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Was vor einigen Jahren mit viel Fanfare gestartet war - der Aufbau eines weltumspannenden Lexikons, an dem jeder mitarbeiten sollte und durfte - das scheint heute von einem elitären Zirkel von Administratoren verwaltet zu werden, die es gerade Neulingen sehr schwer macht, wirklich mit Freude am Weiterbau der Wikipedia mitzubasteln.
Vor einigen Jahren war das Erstellen, Bearbeiten und Verändern der Artikel noch eine wirkliche Freude - es gab Informationen, man schlug nach, ob sie schon vorhanden waren, und wenn nicht, stellte man sie ein. Das wars. Man war quasi "aus dem Stand" heraus ein wichtiges Mitglied der Community.
Heutzutage werden Artikel, die man mit viel Verve und Einsatz in teils stundenlanger Arbeit erstellt hat, innerhalb von Sekunden per "Sofort löschen" wieder vernichtet. Ohne Grund. Ohne Erklärung.
Selbst kleinere Änderungen - wie die Überfahrtpreise über die Öresundbrücke, die im betreffenden Artikel nicht zu finden waren, werden mir nichts, dir nichts, ohne Grund gelöscht. Erst verdeckt erfährt man, weshalb: die Brücke ist genaugenommen nur ein Teil der sogenannten "Öresundverbindung" - und deshalb finden sich die Preise auch dort und nicht unter dem "Brücken"-artikel. Haarspalterei? Natürlich. Nutzerfreundlich? Natürlich nicht. Wirds geändert? Warum denn - Hauptsache, man ist bis zum Exzess überkorrekt.
Es gibt kein Kontrollgremium, ab wann welche Informationen so wichtig sind, damit sie sich in den Artikeln wiederfinden dürfen und ab wann gelöscht wird - jemandem, der gerne mitschreiben will, wird das Gefühl gegeben, anonymen Administratoren ausgeliefert zu sein, die je nach Tagesform und persönlichem Vorlieben gottgleich entscheiden, was gefällt und was nicht, teilweise mit hahnebüchenen (oder oft gar keinen) Begründungen.
Die Richtlinien lesen sich zwar nach wie vor wunderbar, die Realität sieht dagegen weitaus krasser und respektloser aus.
Artikel, die sich ganz eindeutig im Aufbau befinden, werden gelöscht, weil Quellenangaben (noch) fehlen - manchmal kriegt man einen Artikel erst im dritten bzw. vierten Anlauf "durch" und eingestellt. Wer - wie ich gestern - den Artikel zum DEFB-Pokal (der Eisfußballveranstaltung von Stefan Raab) erstellen wollte, weil bei einer direkten Suche kein Artikel zu finden war, legt sich automatisch mit gleich mehreren ständig arrogant daherkommenden Administratoren an, deren Cursor offensichtlich per se über dem "Sofort-löschen"-Button schweben. Das Frustpotential ist naturgemäß hoch, gerade wenn nach mehrmaligem Anlauf noch eine Nutzersperre ins Haus segelt, wegen "Unsinnigen Bearbeitungen". Den betreffenden Admin direkt anzuschreiben? Natürlich klappt das ebenfalls nicht. Warum auch? Der Inquisitor hat gesprochen, der Bannstrahl hat mich getroffen, ich bin nun verdammt zu Untätigkeit. Amen.
Das freut den - eigentlich - engagierten Mitschreiber, der gleich pauschal als Vandale abgewatscht wird. Einspruch? Vollkommen sinnlos, der Support beschied mir: "Schade, aber so isses."
Arrogant wird mit dem Engagement der willigen Mitautoren umgegangen; arrogant werden Informationen sofort und ohne Begründung verworfen; arrogant treten anonyme Administratoren auf, die nicht kontaktiert werden können; und arrogant ist schlußendlich der Support, der einmal dubios getroffene Entscheidungen verteidigt.
Es entsteht der Eindruck, daß da ein Zirkel honoriger Administratoren im Küchenkabinett "ihre" Wikipedia gestalten - und jedem, der mitschreibt und das vielleicht nicht bis ins kleinste Detail der Richtlinien hundertprozentig korrekt macht (was schwierig ist, denn es scheinen auch noch private Richtlinien einzelner Administratoren zu gelten, die nirgendwo geschrieben stehen), wird das Schreiben rundum ausgetrieben.
Entweder ist man ein Mitmachlexikon - oder eben nicht. Es sich aber groß ans Revers zu heften, dabei Spenden einzusammeln und hintenrum offenes Mitmachen durch dubiose Sperrungen und Löschungen zu verhindern, nun, das zeugt von einem wirren Selbstverständnis.
Entweder, liebe Wikipedia, sperrt das Lexikon komplett - und Mitschreiber müssen sich bewerben. Transparenz wiederhergestellt.
