Lydia Esche

Die spiegelverkehrte Anke Huber

26.05.2010 | 19:19

Erfinde doch einfach mal was

Seit Mitte April gibt es wieder einen fiktionalen Abend auf Sat 1.Zwei Serien aus eigener Produktion setzen eine Tradition fort, welche Ihren letzten Höhepunkt mit der überaus erfolgreichen Serie Edel&Starck hatte.Unverkennbar aus demselben Hause stammt dabei, die montags um 21.15Uhr laufende Serie Danni Lowinski. Annette Frier spielt eine ehemalige Friseuse, die sich über den zweiten Bildungsweg durchs Jurastudium gekämpft hat. Als sie wegen Ihres etwas zu billigen Auftretens und Aussehens keine Anstellung in einer Kanzlei findet, stellt sie einen Tisch in der Einkaufspassage auf in der Ihre beste Freundin arbeitet und beginnt eine juristische Beratung für einen Euro pro Minute.Das Serienpersonal besteht dementsprechend unter anderem aus dem Angestellten des Schlüsseldienstes, des Massagesalons und dem gutaussehenden Anwalt aus der Kanzlei im obersten Stock, der auf dem Weg zur Tiefgarage an ihrem Büro vorbeikommt.Zu Hause wartet der im Rollstuhl sitzende Vater in der gemeinsamen Plattenbauwohnung.Verhandelt wird quer durch die allgemeinen Befindlichkeiten.Von Integrationsproblematik, illegaler Beschäftigung bis zur Finanzkrise reicht das Themenspektrum.Das alles in einer populären Form, auch durchaus grell und konstruiert.Aber gerade hier liegt der Charme der Sendung.Es ist der Wille zur Gestaltung erkennbar.Es handelt sich um ein Stück Popkultur.Nachdem Fiktionales im deutschen Fernsehen in der Regel eine realistische Erdung benötigt und nur in den zahlreichen Kriminalserien auch einmal leichte Bekenntnisse zum Pop erkennbar sind, haben Serien wie diese durchaus etwas Befreiendes.In einer Wüste aus Alltagsbeschreibungen und Semidokumentarischem sieht man bei auf Witz und Übertreibung hin Geschriebenem durchaus über die ein oder andere Schwäche hinweg.Es muss wieder mehr gestaltet werden im deutschen Fernsehen, sonst verliert es jegliche noch vorhandene Relevanz.Nach dem alten Spruch des amerikanischen Komikers Jerry Seinfeld: "Wenn ich die Wirklichkeit sehen will, dann starr ich meine Schrankwand an."

 
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Lydia Esche
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