mac

Alsterstories

23.02.2011 | 21:57

Guttenberg muß gehen

Die Frage, ob der Bundesverteidigungsminister zu gehen hat oder nicht, stellt sich nicht mehr. Er hat zu gehen.

Die Debatte um den erschlichenen Doktortitel unseres Bundesverteidigungsministers kocht derzeit an jeder Ecke und an jedem Ende hoch. Das häufigste Argument der schwarzgelben Wagenburg lautet: "Er hat doch seine Fehler zugegeben und den Titel zurückgegeben. Jetzt bitte wieder zurück zur "normalen" Politik."

Realitätsverlust par excellence

Man fragt sich, wie man Realitätsverlust noch treffender beschreiben kann.

Erschlichene wissenschaftliche Titel sind keine Lappalien. Genausowenig wie ein Ladendieb sich reinwäscht, indem er eine gestohlene Uhr zurückbringt. Auch Unwissenheit - was noch zu beweisen wäre - schützt im Allgemeinen vor Strafe nicht. Schwerer wiegt in diesem Falle die Tatsache, daß da einer steht, der Volksvertreter ist, und dazu noch in der Regierung dieses Landes. Er vertritt also uns. Und zu so einem sollte man Vertrauen haben.

Er legt, durchaus löblich, eine extrem hohe Latte an, was die eigenen Grundsätze und das Selbstverständnis von Politik angeht. Ein Journalist hat das mal folgendermaßen beschrieben: "Wäre Franz Josef Strauß das passiert, es wäre nie so hochgekocht, weil man wußte, daß er er's sowieso faustdick hinter den Ohren gehabt hätte."

Die eigenen Grundsätze sträflich mißachtet

Schauen wir uns also mal die Grundsätze des Freiherrn an, nach denen er vorgibt, Politik zu machen. 

Ein Blick auf die Website zeigt: "Verantwortung verpflichtet". Weiters finden sich folgende Sätze: "Richtschnur meines Handelns war und ist Prinzipienfestigkeit und Grundsatztreue"; "Verantwortung bedeutet vor allem Vertrauen, Verpflichtung und Gewissen." sowie "Ich will auch unbequemen Fragen nicht aus dem Weg gehen, denn nur so behält man das Gefühl, was für die Menschen wichtig ist."

Ich gebe zu: niemand muß promovierter Dr. sein, um eine gute Politik zu machen. Jemand kann auch aus verständlichen, nur allzu menschlichen Gründen eine Doktorarbeit versuchen und sie abbrechen: wegen zu großer Mehrbelastung, wegen zu vieler unterschiedlicher Tätigkeiten, die einen anderweitig einspannen. 

Aber wer mit dem Pfund der Glaubwürdigkeit so nachhaltig wuchert, wer sich als Anti-Politiker im politischen Betrieb geriert und Sätze wie die obigen von sich gibt, darf sich über Gegenwind nicht wundern, wenn dem nicht so ist.

Es geht hier mitnichten um eine irgendwie von linken Kräften herbeikonstruierte Hetzkampagne gegen einen beliebten Minister. Es geht hier um Lug und Trug, um Täuschung und Betrug. In erster Linie im wissenschaftlichen Bereich - aber da Herr Guttenberg nicht wirklich im stillen Kämmerlein seiner Betätigung nachgeht, sondern seine politische Karriere im öffentlichen Raum wie kein zweiter auf dem Fundament der Glaubwürdigkeit aufgebaut hat, ist sein Ruf durch die nun aberkannte Doktorarbeit  fast unwiderruflich beschädigt.

Es ist ein Unterschied, ob man in einem Amt der "res publica", der öffentlichen Sache, dient, oder ob man als Wissenschaftler seinen Doktor macht und ihn für seine Forschungszwecke benötigt oder braucht. Für einen Politiker, der Verantwortung übernimmt, liegen andere Maßstäbe an. Und wer so gehaltvoll von Prinzipienfestigkeit, Grundsatztreue, Verpflichtung und Gewissen schwadroniert, muß sich eben an jenen auch messen lassen.

