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'm 1' - Information Motorway 1

16.03.2009 | 20:56

Die strategische Hilflosigkeit der Verlage - Freundeskreise nicht d...

Vorwort: "Fehler - Bitte Titel maximal 70 Zeichen. Text 16000 Zeichen" (freitag.de Fehlermeldung beim Speichern des Artikels). "Freundeskreise nicht darstellbar" wäre der Titel gewesen. Mein verhasster Freund die freitag.de Beschränkung.

Matthias Schwenk hat auf Carta.info den sehr lesenswerten Artikel Das neue Verständnis von “gut informiert” sein: Lesen, was Freunde lesen geschrieben. Ausgesprochen hübsch geißelt er die Verlage als ewig hinterhechelnde Internet Dinosaurier, die gedanklich gerade einmal beim rudimentären Internetportal angekommen sind. Der Anreißer:

"Auf die unübersehbare Vielfalt der medialen Angebote im Internet hat eine neue Generation längst ihre Antwort gefunden: Sie folgt nicht mehr einzelnen Leitmedien, sondern den Meinungsführern im persönlichen Freundeskreis."

Ich schrieb in Kommentar 20:

"Kritik im Detail hätte ich eher konzeptionell: Warum wird immer nur auf die großen proprietären Anbieter wie Twitter und Facebook eingegangen? Ist das nicht eine rein quantitative Sichtweise? Wird dabei nicht komplett die radikale Revolution der offenen und freien Kommunikationsmittel vergessen, die aus der OpenSource Bewegung kamen und kommen?"

Matthias Schwenk gestand die eigene Hilflosigkeit indirekt ein und fragte in Kommentar 24:

“Die Open-Source-Bewegung spielt natürlich eine große Rolle im Medienwandel. Die Frage ist nur, wie sich das in Zahlen “einfangen” und darstellen lässt.”

Da wir hier ja bei Der Freitag sind,  und  sich freitag.de wegen der Community, technisch eher mangelhaft aber immerhin, gerne bauchpinseln lässt, hier auch noch mein länglicher Kommentar 33:

"Kurz:
Kaum. Man muss sich schon im Netzwerk mit den jeweiligen Machern befinden/beschäftigen. Aber die Zahlen sind nicht wichtig.
Wichtig ist die qualitative Bedeutung.

Lang: Da ist sie wieder die journalistisch effiziente “Frage der Bequemlichkeit”. Aber genau da bohrt der entstehende Medienpluralismus in der Wunde der Verleger (und Journalisten). Was wir gerade bekommen ist ein direktes n:m Publizieren. Viele publizieren für viele, ohne das Geschäftsmodell der Gatekeeper. Nimmt man dann noch die nebelartigen Zahlen der OpenSource Anwendungen, die für diese Kommunikation benutzt werden, dann scheitert man bzw. nimmt die einfacher zu erhaltenden Zahlen der proprietären Lösungen, die klassisch 1:n kommuniziert werden.

Man muss also über die Qualität argumentieren!

Der beliebte Platzhalter für Relevanz ‘Google hat zum Suchbegriff X n-tausend Ergebnisse gefunden’ versagt genauso wie ‘Facebook hat n-Millionen Benutzer’ oder ‘Twitter wächst um den Faktor blabla-%’.

Ich behaupte, dass die Open-Source-Bewegung überhaupt der wichtigste Faktor beim Entstehen dieser brutalst fragmentierten und granularisierten n:m aggregierten Nischenkommunikation ist. Erst der gemeinsame Wille von Programmierern und Inhalteerstellern die Information technisch und inhaltlich frei fließen zu lassen, hat diesen Medienwandel hervor gerufen.

Das Monopol der Information, gesammelt und verteilt auf antiquierten Produktionsmitteln, ist tot.

Das passt bereits heute auch schon sehr gut auf den im Artikel hervorragend heraus gearbeiteten Web 1.0 Aspekt, sprich die Informationsportale sind Schnee von gestern. ‘What would Google do?’ ist eine Frage, die nicht erst hohe Relevanz hat seit es das Buch gibt, sondern seit es Google gibt. Mit dem Erscheinen der ‘Google Nachrichten’ hat die strategische Hilflosigkeit der Verlage angefangen. Das Vorbild wurde nicht genutzt sondern bis zum heutigen Tag bekämpft.

Was dem Journalismus bleibt ist die fundierte Information, die man auf Grund eigener Netzwerke handwerklich sauber geprüft hat. ‘Sauber prüfen’ ist allerdings kein Monopol, sondern eine Frage der Medienerziehung und des unmittelbar einsichtigen Eigenschutzes. Da steckt auch der Mehrwert und nicht in der Frage wie man Farbe aufs Papier bekommt.