Oder, liebe Wikipedia, laßt das Lexikon offen - dann aber mit für jeden nachvollziehbaren Regeln und Richtlinien. 3 von 5 Admins sollten bei Artikeln, die vorab gesichtet werden müssen, grünes Licht für Änderungen geben - wenn das Quorum nicht erreicht wird, entfällt die Änderung. Wer Vandalismus betreibt, wird 3x durch eine "Polizei"-Plakette verwarnt - erst danach setzt die Sperrung ein. Und Artikel, die im Aufbau befindlich sind, sollten mit einer entsprechenden Grafik gekennzeichnet werden dürfen und damit vor "Administratoren-Vandalismus" geschützt werden. Transparenz wiederhergestellt.
Aber das, was derzeit dort praktiziert wird, nun, das ist die neue Arroganz. Arroganz 2.0, sozusagen.
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Lieber Mac;
sehr zutreffend und sehr gut, Dein Blog! Danke dafür. Vielleicht hast Du ja Lust, mal meinen (darunter) stehenden Blog zu lesen, der ähnliches beim "Freitag" kritisiert? Herzlich, Anna |
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Ich möchte mich anna durchaus anschließen. ein mit verve geschriebenes plädoyer für mehr konstruktive anarchie.
Zu ihrer Freitag-Kritik jedoch habe ich eine andere Wahrnehmung. Tessa hat das in ihrem Kommentar ja schon versucht, ein wenig aufzuklären...Ich habe deinen Text gestern über den Freitag-Twitter-Link entdeckt;) ansonsten ein sonniges wochenende, daniel |
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Hallo Mac,
diese Art der Kritik an der Wikipedia kann ich nicht ganz nachvollziehen. Es war noch nie so, dass jede Art von Ergänzung kritiklos hingenommen wurde. Außerdem trifft man meist die Falschen, wenn man auf "elitäre" oder "anonyme" Administratoren schimpft. Meist sind es ganz normale Autoren und Nutzer, die bestimmte Artikel beobachten und Änderungen, die ihnen nicht sinnvoll erscheinen, wieder rückgängig machen. Wenn man auf den Änderungen besteht, muss man eben auf der Diskussionsseite für deren Verbleib argumentieren. Was die Löschung betrifft, so gibt es nicht ohne Grund eine 20-seitige Liste von Relevanzkriterien. Die sollte man sich vor der Erstellung eines Artikels durchlesen, um nicht eine unangenehme Überraschung zu erleben. Im Übrigen ist gerade die Löschdiskussion um den DEFB-Artikel ein gutes Beispiel dafür, dass eben NICHT willkürlich schnellgelöscht wird, sondern über Löschanträge kontrovers diskutiert wird. Grüße, Friedhelm Greis PS: Die Problematik wird auch in folgendem "Freitag"-Artikel thematisiert: Die Wahrheit über die Wikipedia |
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Yo, da frag ich mich bloß, warum es bei mir OHNE Diskussion passierte... . Und eben der zwei- dreimalige Aufbau der Site inquisitorisch unterbunden wurde. Bis hin zu einer Sperre wegen unsinnigen Bearbeitungen... .
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Was für ein Artikel war das denn? Würde mich mal interessieren. Die Löschung müsste ja begründet und dokumentiert worden sein. Der DEFB-Artikel steht auf jeden Fall noch drin. FG
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Ach wie nett, jetzt gibts ihn, ich wundere mich, ich wundere mich.
Hatte am Wochenende das 2x versucht, den Artikel zu erstellen, er wurde mir 2x direkt wieder gelöscht - ohne Kommentar - und nachher gabs noch ne Sperre wegen unsinnigen Bearbeitungen. Ich hab mir vorher grad mal die Diskussion darüber angesehen - das führt absolut ins Bodenlose. Jeder gibt da irgendwie seinen Senf dazu. Da ist es sinnvoller, meines Erachtens, falls das Ding gelöscht werden soll, es einem Gremium von erfahrenen Admins vorzulegen, die da wie Richter drübersitzen und im Kollektiv entscheiden - 3:2, 4:1, 0:5 - ob er drin bleibt oder nicht. Bevor die eine Hälfte der Mitschreiber ruft: drinlassen! und die andere: rausnehmen! Und vielleicht sollte man nem Artikel auch 2 Wochen Zeit geben, sich zu entwickeln - und das auch deutlich sichtbar markieren. Und erst danach über Relevanz und Qualität des Geschriebenen entscheiden. Damit entsteht natürlich ein Pool an "Kinderartikeln", die noch nicht fertig sind, aber das kommt m.E. näher an die Philosophie der Wikipedia heran, die sich selbst als ständig verändernde Enzyklopädie begreift. |
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Es steht jedem frei, solche Vorschläge in der Wikipedia zur Diskussion zu stellen und ein Meinungsbild einzuholen. Ich bin mir aber sich, dass sich keine Mehrheit für einen solchen "elitären Zirkel" von Admins fände, die allein über Löschanträge zu entscheiden hätten. Meiner Ansicht nach könnten ohnehin noch viel mehr Artikel als bisher gelöscht werden. Es ist ja kein erstrebenswertes Ziel, möglichst alles und jeden in eine gute Enzyklopädie aufzunehmen. Das Mitmachen kann ja sehr viele Aspekte haben. FG
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Ausgabe 11/10
18.03.2010
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