Und da hat er brutalstmöglich versagt. 

Schneidiger Auftritt hin, schneidiger Auftritt her: Krisenmanagement sieht anders aus. Was beim ersten Mal noch nach Tatkraft aussah, entpuppt sich auf Dauer als "Methode Guttenberg": als erstes ist immer alles "absurd" oder "abstrus", danach gibts immer "gravierende Fehler" einzugestehen, und am Ende steht immer ein Bauernopfer.

Blöd, wenn das im Dr-Plagiats-Fall dann der eigene Kopf ist, der zur Disposition steht.

Da wird dann die wundersame Minister-Zweiteilung versucht: einmal der prinzipienfeste, schneidige Macher, der höchste Glaubwürdigkeitsstandards anlegt, andererseits der Mensch, der doch Fehler mache wie jeder andere, Familienvater sei und daher auch mal überfordert. Es fehlte nur noch der reuige Dackelblick und die dahingeschmachteten Worte: "Bitte bitte bitte habt mich wieder lieb..."

Nur: eine abgekupferte Doktorarbeit ist keine Petitesse wie einmal falsch geparkt. Da hat Herr Guttenberg bewußt wissenschaftliche Institutionen getäuscht. Über sieben Jahre lang. Mit Ehrenwort und allem drum und dran.

Wer sagt, daß der Abgeordnete und Minister Guttenberg nicht auch bewußt die Öffentlichkeit täuscht? Mit Ehrenwort und allem drum und dran? Denn - auch wenn er's gerne hätte - es gibt keine zwei Guttenbergs. Es gibt nur einen. Und der zweiteilt sich nicht konstant.

Es gibt keine zwei Guttenbergs

Ich als deutscher Staatsbürger erwarte von meinen Volksvertretern: Redlichkeit, Ehrlichkeit, Verläßlichkeit. Unabhängig von politischen Ansichten, über die sich trefflich streiten läßt. Denn sie vertreten mich. Einer, der eine Doktorarbeit zusammenkopiert, sie als die eigene ausgibt, bei den ersten Vorwürfen alles als "absurd" abbügelt, auf einmal "gravierende Fehler" entdeckt, daraufhin die ganze Arbeit als "Blödsinn" abtut, einer der einen Militärschlag, bei dem 140 unschuldige Menschen umkommen erst als "angemessen", dann als "unangemessen" bezeichnet und schließlich zwei Untergebene feuert, der hat für mich ein irres Verständnis von Rechtsstaatlichkeit und Verantwortung. Da fehlt genau die Linie, die er immer vorgibt zu leben. Da torkelt jemand, wild mit den Armen rudernd, auf der verzweifelten Suche nach Gleichgewicht. Und so einem darf man nicht Verantwortung übertragen. In keiner Regierung und schon gar nicht, wenn es um Soldaten geht, die potentiell ihr Leben geben. Wer vorsätzlich lügt und betrügt, gehört in den Gerichtssaal, aber nicht ins bundesdeutsche Kabinett. Und (ja, Frau Merkel, damit meine ich Sie) wer's zuläßt, der verkauft die Deutschen für dumm.

Guttenberg ist unaufrichtig, er ist unehrlich und er biegt und dehnt die Wahrheit solange, bis es in sein Strahlemann-Konzept paßt. Dabei geht es ihm nicht um die Allgemeinheit, sondern nur um sich und seine Selbstdarstellung. Die muß gut sein, alles andere - sch***egal. Als Deutscher möchte ich von so jemandem nicht vertreten werden.

Bedenkenlose Nachsicht kann gefährlich sein

Bedenklich finde ich auch jene Töne, die sich vermeintlich aus der Bevölkerung erheben und das alles als kleinlich abtun und im gleichen Moment noch sagen, daß man doch bitte "mehr Politiker vom Schlage eines Guttenbergs" haben sollte. Will sich die deutsche Bevölkerung also sehenden Auges von Betrügern und Täuschern regieren lassen? Nach dem Motto "Ja, wir wußten es, aber nein, so schlimm war's doch nicht."? Diese messianische Verehrung, gepaart mit grenzenloser Nachsicht erinnert mich an Zeiten von vor 70 Jahren, wo ganz Deutschland einem gewissen Herrn nachgelaufen ist, von dem man auch anfangs annahm, es sei alles nicht so schlimm was er vorhat. Und nachher stand man dann ratlos da: "Ja, aber wir haben es doch nicht gedacht, daß er wirklich könnte...." Es gruselt bei der Vorstellung.

