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Wer die nicht sonderlich aufregende ZDF-Reportage vom Bürgerfest in Berlin anläßlich des 60-jährigen Bestehens unserer Republik angesehen hat, dem fiel - wenn er nicht in einen Dämmerzustand fiel - vielleicht auf, daß da auf der Tribüne Merkel und Westerwelle, eingerahmt von Horst Köhler, dem eben frisch wiedergewählten Bundespräsidenten, einträchtig nebeneinander applaudierten.
Dazu der Kommentar aus dem Off: "Und hier sehen Sie fast die komplette Regierung."
Westerwelle... und Regierung? Prophetische Züge beim ZDF? Was da auf der Bühne stand, war mitnichten die komplette Regierung. Das war eine Kanzlerin, die sich sichtlich freute, daß ihr Kandidat die Wahl gewonnen hatte und ein FDP-Oppositionschef, der so herzzereißend mitklatschte, daß man meinen konnte, er könne sich damit auch ins Auswärtige Amt klatschen.
Von der SPD sah man allerdings - meines Erachtens - nur Klaus von Dohnanyi, der von Ende der 70er bis Mitte der 80er Jahre Bürgermeister von Hamburg war.
Ist das also schon die "neue" Regierung, die wir ab 27. September zu erwarten haben?
Man sollte ganz inständig hoffen, daß es dazu nicht kommt.
Diese Situation war wieder eines der seltsamen Kapitel, die dieser Tag schrieb, und die - je länger man sie Revue passieren läßt - einem immer übler aufstoßen.
Angefangen vom Johlen und der offen zur Schau gestellten (Schaden)freude von CDU/CSU und FDP, als das Bläserquintett nach dem ersten Wahlgang auftrat und die Wahl damit schon quasi entschieden war, über die aufgeplusterte Selbstzufriedenheit von Merkelseehoferwesterwelle direkt nach dem Wahlakt, den sich alle drei ans Revers zu haften versuchten bis hin zu dieser Show, die man dort auf dem Bürgerfest zelebrierte... Also wirklich: nein. Das ziemt sich nicht.
Gerade diese Bürgerlichen, die immer wieder so sehr an die Würde und den Respekt des Amtes appellieren - und damit sogar den demokratischen Wettbewerb, den Gesine Schwan die letzten Monate mit führte, unterbinden wollten - gerade diese Herren und Damen bejubeln "ihren" Sieg in der Bundesversammlung, klopfen sich gegenseitig nachher auf die Schultern und sehen das Ganze als Beginn der schwarzgelben Regierungsarbeit im September. Und stellen sich zum Schluß auch noch auf die Bühne eines Bürgerfests.
Da bleibt ein ganz ganz schaler Nachgeschmack. Und persönlich möchte man von diesen Personen eigentlich auch nicht regiert werden, die so frank und frei ein Amt, das über der Parteipolitik stehen sollte, offensichtlich für eigene Zwecke instrumentalisieren.
Phyrrus läßt grüßen.
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Lieber mac;
danke für diese sanft-sarkastische, zutreffende Beschreibung plus Kommentar. Leider habe ich die Sendung nicht gesehen, aber Westerwelles oppurtunistisches Klatschen und Grinsen kann ich mir lebhaft vorstellen. Erinnert sich noch einer ans das, wie hieß es noch, "Spaßmobil", mit dem Guido im Wahlkampf durchs Land tourte? Und DER soll Außenminister werden? Bitte, bitte, nicht. Es spricht für Köhler - und versöhnt mich etwas mit der Wahl - dass er es entschieden ablehnte, in seiner Wiederwahl eine Tendenz für die Bundestagswahl zu sehen. Und dass er gleich nach seiner Wahl mehr demokratische Beteiligung der Bevölkerung forderte (was die CDU auch gern mal verhindert bzw. verhindern möchte. Sie leben auch in Hamburg und wissen sicher, was ich meine!) Herzlich, Anna |
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Wie ich gerade bei einem weiblichen Guido-Fan bei Twitter las, gibt es derzeit zwar kein Guidomobil, aber einen FDP-Europatruck, der durch die Lande gondelt. Na das ist doch schon mal was ;)
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Ausgabe 07/12
16.02.2012
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