständnis. Weil es so viele AutorInnen gibt.

Nadia findet „Mc-Donalds-Diskussionen“ frustrierend und wünscht sich mehr Theorie.

Nadine erzählt, dass sie sich untereinander auch oft streiten, was die Themensetzung betrifft.

Ist ja auch klar, die Frauen, die hier vor mir sitzen, haben alles einen unterschiedlichen Background. Ich kenne sie nicht, aber wer kennt das nicht: wir sind grundsätzlich einer Meinung, aber eben nicht immer auf einer Ebene. So kann man vielleicht die Auslagerung bestimmter Themen auf das eigene Blog als gelebte Intersektionalität bezeichnen.

Jetzt geht’s zum Haupt- und Nebenwiderspruch. Gibt’s die Diskussion heute auch noch, fragt die Moderatorin. Nadia antwortet, aber beantwortet die Frage nicht. Macht aber nichts.

Ich werde jetzt die letzten paar Minuten konzentriert genießen, es ist nämlich wirklich witzig hier, auch wenn nicht gerade laut und ausgelassen gelacht wird.

Achja. Alice Schwarzer ist übrigens out...

Sich in einer bestimmten Strömung zu sehen ist nicht zwingend, um über Ungerechtigkeiten, oder Themen, die einen bewegen, zu schreiben.

Und: wer sagt er, oder sie sei Feministin steht unter Generalverdacht :-) Das Label "Feminismus" wird immer negativer besetzt.

 
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Kommentare
goedzak schrieb am 31.01.2012 um 20:46
Waren/sind auch Männer da?
luzieh.fair schrieb am 31.01.2012 um 22:21
Auf dem Podium nicht, im Publikum ja.
Magda schrieb am 31.01.2012 um 20:50
Wo war das denn? Klingt interessant und ist halt so diffus, wie die Debatten im Moment sind.

Wenn Feminismus "negativ" besetzt ist, dann ist es bald auch der Rheumatismus.

Was bei Nadine Lantzsch abgegangen ist, habe ich - vor einiger Zeit - mal verfolgt. Hilfe, Hilfe.
luzieh.fair schrieb am 31.01.2012 um 22:25
Hier war das: asta.uni-goettingen.de/844

Ja, ich habe schon des Öfteren gedacht in ihrer (Also Nadine Lantzsch) Haut will ich nicht stecken. Sie meinte auch, es ist halt was anderes, wenn man (also Frau und Feministin) mit Klarnamen durchs Netz streunt.
RatCreutz schrieb am 01.02.2012 um 10:51
Frau Lantzsch?

Die hier?

"Begründet wird das dann gern mit dem Rechtsstaatlichkeitsprinzip, der Aufklärung und all dem Rotz, der von weißen europäischen Männern in mächtigen Positionen erfunden wurde, um ihren Besitzstand zu wahren und universale Menschenrechte für ihren eigenen Vorteil zu instrumentalisieren."

Da kann man wirklich nur "Hilfe!" rufen.
luzieh.fair schrieb am 01.02.2012 um 17:45
@RatCreutz:

ja, ich stimme Dir zu: bei weißen, europäischen Männern, die ihren Besitzstand und ihre Positionen wahren wollen, indem sie Menschenrechte instrumentalisieren, "kann man wirklich nur "Hilfe!" rufen"...

Oder meintest Du etwas anderes?