Kurzum: Herr Guttenberg, nehmen Sie Ihre eigenen Leitlinien und handeln Sie danach! Seien Sie so ehrlich, seien Sie so glaubwürdig, haben Sie den Anstand, den Sie immer von anderen fordern, stehen Sie zu Ihren Fehlern und ziehen Sie die Konsequenzen. Treten Sie ab. Jetzt. 

Die politische Bühne Deutschlands ist keine Bühne für Selbstdarsteller. Oder, ums kurz zu machen: wenn er jetzt damit durchkommt, hat er den Blankoscheck, uns Deutsche von vorne bis hinten jeden Bären aufzubinden.

 
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Kommentare
GeroSteiner schrieb am 23.02.2011 um 22:34
Klar muss er gehen. Aber doch nicht etwa zu Fuß?
Ehemaliger Nutzer schrieb am 24.02.2011 um 02:52
ja,ja, aber keiner will den, nich der Seehofer, noch die Teflon-Verkohlerin, - also bleibt er. So was nennt sich government_in_denial. Und nur damit keine hier Illusionen aufkommen, es gibt den praktischen Meinungs-Liefer-Service der Nieten in den Türmen der Massenmedien die den Heini schon als Wirtschaftsminister toll fanden. Der geht niemals, nicht mal "somewhere over the rainbow".
Ehemaliger Nutzer schrieb am 24.02.2011 um 14:29
Liebe sachichma, besuchen Sie mich bald, dann sage ich Ihnen, wer die Urheber dieses Medienhypes gegen Guttenberg sind. Sie denken vielleicht, ich sei am A.. der Welt? Weit gefehlt, die Drahtzieher dieser Intrige haben hier alle ihre Ferienhäuschen und plaudern bei viel Rotwein und köstlichen Meeresfrüchten ungeniert über ihre kleinen schmutzigen Intrigen in Deutschland. Sie wähnen sich hier sicher, was ein Fehler ist, denn ich bin dreisprachig!

Vous êtes toujours bienvenue chez Rainer!

Monsieur Rainer
Heimatloser schrieb am 23.02.2011 um 23:15
Guter, ehrlicher und engagierter Beitrag. Nur wird er leider die weit überwiegende Mehrheit unserer VolksvertreterInnen in der Berliner 'Blase' nicht erreichen. Für die wird bereits spätestens übermorgen unsere freie Presse die nächste Sau durch's Dorf treiben. Und ich würde mich nicht wundern, wenn heute nach 16:40 einige 'Kollegen' der Oppositionsfraktionen mit dem 'Kollegen' zu Guttenberg ein Schnäpschen an der Bundestagstheke getrunken hätten. Obstler natürlich, aus landsmannschaftlicher Verbundenheit.
Gold Star For Robot Boy schrieb am 23.02.2011 um 23:46
Er wird noch nicht gehen, aber sein nächster "Fehler" wird kommen.

Rücktritt geboten:Der Fall des KT Guttenberg in Wort und Bild
mac schrieb am 23.02.2011 um 23:52
Ich sach mal: der Baum ist morsch. Es ist nur eine Frage, wann er fällt.
seriousguy47 schrieb am 24.02.2011 um 00:16
Setze dich ans Ufer des Flusses und warte, bis die Leichen deiner Feinde an dir vorübertreiben.