Das Risiko einer Tatsachenbehauptung lernen Kinder spätestens im Kindergarten. Den Nutzen einer Marke, die saubere originäre Tatsachenbehauptungen und durchdachte Meinungsstränge veröffentlicht, muss man eben zukünftig in dieser brutalst fragmentierten und granularisierten n:m aggregierten Nischenmedienszene, abklopfen.

Man nennt das im Internet ‘conversion rate’ und eigentlich ist es ein alter (Medien-) Hut."

Spannende Frage:
Tappt freitag.de in die im Artikel und in den Kommentaren skizzierte angedeutete Internetfalle und kann gar nicht anders? Oder ist freitag.de (und natürlich Der Freitag als Druckerzeugnis) auf dem richtigen Weg den mehrfachen Facebook-Twitter-Community-Zeitung-Spagat zu schaffen?

Ich persönlich sehe mich ja schon lange auf dem Absprung
bei freitag.de. Als internetaffiner Mensch, der auf x Hochzeiten tanzt, ist mir freitag.de zu eingeschränkt, zu fehlerhaft und zu unkommunikativ, aber der Reiz des Neuen hält mich noch ein wenig.

PS: Auch den Text musste ich 1x, 2x unfreiwillig nachbessern, weil mein verhasster Freund, die freitag.de Beschränkung, mit den Zeilenumbrüchen machte was er/sie wollte.
 
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Kommentare
hannelore schrieb am 16.03.2009 um 22:58
Danke für den Beitrag! Ich habe heute morgen geflucht, als ich einen längeren Text zum Amoklauf gebloggt habe. Wegen notwendiger Hintergrundinformationen wurden es 2 Teile. Die Verselbständigung der Zeilenumbrüche ist echt eine Zumutung. Ich habe mindestens 30 x neu gespeichert! Außerdem: Ein Blog der keine Zitat-Formatierung hat - gibt es das noch sonst wo?
Es ist genau wie du sagst: Durch die Open Source Anwendungen fließen die Inhalte durch die entsprechende Technik kreativ ins Netz. Man kann sich auf die Qualität konzentrieren. Vor 10 Jahren musste ich html mitsamt dem Inhalt in den Editor tippen. Dazu war ich heute morgen beim Freitag wieder gezwungen.

Wie kann denn so was sein? Open Source ist doch frei zugänglich. Warum baut man keinen der gängigen WYSIWYG-Editoren ein, wie bei Wordpress, Joomla etc.?
m 1 schrieb am 16.03.2009 um 23:45
Gut nehmen wir die freitag.de Mängel zuerst ... Oh, hübsche Liste :)

- Verselbständigung der Zeilenumbrüche

Ja, lange nicht mehr so gekotzt.

- mindestens 30 x neu gespeichert

Ich nur zweimal :)

- Ein Blog, der keine Zitat-Formatierung hat
(Arghh, DAS Blog und komm mir nicht mit dem Duden)

Fand ich vorhin auch ausgesprochen hübsch gelöst. Quasi eingebauter Contentklau bei freitag.de.

- Warum baut man keinen der gängigen WYSIWYG-Editoren ein

Das verwendete CMS Plone hat da wohl Problemchen. Da muss man dem Lastenheftverfasser den Hintern versohlen. Und der Agentur für die beschissene Umsetzung und Kundenberatung.

Mir wäre es ja sogar völlig schnuppe, WENN MAN DENN nur das Mistviech ausschalten könnte. Ich habe im Firefox mindestens zwei HTML Editoren drin. Brauche die allerdings nicht.

Ich sage das deswegen mal wieder so deutlich, weil es bis jetzt nichts genutzt hat und weil, viel wichtiger, der Editor DIE Schnittstelle mit der Community ist.

Über das merkwürdige Kommentarhandling weine ich ja nur noch desillusioniert vor mich hin. Wer das verbrochen hat, der gehört gevierteilt. Ein echter virtueller Amokauslöser.

Jedenfalls ist diese Community Marke Eigenbau nur für Masochisten geeignet, aber darauf wollte ich im Kern eigentlich gar nicht hinaus, aber irgendwie ist das komisch; auf die Ankündigung des Artikels kam außer "@m1 Ich habe vergangene Woche mein !Freitag -Abo gekündigt." keine weitere Reaktion mehr. Vielleicht sind alle offline oder einfach desillusioniert?