Ich nehme an, Frau Lantzsch und Du, ihr seid Euch mindestens virtuell schon begegnet?
goedzak schrieb am 31.01.2012 um 20:50
"Diese Trolls haben ein enormes Geltungsbedürfnis und es wirkt manchmal so, als hielten sie sich für den Nabel der Welt." - Vor allen Dingen WERDEN sie für den Nabel der Welt GEHALTEN, will sagen, sie werden deutlicher wahrgenommen, gehen mehr 'an die Nieren' als der mehr oder weniger 'nette' Normalblogger/-kommentator. Das ist, wenn sie jemand fies angreifen, ja auch verständlich. Wünschenswert wäre aber, sie bekämen kein feedback.
luzieh.fair schrieb am 31.01.2012 um 22:28
Ja, das mit dem feedback stimmt, aber: ich für meinen Teil müsste mir dann permanent auf die Finger kloppen :-)
Alien59 schrieb am 01.02.2012 um 08:28
Interessant, danke. Anne Roth stellte auch schon öfter fest, dass bloggende Frauen irgendwie weniger wahrgenommen werden. Feministische blogs sind allerdings wohl noch eine andere Kathegorie als allgemeine politische oder Sachblogs. Die Trollfrequenz scheint aber bei den feministischen höher.

Bei meinen worpress-blogs schalte ich Kommentare frei - fast alle, aber wer eben schon mit pöbeln sich anmeldet, kriegt kein Forum. Das scheint vom Weitermachen meist recht gut abzuhalten - allerdings habe ich auch nicht so hohe Zugriffszahlen.
Bei der Diskussion hätte ich trotzdem gerne zugehört. Vor allem N. Lantzsch.
luzieh.fair schrieb am 01.02.2012 um 17:50
"dass bloggende Frauen irgendwie weniger wahrgenommen werden"

ja, die Moderatorin meinte lächelnd: wie in der Realität.

Ja, obwohl ich mir ein etwas aufgeweckteres Publikum gewünscht hätte, waren die Diskutantinnen echt Klasse. Alle.
Nadine Lantzsch hat mich überrascht, weil ich sie -nach allem was ich von ihr und über sie gelesen habe - irgendwie mehr so "hau-drauf-mäßig" eingeschätzt habe :-)... aber sie scheint eine offensive und klare, aber reflektierte und nachdenkliche Person zu sein.
Meyko schrieb am 01.02.2012 um 11:43
Manches bekommt Mann ja nicht so mit. Für mich war z.B. überaschend: "Neuere deutsche Studien belegen, dass im deutschen Sprachraum statistisch betrachtet mehr Frauen als Männer bloggen..."

Wieder was gelernt. Werd ich mal mehr hinsehn. Danke.
luzieh.fair schrieb am 01.02.2012 um 22:04
Ja, ausgelernt gibts ja bekanntlich nicht. Unten gibts dazu ganz interessante Verlinkungen...
ideefix schrieb am 01.02.2012 um 15:56
Hallo luzieh.fair,

hast du Quellenangaben zu den "neueren deutschen Studien"?

Oder gar links?

Danke

I.
luzieh.fair schrieb am 01.02.2012 um 17:54
Hm, also, die haben die Studie genannt. Allerdings ist mir der Name entfallen. Es gibt wohl nicht allzu viel dazu, aber ich schreibe gleich eine Mail und frage nach, ob ich die Quellenangabe (oder am besten Verlinkung) bekomme.

Wobei: "neuere" Studien wohl bedeutet, dass das Ding fümf/sechs Jahre als ist, wenn ich das gestern richtig mitgeschnitten habe.

Wenn ich eine Antwort bekomme (wovon ich ausgehe), setze ich es hier rein und schicke Dir auch eine pm, oder so...
luzieh.fair schrieb am 01.02.2012 um 18:12
Ach, es lebe Wikipedia.

de.wikipedia.org/wiki/Blog#Zusammenhang_zwischen_Geschlecht_und_Stil_des_Weblogs

In dem Absatz ist die Studie (Haders, Hesse Uni Bochum) um die es ging, genannt.