Soll ein chinesischer Spruch sein. Und hat einen wahren Kern: Solange der morsche Baum attackiert wird, wird er sich umso mehr bemühen, keine Schwäche zu zeigen. Und seine heuchlerischen "Freunde" werden sich um ihn scharen und ihn dadurch stützen.....
güllenburg schrieb am 24.02.2011 um 00:27
Mir fällt zu den schizophren hohen Zustimmungswerten zu dem überführten Lügner eigentlich nur ein: „Es war einmal ein leichtgläubiges Volk, das glaubte an den Weihnachtsmann, aber der Weihnachtsmann war in Wirklichkeit der Gasmann!“ (Günter Grass / Blechtrommel)
mac schrieb am 24.02.2011 um 00:34
Ich frag mich, warum jede, aber auch wirklich jede einzelne Online-Umfrage entweder zu 2/3 oder zu 3/4 den Rauswurf Guttenbergs fordert - egal wo: SPIEGEL, BILD, Frankfurter Rundschau, FAZ, WELT, Süddeutsche, überall das gleiche Bild. Und infratest dimap will 73 % Zustimmung zu Mr. Münchhausen ermittelt haben? Wie das?
miauxx schrieb am 24.02.2011 um 01:03
Ja, wie das?
Schon immer verwundert mich die Bewertung der Minister; vor allem mit der Frage, "Wie zufrieden sind Sie mit der Arbeit von ****?"
Ich glaube, die Ergebnisse kommen dann immer so, wie wir sie sehen, zustande, weil die Leute eben meinen, nun auch eine Bewertung abgeben zu müssen. Hier sollten jedoch keine Bewertungen "aus dem Bauch heraus", wie in der Marktforschung, ausschlaggebend sein, sondern überlegte Äußerungen. Und ich wette, dann hätten wir andere Ergebnisse: Mehr Enthaltungen. Und: Für eine klare Meinung über die Arbeit eines Politikers, Ministers muss man sich eigentlich schon ziemlich viel mit der Tagespolitik befassen und recht tief schürfen. Und - mal Hand auf's Herz: Wieviele Menschen werden das wirklich tun?
Aber die emotionalisierende Täuschung, wie in der Produktwerbung, ist offenbar soweit im Bürger verankert, dass eine bella figura und beste PR ausreicht, um eben einen Guttenberg scheinbar unantastbar werden zu lassen.

Volker Pispers hat es mal schön formuliert. Ich zitiere sinngemäß zusammenfassend: "80% der Deutschen lehnen den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr ab und ist für Mindestlöhne (...) 66% wählen eine Politik, die nicht das macht, was sie wollen. -- Das ist der Deutsche! Der is' so 'n bisschen schizo." (Für "Kanzlerin" ließe sich wohl noch besser "Guttenberg" einsetzen)

Guckst du hier (etwa ab Min. 6:00)
seriousguy47 schrieb am 24.02.2011 um 01:07
1) Es gibt halt doch einen Unterschied zwischen BILD-Lesern und dem Rest. Und es gibt einen unterschiedlichen Grad an Interesse und Informiertheit, was in diesem Fall ganz besonders durchschlägt, wo die Lage sich quasi stündlich ändert.

2) Umfragen wie die heute bei Plasberg sind ein Stück weit Betrug, da sie den Informationsstand von vorgestern reflektieren.