Community? Identi.ca: "der Freitag vor etwa 4t via web" Vor vier Tagen die letzte Meldung? Eine Ewigkeit. Twitter ist lebendiger: "derfreitag vor etwa 9h via web"

Bei identi.ca macht @derfreitag sich völlig unnötig Feinde, weil identi.ca per OpenSource Softwarebasis Laconica Meldungen einfach zu Twitter rüber pusten kann. Man lässt eine Zielgruppe technisch unnötig völlig im Regen stehen. Das ist dämlich.
Erste Hilfe schrieb am 17.03.2009 um 00:30
Lieber m 1, liebe Hannelore,

eine erste Anleitung zum Editor gibt es hinter diesem Link. Diese Anleitung kann aber nur eine Übergangslösung sein. Wir wissen um die Benutzerunfreundlichkeit des Editors und suchen gemeinsam mit den Programmierern eine Lösung, die wir für nutzbar halten und sich gut in den Freitag einpflegen lässt.
Bei all Ihrer Kritik bedenken Sie bitte immer, dass der Freitag als kleines Medium mit kleinem Budget und kleinem Team arbeitet. Daher ist identi.ca vielleicht auch weniger gut gepflegt als twitter. Das werden wir versuchen auszugleichen. Wir streuen ja nun nicht nur über die Anwendungen Informationen, sondern lesen auch aktiv mit. Das kostet bei twitter Zeit, bei identi.ca auch. Für Journalisten passiert derzeit bei Twitter z.B. mehr. Es braucht also über all Kritiker wie Sie, um andere Medien auch bei identi.ca aktiv werden zu lassen. Wir schauen aber gerne in die identi.ca-Group und haben von dort Anregungen aufgenommen. Bitte haben Sie ber Verständnis, dass sich nicht alles ad hoc umsetzen lässt.

Viele Grüße
Tessa
m 1 schrieb am 17.03.2009 um 03:00
Re. Editor: Die Programmierer sollen den abschaltbar machen! Es wird doch wohl ein ganz normales Kommentarformular geben?

Re. Microblogging: Tessa, ich weiß ja nicht wie ihr das praktisch handhabt, aber ihr solltet genau deswegen das Verteilen und Empfangen der Microblogging Beiträge so effektiv wie möglich gestalten. 'Via web' ist wohl definitiv die unpraktischste Methode.

Ich will euch bestimmt nicht reinreden, wie ihr euren Arbeitsalltag gestalten sollt, aber Dein Satz "Für Journalisten passiert derzeit bei Twitter z.B. mehr" passt leider zu gut zu dem verlinkten Artikel und zu meinen Kommentaren und wirkt leider recht hilflos, wenn man die anderen Millionen bei Facebook, XING, identi.ca, bleeper.de, FriendFeed u.s.w. betrachtet, die dummerweise auch alle eure Community darstellen.
Der Freitag schrieb am 17.03.2009 um 10:26
Auch die Nutzung von twitter, identi.ca und Co. wird optimiert werden. Bedenken Sie bitte einfach, dass der Umgang hier mit Social Media für viele neu ist und dementsprechend Stück für Stück Einzug in den Redaktionsalltag erhält. Wie Sie vielleicht wissen trennen wir nicht zwischen Online und Print, und neben dem Entdecken dessen, was diese Seite anbietet und "außen herum" möglich ist, wird hier jeder Woche eine Zeitung gemacht und freitag.de zusätzlich redaktionell bestückt. Haben Sie daher einfach ein bißchen Geduld.
bembel schrieb am 18.03.2009 um 15:13
über die Formulierung "Jedenfalls ist diese Community Marke Eigenbau nur für Masochisten geeignet..." mußte ich dann doch auch mal lachen, denn nach ersten, Hoffnung versprechenden Verbesserungen ist im Wesentlichen nicht viel Sichtbares optimiert worden (was hinter den Kulissen passiert, weiß ich ja nicht)
das Kommentieren mit Minitext im Editor hat nach wie vor ein Augenkrebsrisiko, Ladezeiten sehr launisch ... und der Editor, tja, da wurde schon alles zu gesagt ...
so gesehen wundert es mich nicht, daß sich einige ehemals sehr aktive Mitglieder zurückgezogen haben oder abwarten, sehr schade dies alles ... :-(
Der Freitag schrieb am 18.03.2009 um 15:53
Hinter den Kulissen wird an verschiedenen Fronten gearbeitet: Neben der Community ist das zum einen der redaktionelle Auftritt und die dahinter liegende Technik, die Performane als oberste Priorität sowie ein zusätzliches Projekt, das in wenigen Wochen gelauncht wird. Die überarbeitete Version des Editors ist für Ende des Monats fest eingeplant.

Viele Grüße
Tessa
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Markus Merz | Schreiber, Fotograf, Infonaut, Infojunkie | Hamburg St. Georg, Deutschland | http://identi.ca/m1
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