Hier ein Link (nicht zur Studie, aber zu einem Text, der sie (u.a) mit einbezieht): www.ruhr-uni-bochum.de/genderstudies/kulturundgeschlecht/pdf/Hesse_Beitrag.pdf

Außerdem Literaturhinweise:

Harders, Cilja; Hesse, Franka (2006): Partizipation und Geschlecht in der deutschen
Blogosphäre". In: femina-politica 2/2006 "Geschlecht in der politischen Kommunikation"

Harders, Cilja (2004): Das Netz als Medium der Politik: Virtuelle
Geschlechterverhältnisse zwischen neuen Öffentlichkeiten und alten Spaltungen, in:
Kahlert, Heike; Kajatin, Claudia (Hg.): Arbeit und Vernetzung im Informationszeitalter.
Wie neue Technologien die Geschlechterverhältnisse verändern. Frankfurt, New York,
S. 215-238.
Sarah Rudolph schrieb am 01.02.2012 um 19:01
Ganz zufällig habe ich mich in den letzten Monaten recht intensiv unter anderem mit diesem Thema beschäftigt.
Jetzt durchwühle ich hier meine Texte, nur um festzustellen, dass der von Luzie verlinkte Hesse-Text eigentlich der schönste für einen Überblick ist.

Dann hätte ich noch diesen im Angebot:

Hesse, Franka (2008): Die Geschlechterdimension vo n Weblogs: Inhaltsanalytische Streifzüge durch
die Blogosphäre. In: kommunikation@gesellschaft, Jg. 9, Beitrag 1. Online-Publikation:
www.soz.uni-frankfurt.de/K.G/B1_2008_Hesse.pdf

Theoretisch auch noch irgendwo mehr, aber "verteilt auf mindestens 80 Disketten."

Wenn ich noch etwas finde, schicke ich gerne noch einen Link oder andere Literaturangaben.

Viele Grüße
Sarah Rudolph
luzieh.fair schrieb am 01.02.2012 um 22:01
steht da "Disketten"? So Floppys aus den 90ern? :-) Retro, aber auch schick irgendwie ;-)
Sarah Rudolph schrieb am 02.02.2012 um 14:34
Jaaa, da steht Disketten. Sollte aber eine Referenz an einen gewissen Herrn Guttenberg sein, der damit begründete, den Überblick über seine Quellen verloren zu haben.
Bei mir sind es aber dann doch eher unterschiedliche Ordner und Linklisten und geteilte Docs und... du verstehst. Trotzdem: kein Überblick.

; )
@dllxllb schrieb am 02.02.2012 um 02:16
Danke für den Bericht.

"Was bedeutet [geschlechtsspezifische Aufteilung] für feministische Blogs", finde ich irgendwie sinnfrei.

Letztlich spiegeln sich die Rollenverständnisse online. Wenn man etwas für den Feminismus tun will, sollte man sich einfach an Diskussionen beteiligen die einen interessieren. Ganz toll wenn das dann nicht die typischen Frauenthemen sind.

Feminismus als Thema eines Blogs finde ich für den Feminismus nicht sehr förderlich. Ist wieder so ein Thema bei dem Frauen unter sich sein können und sich mit sich selbst beschäftigen.

Ausserdem geht es mir auf den Zeiger wenn einzelne Personen sich als Vertreter eines Teils der Gesellschaft verkaufen. Gewählt wurden die ja wohl nicht.
@dllxllb schrieb am 02.02.2012 um 03:22
PS: Wieso heißen eigentlich feministische Blogs Mädchenblog und Mädchenmannschaft? Diese Verniedlichungsform finde ich irgendwie infantil. Und so gar nicht feministisch.
luzieh.fair schrieb am 02.02.2012 um 09:15
"Feminismus als Thema eines Blogs finde ich für den Feminismus nicht sehr förderlich. Ist wieder so ein Thema bei dem Frauen unter sich sein können und sich mit sich selbst beschäftigen."

Das sehe ich zwar anders, aber wenn ich Dich richtig verstehe, sollte es (allen) um mehr gehen, als nur um das eine (was auch immer "das eine" sein mag)? Ich glaube, das ist der Grund, warum die Bloggerinnen, die auf dem Podium waren auch individuelle Projekte haben. Wenn Du Links im Bericht folgst, dann findest Du mehr als Feminismus.