3) Wenn es selbst bei Missbrauchsopfern sehr lange dauert, bis sie in der Lage sind, zu erkennen, dass es nicht Liebe war/ ist......
Fro schrieb am 24.02.2011 um 01:33
@mac
Ich habe mir auch etliche Umfragen angesehen und kann deine Beobachtung nur bestätigen. Wirklich ein interessantes Phänomen. Werk der Guttenberg-Jünger?
Heute: „Hart aber fair“ hatte eine Umfrage geschaltet, die wies zu Anfang eine mehrheitliche Unterstützung Guttenbergs aus – nach der Sendung waren aber 50% (mit steigender Tendenz) für einen Rücktritt. Jetzt ist die Umfrage nicht mehr zu finden – seltsam....
Aber ich denke unabhängig davon, dass viele Menschen in Deutschland immer noch den Wunsch nach einem „guten Führer“ haben, der alles für sie regelt - und sie sind möglicherweise auch bereit ihr Schicksal in die Hände eines „guten Führers“ zu legen, so wie wahrscheinlich immer noch die Mehrheit der Soldaten in Afghanistan. Da sehe ich die große Gefahr – und am Phänomen Berlusconi, ist zu sehen, wie lange es dauern kann, bis die Mehrheit der Bürger aufwacht und das Theater durchschaut – und Berlusconi ist immer noch im Amt...
Ich würde es begrüßen, wenn sich der Ghostwriter Guttenbergs meldete und das den endgültigen politischen Abschied Guttenbergs herbeiführen würde. Anscheinend kann zur Zeit nur ein drastisches Fehlverhalten der „politischen Führer“ die Erkenntnis befördern, dass wir Bürger uns nur auf uns selbst verlassen können – es rettet uns eben kein höh'res Wesen....
Fro schrieb am 24.02.2011 um 01:59
Mittlerweile halte ich es sogar für denkbar, dass der verbreitete Untertanengeist dazu führt, dass bei telefonischen Umfragen (so macht man es), die Traute, einem Minister den Rücktritt zu empfehlen, einfach nicht da ist. Anonym im Internet ist er dann mutig. Selbst in der Bild-Umfrage wollen 55% (von 622000) den Rücktritt – 36% befürworten den Verbleib im Ministeramt.
Fro schrieb am 24.02.2011 um 02:08
Bild-Umfrage

In den Schlagzeilen aber: 87 Prozent Ja-Stimmen 227 175 BILD-Leser wollen, dass Guttenberg Minister bleibt!
Natürlich melden sich da in erster Linie die Guttenberg-Jünger....
Horst Wandersleben schrieb am 24.02.2011 um 01:58
Resignation!
Ich werde im April 61 jahre alt.
Jung sein möchte ich in dieser bananenrepublik nicht mehr.
Erst der werteverfall durch Kohls und Kochs spendenlüge.
Jetzt der werteverfall durch Merkels stützung eines wissenschaftlichen hochstaplers.
Liebe professoren, bitte hört auf, noch irgendeine prüfung abzunehmen! (Indirektes zitat von Karl Lauterbach aus der gestrigen bundestagssitzung)
Eure prüflinge dürfen euch ab heute nach strich und faden hinters licht führen. Ihr habt keine chance mehr gegen sie.
Die universität Bayreuth hat heute bereits kapituliert, weil sie keine umfassende plagiatsprüfung der Guttenbergschen dissertation mehr durchführt.
Doktortitel aus Paraguay? Nee, aus Bayreuth. Summa cum laude!
alf harzer schrieb am 24.02.2011 um 02:21
es ist ja löblich, sich moralisch an ihm abzuarbeiten. Das dürfte an diesem Teflonmenschen abgleiten.
Aber freuen wir uns doch, haben wir doch einen qualitativen Sprung aus der Bananenrepublik geschafft.
Herr zu Guttenberg als neue Lichtgestalt in einer "strahlenden" Lobbyrepublik, dank solider rectaltourismusarbeit unserer Kanzlerin!
Was ich auch interessant, vor allem aber folgerichtig finde? Am "Deutschen" Dumpinglohnwesen soll der deutsche Michel auch genesen, oder aber (was wahrscheinlicher ist) dahingerafft werden.
Was hat das mit Dem Gutsherrn zu tun? Na er ist die neue Lichtgestalt, die dem Pöbel klarmacht, es gibt unter Gottes Sonne halt wenige Auserwählte, denen man auch nichts anhaben kann.
Schneeblume schrieb am 24.02.2011 um 08:17
Die Sache mit der Doktorarbeit ist schlimm. Vermutlich hatte er einen Ghostwriter. Aber nun, ich nehme an, den haben viele. Das macht Guttenberg noch nicht zu einer Ausnahmeerscheinung und auch nicht zum Unhold.

Weit schlimmer ist, dass G. noch immer lügt und dass er es schafft, die aktuellen Lügen als moralische Leistung mit Vorbildcharakter zu verkaufen. Sein Realitätsverlust ist wohl so weit fortgeschritten, dass es gar nichts mehr bringt, über Ethik und Moral mit ihm zu verhandeln.

