Mädchenmannschaft

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05.02.2010 | 13:19

Die Neue und das Geld

Neues Jahr, neue Familienministerin: 2010 – Kristina Köhler! In den ersten Wochen ihrer Amtszeit hat sich die 32-jährige promovierte Soziologin in der Hauptsache mit dem politischen Erbe ihrer Vorgängerin Ursula von der Leyen beschäftigt: Es geht ums Geld, um die staatliche Unterstützung von Eltern, die Kinder haben.

So macht sich Köhler für den Ausbau des Elterngelds stark. Das soll künftig weniger bürokratisch angefordert werden können. Großartig! Nicht wenige junge Mütter und Väter finden es kompliziert und anstrengend, Formulare auszufüllen oder verpasstes Einkommen nachzuweisen. Schwierig ist auch, dass das mit dem Elterngeld erst dann angegangen werden kann, wenn das Kind geboren ist. Haben junge Eltern, besonders die stillenden Mütter, nach der Geburt wirklich so viel Zeit? Machen die nach der Geburt ausgeschütteten Glückshormone tatsächlich nervlich stabil?

Rumtrödeln beim Elterngeld ist aber auch nicht gut, denn: "Der Antrag muss nicht sofort nach der Geburt des Kindes gestellt werden. Rückwirkende Zahlungen werden jedoch nur für die letzten drei Monate vor Beginn des Monats geleistet, in dem der Antrag auf Elterngeld eingegangen ist", so der freundliche Hinweis des Familien-Wegweisers von Kristina Köhlers Ministerium. Hoffentlich wird das bei der Ent-Bürokratisierung auch bedacht.

Neben weniger Bürokratie beim Antrag will das Familienministerium mehr Monate für Väter, denn die Väter sind, so Köhler in einer ihrer ersten Reden als Ministerin, die "Kostentreiber im positiven Sinne". Durchschnittlich 20 Prozent der Väter nehmen Elternzeit. Köhler kommentiert optimistisch, dass nun die gesellschaftlich kritische Schwelle überschritten und der "Weichei-Verdacht" entkräftet sei.

Etwas realitätsnäher ist die Übersicht der verschiedenen Elterngeld-Väter nach einer Studie der Böckler-Stifung von 2009: Der Großteil der Väter gehört zu den "Vorsichtigen", die nur ein bis zwei Partnermonate nehmen, gern in Anschluss an die Geburt und oft auf Wunsch der Frau. Tja, aller Anfang ist schwer. Und deshalb macht Köhler 2010 gleich noch mal 80 Millionen Euro mehr locker und kündigt ein Teilelterngeld an, das Teilzeitarbeit neben Elterngeld erlaubt.

Neben diesen positiven Neuerungen bleiben noch ein paar Dinge offen. Zum Beispiel die Klärung der Frage, wieso heißen die früheren "Partnermonate" jetzt "Vätermonate"? Das impliziert ja regelrecht, dass die Väter nur mal kurz daheim bleiben, die Mütter aber den großen Teil der Elternzeit nehmen.

Weiterhin sollte geklärt werden, was kommt nach der Elternzeit? Auch mit einer funktionierenden Kinderbetreuung muss immer wieder ein Elternteil beim Kind bleiben, zum Beispiel wegen Krankheit. Und das ist in den meisten Fällen die Mutter; auch wenn sich hier ein Wandel ankündigt, wie etwa verschiedene DAK-Studien melden: In Mecklenburg-Vorpommern blieben vor zwei Jahren 10,1 Prozent der Männer daheim, in Brandenburg sind es 11,5 Prozent, im Saarland 8,1 und in Bayern 8 Prozent und in Nordrhein-Westfalen 7,4 Prozent. Da könnte sich schon noch was ändern – und das hat auch mit der viel beschworenen Gleichstellung von Frau und Mann im Arbeitsleben zu tun. Ein Thema, das auch im Koalitionsvertrag der Bundesregierung steht. Wenn auch nur kurz.

 
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Kommentare
h.yuren schrieb am 05.02.2010 um 14:10
ihr habt euch da eines schwierigen themas angenommen: der probleme von "Eltern, die Kinder haben".
das ist ja gut und schön. aber wo bleiben die eltern, die keine kinder haben?
Alien59 schrieb am 06.02.2010 um 06:50
Wie meinst du das?
Tessa schrieb am 05.02.2010 um 14:31
Kristina Köhler hat tatsächlich ein Referat "Gleichstellungspolitik für Männer und Jungen" geschaffen >> Die jüngste Ministerin bestellt ihr Haus
Andreas Kemper schrieb am 05.02.2010 um 16:11
Als nächstes kommt eine "Beobachtungsstelle für Inländerdiskriminierung" wie sie die FPÖ in Österreich bereits eingerichtet hat.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 05.02.2010 um 23:49
Gleichstellung für Männer unter frauenlobbyistischer Ägide? Die hiesige familienrechtliche Schieflage - zurecht vom Europa-Gericht als väterdiskriminierend verurteilt - ist dem Wirken jener femokratischen Ägide zu danken. Was da wohl nun dolles zu erwarten ist ... ? Frau Leutheusser-Schnarrenberger hat es schon mal angedeutet: Väter dürfen ihr Sorgerecht bald gegen die Mutter einklagen. Tusch! Das femokratische D widersetzt sich einfach dem europ. Standard des obligatorischen gemeinsamen Sorgerechts.
Zudem bald auf der Agenda: "Fiktives Einkommen" auch für Mütter?
Gendertechnisch ebenso längst überfällig: Väter bekommen endlich eine rechtliche Grundlage um gegen den Willen der Mütter Betreuungsunterhalt geltend zu machen.
...
Andreas Kemper schrieb am 05.02.2010 um 15:01
Das Elterngeld ist mit seinen Kürzungen gegenüber dem Erziehungsgeld bestensfalls ein paradigmatisches Beispiel für einen ignoranten Mittelschichtsfeminismus, schlimmstenfalls ein gesetzlicher Niederschlag der modernen Sozialeugenik dishwasher.blogsport.de/2010/01/15/elterngeld-eine-sozialeugenische-massnahme/
Ehemaliger Nutzer schrieb am 06.02.2010 um 00:36
Alien59 schrieb am 06.02.2010 um 06:52
Diese weitere Fehlbesetzung der schwarz-gelben Regierung ist ohnehin eine alte "Freundin" - leider kannte ich sie schon vor dieser Ernennung, und die Erinnerungen sind da keine freundlichen.

Aber ihre neuesten Ideen zur Profilierung sind selbst in diesem Ministerium abenteuerlich. Und ich dachte, mit ihrer Vorgängerin hätten wir schon den Gipfel erreicht.
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