Die Frage zu den Namen kam auch aus dem Publikum. Bei der "MädchenMANNschaft" - oder MÄDCHENmannSCHAFT" ist das Wortspiel so offensichtlich, dass es gerne übersehen wird :-)...der "Mädchenblog" spielt nach eigenen Angaben mit gängigen Klischees.

Und eins war dann auch deutlich: Wieso ist der Begriff Mädchen denn so zum Nase rümpfen. Man muss mit "Mädchen" nicht zwei Zöpfe und und ein rosa Kleidchen verbinden. Die Zeit als Mädchen st auch eine schöne, freie, im besten Fall ungezwungene Zeit, in der sich ausgelebt und -probiert wird. Im allerbesten Fall eine Zeit an die gerne zurückgedacht wird - vielleicht mit Sehnsucht?
Zugegeben, das klingt nach Romantisierung, aber erstmal einleuchtend und garnicht mal so unfeministisch :-)
@dllxllb schrieb am 03.02.2012 um 03:46
Ja, ich denke man muss weniger darüber reden und einfach machen. Also ich habe schon den Eindruck dass sich bei den Blogs immer alles um den Feminismus dreht. Bei Philibuster jetzt nicht, aber das würde ich auch nicht als Feminismus-Themen-Blog bezeichnen. Ich sehe einfach keinen Sinn darin eine Nabelschau mit Theoriestudien zu betreiben. Es macht meiner Ansicht nach mehr Sinn feministische Prinzipien in allen Bereichen durchzusetzen. Da hat man genug zu tun fürchte ich ;)

Was das Wortspiel angeht... das habe ich nicht übersehen. Ändert nichts daran dass da immer noch Mädchen steht. Ich hatte es an anderer Stelle hier beim Freitag mal erwähnt... Ich halte es nicht für sinnvoll Dinge zu verfestigen indem man immer wieder darauf hinweist. Das ist kein Reframing. Und passt irgendwie in die gleiche Schublade (an wieder anderer Stelle erwähnt ;) wie Feministinnen die sich in Hotpants und High Heels ablichten lassen und zum Besten geben dass sie gerne stricken. Es gibt einfach Dinge die sind zu stark und weitreichend besetzt und in Gebrauch als dass man sie einfach so mal eben in ihrer Bedeutung ändern könnte nur weil jetzt Feminismus draufsteht.

Ich finde den Begriff Mädchen für Frauen die sich als Feministinnen verstehen einfach lächerlich. Das führt alles ad absurdum. Dazu muss man sich nur mal die Definition im Duden anschauen.

Abgesehen davon verbinde ich mit Mädchen blöderweise zwei Zöpfe und ein rosa Kleid. Und Barbies. Und draußen spielen wenn die Sonne scheint. Und heulen. Und Ballettunterricht. Und Musikschule. Und ermahnende Worte was man denn nicht tut. Und wann man denn zuhause sein muss. Fremdbestimmung. Und so weiter... Entsexualisiert natürlich auch. Eventuell hat es noch so einen Lolita-Touch... Und diese verklärte Romantik die Frauen zugeschrieben wird. Wenn ich dann noch den Sehnsuchtsbegriff lese is alles aus. Wo is denn der Arztroman? Mädchen geht für mich in dem Zusammenhang gar nicht.
Let's agree to disagree. Ausser ich hab dich überzeugt ;)
luzieh.fair schrieb am 03.02.2012 um 12:34
Nee, überzeugt bin (natürlich) nicht, aber Deine Argumentation ist soweit erstmal nachvollziehbar.

Wobei sich
"Entsexualisiert" und "Lolita-Touch"
deutlich widersprechen...

Zu den ausgelagerten/individuellen Blogs: klar ist ja vermutlich, dass eine Feministin aus einer feministischen Perspektive schreibt/wahrnimmt. Dann ist es ja auch logisch, dass bei herrschaftskritischen Themen, die feministische Perspektive eine Rolle spielt, ohne dass es dezidiert darum geht. Oder dass bei der Betrachtung von sozialen Problemen vielleicht die Position der prekär-beschäftigten Frau etwas mehr beleuchtet wird. Oder, oder oder...