Er behauptet ja immer noch, die Fehler nicht bewusst gemacht zu haben. Das ist ganz klar eine Lüge, denn es ist ein Ding der Ummöglichkeit, "Fehler" dieser Art unbewusst zu begehen. Und selbst wenn es möglich wäre: man müsste ihn sofort seines Amtes entheben und ihn vom Rest des Arbeitsmarktes fernhalten. Jemand, der unbewusst Kaufhäuser plündert und Handtaschen raubt, den würde man doch auch ins Krankenhaus schaffen. Wer weiß, wozu der noch fähig wäre.

Aber wissenschaftliche Arbeiten schreibt man nicht unbewusst, und man fälscht sie auch nicht unbewusst. Das ist Unsinn, das geht nicht. Und Guttenberg weiß das. Und er behauptet es trotzdem.

Mir tut er manchmal fast leid. Er treibt sich in eine psychische Zwangssituation (oder wird getrieben? Von Beratern? Von politischen "Freunden"? ), die sehr gefährlich werden kann, auch für ihn selbst. Dass das alles einfach an ihm abperlt, glaube ich nicht. Der steht seelisch enorm unter Druck. Wenn er die Möglichkeit noch hätte, zu sich selbst zurückzufinden, sollte er es schleunigst tun.

Ich möchte auch an die Hochschullehrer dieser Republik appellieren, sich mit ihren Studenten zu befassen. Sie haben Verantwortung für junge Menschen, sie sind Lehrer. Und sie haben es mit einer Generation zu tun, die vom Zeitgeist geprägt ist, und der besagt, dass alles darauf ankommt, wie jemand wirkt, wie jemand sich verkauft, wie jemand sich darstellt. Man muss junge Menschen manchmal vor sich selber schützen, hinschauen, was sie tun. Vor allem, wenn sie tausend Ämter haben und dennoch behaupten, nebenbei noch umfangreiche wissenschaftliche Arbeiten aus dem Ärmel schütteln zu können. Es gibt Dinge, die nicht gehen - und so etwas geht eben einfach nicht.

Auch die Universität Bayreuth, der Doktorvater, das ganze Prüfungsgremium hat versagt - so wie viele wissenschaftliche Lehrer versagen, aus mangelndem Interesse, aus Geltungssucht, wegen Kungelei und Geklüngel mit den Schönen, Einflussreichen und Wichtigen - oder schlicht aus strukturell bedingtem Zeitmangel.

Eine traurige Geschichte. Ob sie etwas verändert? Ich glaube nicht. Guttenberg und seine Leute schieben die Sache konsequent auf die Schiene der Realitätsvernichtung und Realitätsverleugnung, und viele, viel zu viele Menschen sind bereit, ihm darin zu folgen. Warum? Was fehlt ihnen? Was brauchen sie? Was erwarten sie von dieser angeblichen Lichtgestalt, die doch eigentlich ein ganz armes Würstchen ist?
born2bmild schrieb am 24.02.2011 um 08:37
Guttenberg muss gehen.
Die wenigen Schritte bis zum Dienstwagen, der ihn zum Jet der Flugbereitschaft bringt.
wbieber schrieb am 24.02.2011 um 08:56
Guttenberg wird nicht über seine Dissertation stürzen. Er hat den Medienbetrieb verstanden und das Spin-Doctoring gemeistert. Während die Presse ihn niederschreibt, bleibt der Rückhalt in der Bevölkerung bestehen... bit.ly/hxwPhb
Matto schrieb am 24.02.2011 um 11:02
Natürlich war es Betrug und Diebstahl was Guttenberg getan hat und hier müßte eigentlich noch der Staatsanwalt das letzte Wort haben.
Aber durch diesen Fall haben wir einen Neues Lied vom Lügenbaron.