Aber: es geht in den Blogs ja auch um Musik, oder Poesie - also um Kunst. Bei Ninia spielt da zum Beispiel die feministische Perspektive oft höchstens eine implizite Rolle. Genau wie bei Helgas und Nadines Soloprojekten auch.
Bei letzteren ist es eine eher linksradikale Sicht auf die Dinge, was sich ja ganz gut mit feministischen Ansätzen verbinden lässt. Da gehts dann auch um Rassismus, oder Hartz IV...
@dllxllb schrieb am 03.02.2012 um 23:48
'Wobei sich
"Entsexualisiert" und "Lolita-Touch"
deutlich widersprechen...'

Das mag so aussehen, widerspricht sich aber nicht. Es spiegelt das Verhältnis zum Weiblichen. Beide Dinge haben gemein, dass die Frau in ihrer Weiblichkeit und Sexualität als nicht ausgereift gesehen wird, oder diese gar nicht erst besitzen soll. Das findet sich häufig. Frau Merkel würde ich zum Beispiel ebenfalls als entsexualisiert bezeichnen, quasi als Neutrum. Das untergewichtige Frauenbild in der Mode- und Werbeindustrie ist kein Bild der Frau, sondern das der Lolita. Beides eine Anpassung an männlich geprägte Bilder der Frau (im Sinne von Machtverhältnissen) - als Unterordnung des Weiblichen. Dann gäbe es da auch noch die sexualisierte Lolita (oder auch als Tussi bezeichnet ;) mit überproportionalen Silikonbrüsten... Ich würde das jetzt noch weiter ausführen, aber erstens hab ich jetzt schon Kopfschmerzen, und zweitens erinnert das an Nabelschau :)
Philibuster schrieb am 02.02.2012 um 11:04
Howdy,
muss sagen, freue mich sehr über die Zusammenfassung & Diskussion hier (und über die damit verbundene Möglichkeit Dinge, die wir im Rahmen des Podiums nur kurz diskutieren konnten, nochmal aufzugreifen).

@luzieh.fair, zur Haupt- und Nebenwiderspruchsfrage: Ja, da muss ich persönlich sagen, schwer, und mit Sicherheit im Rahmen des Podiums auch nur diffus angerissen. Ökonomisch-gesellschaftliche Erklärungsmuster sind auf jeden Fall immer diskussionswürdig, ebenso wie Ausbeutungsmechanismen, und ich finde, die sollte man immer im Auge haben. Reproduktion ist natürlich eins der Dauerbrennerthemen, aber für mich ist die Frage, ob Frauenunterdrückung die Grundlage des Kapitalsmus ist, ein bisschen wie das Huhn-Ei-Wer-zuerst-Dilemma.

Ich glaube, was mich primär interessiert sind die Elemente, die an der Reproduktion von Strukturen beteiligt sind, und das sind ja auch Frauen - deswegen würde ich eigentlich fast schon sagen dass der Dualsimus Haupt-/Nebenwiderspruch für mich hinfällig ist.

Soviel erstmal dazu und mfg, Nadia
Philibuster schrieb am 02.02.2012 um 11:16
Und Edit: "Gelebte Intersektionalität", das finde ich übrigens spannend. Die Frage der Auslagerung stellt sich tatsächlich oft, auch natürlich im Zusammenhang mit: Wieso eigentlich?
luzieh.fair schrieb am 02.02.2012 um 12:08
Kurz bevor ich gesehen habe, dass "Philibuster" einen Kommentar geschrieben hat, habe ich noch darüber nachgedacht, dass es, wie Du ja auch sagst, im Rahmen der knapp 90 minütigen Diskussion garnicht möglich gewesen wäre, zu (er)klären, was es mit dem Haupt- und Nebenwiderspruch auf sich hat und ob in welcher Form es die Dikussion noch immer immer gibt. Ich für meinen Teil, bin mit dem Begriffspaar das erste mal vor ein paar Jahren in Berührung gekommen, als eine linke Stadtgruppe einen Referenten eingeladen hat, der der Meinung war, dass geschlechtsbezogene Diskriminierung (z.B) sich von selbst erledigt hätte, wenn der Hauptwiderspruch aufgelöst wäre.
Sprich: Wenn der Kapitalismus, als Hauptwiderspruch, erstmal verschwunden ist, wird auch alles andere, also die Nebenwidersprüche, gut.

Fand ich sehr kurz gedacht und hatte auch keine Lust mehr, mir die Veranstaltung anzutun. Heute, so mit einigermaßen gefestigter theoretischer Grundlage, würde ich vermutlich hingehen.

Zu der Auslagerung und dem "Wieso eigentlich" muss ich sagen: ich fand das ganz schlüssig, nachdem Nadine von den teils sehr unterschiedlichen Grundideen bei den Mädchenmannschaftautorinnen erzählt hat und das das auch regelmäßig zu Konflikten führt. Da ist es doch sinnvoll und logsich das, wofür es keinen Konsens gibt, woanders zu veröffentlichen, um nicht das gesamte Projekt zu gefährden. So habe ich das verstanden.

Beste Grüße, Luzieh.fair
ideefix schrieb am 02.02.2012 um 11:32
@luzieh.fair & Sarah Rudolph,

vorweg: Danke für die Lit.-Tips und Links.

Tatsächlich scheinen mir die Bezeichnungen mädchenblog/mannschaft etc. nach Lesung des zusammenfassenden Beitrags von F.Hesse durchaus berechtigt:
"Es zeigten sich deutliche Unterschiede hinsichtlich der soziodemographischen
Struktur: Während 66,1% der Weblog-Autor/-innen der Stichprobe weiblichen
Geschlechts sind, liegt der Frauen-Anteil bei den von Einzelpersonen geführten ABlogs
im selben Zeitraum bei nur 29,8%. Auch hinsichtlich der Altersstruktur zeigen
sich deutliche Unterschiede: Während Teenager 46,1% des Samples ausmachen, sind
es bei den von Einzelpersonen geführten Weblogs der Top 100 nur 1,8%.
Diese Ergebnisse bestätigen Einschätzungen der Medien bezüglich des
„Grundrauschens“: Es ist von weiblichen Teenagern geprägt"
...
Inhaltsbezogen ist das Fazit der Autorin ziemlich ernüchternd, meine ich:
"Die Ausdrucksformen innerhalb der Blogosphäre erscheinen hochgradig gegendert, so zeigen sich in Deutschland deutliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen hinsichtlich der Weblog-Inhalte. [...] Anscheinend handelt es sich bei vielen Autor/-innen der häufig verlinkten Blogs um politisch interessierte Personen, die ihre Weblogs auch zur Reflektion politischer
Ereignisse nutzen. Diese Gruppe unterscheidet sich hinsichtlich ihrer demografischen
Merkmale und der Inhalte ihrer Weblogs deutlich von der Mehrzahl der Blog-Autor/-
innen. Diese zählen zu einer Gruppe, die sowohl aufgrund des Alters als auch des
Geschlechts als weniger politisch interessiert gilt und über geringere Teilhabechancen
verfügt [...]. Auch in Deutschland privilegiert die mediale und akademische Wahrnehmung dieser neuen Formen netzbasierter Öffentlichkeit die
virtuellen Ausdrucksformen von männlichen Erwachsenen und perpetuiert Zuschreibungen entlang der Grenze privat und öffentlich"

Angesichts dessen macht eine Podiumsdiskussion zur inhaltlichen Stärkung und politischen Vernetzung von Frauen natürlich nicht nur Sinn, sondern erscheint dringend geboten - um o.g. Zuschreibungen privat=weiblich öffentlich=männlich
durch veränderte Praxis die Spitze zu nehmen bzw. diese mittelfristig zu brechen.

Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen - auch und gerade im Netz der nur scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten.

Grüße
I.
luzieh.fair
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