Song über Guttenberg - Alles nur geklaut
www.youtube.com/watch?v=69tl7dOD2fM&feature=related
Viel Spaß!
karl-von-der-staig schrieb am 24.02.2011 um 11:41
"Diese messianische Verehrung, gepaart mit grenzenloser Nachsicht erinnert mich an Zeiten von vor 70 Jahren, wo ganz Deutschland einem gewissen Herrn nachgelaufen ist, von dem man auch anfangs annahm, es sei alles nicht so schlimm was er vorhat"

hier ziehen sie einen der größten kriminellen des letzten jahrhunderts zum vergleich heran. ich verurteile das als grausigen missgriff!!
Parteiloser schrieb am 24.02.2011 um 14:16
karl-von-der-staig schrieb am 24.02.2011 um 11:41
"Diese messianische Verehrung, gepaart mit grenzenloser Nachsicht erinnert mich an Zeiten von vor 70 Jahren, wo ganz Deutschland einem gewissen Herrn nachgelaufen ist, von dem man auch anfangs annahm, es sei alles nicht so schlimm was er vorhat"
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hier ziehen sie einen der größten kriminellen des letzten jahrhunderts zum vergleich heran. ich verurteile das als grausigen missgriff!!
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Der o.a. Vergleich ist vollkommen richtig.Was damals genau so harmlos dargestellt und verniedlicht wurde,stellte erst hinterher als Katastrophe heraus.Der Faschismus wechselt gerne die Kleider.....
koslowski schrieb am 24.02.2011 um 14:40
@Parteiloser 14:16

Der Vergleich ist gedankenlos und eine Beleidigung für die Opfer dieses "gewissen Herrn".
Parteiloser schrieb am 25.02.2011 um 01:05
@koslowski

Bestimmt nicht gedankenlos. Beleidigend auch nicht, da er auf die Masse der Mitläufer bezogen war.
Zitat aus „Schweiz Magazin“:
"...gibt es Parallelen und die finden sich bei den Anhängern. Die Verehrer Hitlers waren blinde Gefolgsleute die ihr Idol anhimmelten und sich bedingungslos unterwarfen. Sie liessen keine Kritik an ihrem Helden zu und waren bereit jede Schlechtigkeit zu ignorieren oder als gerechtfertigt anzusehen.“ Zitat-Ende
Genau DAS war gemeint.
mac schrieb am 24.02.2011 um 12:21
Ich verurteile die Art und Weise, wie CDU/CSU einen überführten Betrüger und Plagiator im Ministeramt stützen und schützen als grausigen Mißgriff.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 24.02.2011 um 14:23
Verehrter mac, Sie sind, bei allem schuldigen Respekt, nicht richtig informiert! Diese Treuebekundungen der CDU/CSU waren der Gipfel der Heuchelei, wenn man weiss, wer diesen ganzen Medienhype gegen Guttenberg angezettelt hat. Bitte lesen Sie zwischen meinen Zeilen und denken Sie nach, denn mehr Informationen kann ich Ihnen nicht geben!

Herzliche Grüsse
Monsieur Rainer
abghoul schrieb am 24.02.2011 um 14:37
Muss das wirklich so geheim zwischen den Zeilen stehen?
Kommt sonst das GEZ?
Parteiloser schrieb am 24.02.2011 um 14:40
Monsieur Rainer schrieb am 24.02.2011 um 14:23
Verehrter mac, Sie sind, bei allem schuldigen Respekt, nicht richtig informiert! Diese Treuebekundungen der CDU/CSU waren der Gipfel der Heuchelei, wenn man weiss, wer diesen ganzen Medienhype gegen Guttenberg angezettelt hat. Bitte lesen Sie zwischen meinen Zeilen und denken Sie nach, denn mehr Informationen kann ich Ihnen nicht geben!
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@Monsieur Rainer
Sie fordern in anderen Beiträgen "Ross u. Reiter" zu nennen.Dann machen Sie es bitte HIER auch.Was soll denn eine nebulöse Formulierung wie "denken Sie nach" oder "mehr Informationen kann ich Ihnen nicht geben". Bitte mal KLARTEXT !
Danke schon jetzt........
mac
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