Mädchenmannschaft

Mädchenmannschaft

28.01.2010 | 20:42

Gebt den Mädchen ihre Sexualität zurück

Den neuesten Entwurf des Jugendmedienschutz-Staatsvertrages nimmt Malte Welding zum Anlass, aus seinem Recherchekästchen zu plaudern:

Jugendliche onanieren seit Anbeginn der Menschheitsgeschichte wie die Wahnsinnigen. Mädchen treten in den Club der großen Wixer erst ein paar Jahre später ein (übrigens ein Grund dafür, dass das erste Mal oft für beide so unersprießlich ist – der Junge ist gewöhnt daran, so schnell wie möglich abzuspritzen, damit niemand etwas mitbekommt, das Mädchen hat noch gar keine Ahnung, wie es zum Orgasmus kommt) und haben aus verschiedenen Gründen ein eher laues Interesse an Pornographie.

Diese Unterschiede werden dabei einfach akzeptiert, dabei sind die Gründe tief in unserer Gesellschaft verwurzelt. In einer Wiederauflage eines alten Blogposts wies Hugo Schwyzer vor kurzem auf die Einseitigkeit hin, mit der junge Mädchen gesehen werden. Jeder Mensch ist gleichzeitig Objekt und Subjekt sexueller Bedürnisse. Doch bei der Hälfte der Population wird die Rolle des Objekts derart in den Vordergrund gerückt, dass dahinter nur noch wenig Platz ist.

But adolescent girls are not just objects. They are also subjects of desire. And here, of course, we tread on less familiar ground. While traditional cultures are accustomed to teaching young women to gain at least some validation from being wanted, they aren’t nearly as comfortable with telling our girls that it’s okay to want! Too much of what is written about teenage girls still insists that adolescent females don’t really have strong libidos; any apparent sexual agency that these girls display is really just a longing for attention.

Zu deutsch: Aber heranwachsende Mädchen sind nicht nur Objekte. Sie sind auch Subjekte der Lust. Und hier sind wir selbstverständlich auf weniger bekanntem Territorium. Während traditionelle Kulturen daran gewöhnt sind, jungen Frauen beizubringen, dass sie ihre Selbstbestätigung zumindest teilweise über „Begehrt-werden” beziehen, sind sie lange nicht so sehr daran gewöhnt, den Mädchen zu sagen, dass es auch okay ist, zu begehren. Zu viel von dem, was geschrieben wird über Teenagerinnen beharrt darauf, dass heranwachsende Frauen keine starken Libidos haben; dass das sichtbare Vertreten der eigenen Sexualität eigentlich nur das Heischen nach Aufmerksamkeit ist.

Bis heute akzeptieren wir, dass der erste Geschlechtsverkehr für Mädchen häufig mehr „naja” als „geil” ist, impfen ihnen „mach nichts, was du nicht willst” ein statt „finde heraus, was dir gefällt”, geben uns damit zufrieden, wenn der Partner verständnisvoll ist. Die Aufklärungsseite Scarleteen verlangt in ihrem „unanständigen Vorschlag” ein radikales Umdenken:

What if the cultural landscape about sex and gender had been changed enough that she has grown up trusting women – including herself -- wholly when we express sexual desire, even when it doesn’t resemble our own or occur within contexts we find individually ideal or familiar? What if she was reared with the absolute that women experience, initiate and pursue desire and that it is completely acceptable to do so with great enthusiasm?

Zu Deutsch: Was wäre, wenn die kulturelle Einstellung zu Sex und Geschlecht so verändert wäre, dass sie [die Protagonistin der Geschichte] aufgewachsen wäre mit vollkommenem Vertrauen in Frauen, inklusive sich selbst, wenn wir sexuelles Begehren ausdrücken, selbst wenn es nicht dem eigenen entspricht oder in Situationen stattfindet, die wir suboptimal oder außergewöhnlich finden? Was wäre, wenn sie erzogen würde mit der Maxime, dass Frauen Begehren erfahren, initiieren und verfolgen und dass es 100% akzeptabel ist, das mit großem Enthusiasmus zu tun?

Ein Text von Helga@Maedchenmannschaft.net

 
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Kommentare
Titta schrieb am 28.01.2010 um 21:16
Liegt bestimmt auch an den Männern und an der Gesellschaft, und nicht an den Müttern, daß es sich so verhält. ;-)
Auch wenn ich nun wiederum finde, daß in dem Beitrag auch nur wieder Vorurteile kolportiert werden über Mädchen, die angeblich ...
Aber halt von Frauen.
Wie wär's denn mal, liebe Mädchenmannschaft, mit einer offenherzigen Onanieanleitung?! Denn wie ihr schon so richtig schreibt, selbst ist die Frau.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 28.01.2010 um 22:22
hab' zwar keine ganze mannschaft von mädchen zur reflexzonenmassage, sondern nur zwei hände, doch wie war das noch? 'best things in life are still made by hand.`' ?
glänzend, gell? nix anderes bedeutet 'wichsen'.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 28.01.2010 um 22:26
pardon, bedeutet 'etwas glänzend machen' ;o)
Rahab schrieb am 29.01.2010 um 00:57
daher kommt ja auch der spruch: gebadet, gepudert und gewixt.
Mädchenmannschaft schrieb am 29.01.2010 um 09:35
Titta, Kommentare werden nicht netter, weil man ein Smiley dranhängt. Sind deiner Meinung nach ausschließlich Mütter schuld oder sind die kein Teil der Gesellschaft? Dass Väter nun immer begeistert sind, wenn ihre Töchter Sex haben, glaube ich jedenfalls nicht. Das extreme Gegenbeispiel sind die Jungfräulichkeitsbälle in den USA. *schauder*

Die „Vorurteile über Mädchen” stammen aus der Recherche von Malte Welding - der Rest des Artikels beschäftigt sich mit der Einstellung gegenüber jungen Mädchen.

Eine Anleitung haben wir nicht auf unserer Seite, aber einige Diskussionen, Buchbesprechungen… Aber dafür gibt's auch noch www.the-clitoris.com
Titta schrieb am 29.01.2010 um 13:20
@Mädchenmannschaft

Richtig erkannt, der Kommentar sollte auch gar nicht nett sein.

Was ist denn so neu an dem Text von Welding? Kann mich noch gut an den Sexualkundeunterricht in den 70er erinnern, wo zB auch von den längeren weiblichen Erregungsphasen geschwafelt wurde. Aber immerhin wurde uns auch erzählt, daß Onanie keine Rückenmarkserweichung hervorrufe und auch so völlig in Ordnung sei.

"wenn wir sexuelles Begehren ausdrücken, selbst wenn es nicht dem eigenen entspricht"

Wo liegt denn da der Fortschritt bzw. der Sinn?
Wieso sollte ich irgendein sexuelles Begehren ausdrücken wollen, wenn es nicht meinem wirklichen Bedürfnis entspricht? Emanzipatorisch wäre ein solches Verhalten für mich jedenfalls nicht.
Mädchenmannschaft schrieb am 31.01.2010 um 18:58
Titta, es geht darum Frauen zu vertrauen, selbst wenn sie andere Vorlieben haben als man selbst. Ihre Vorlieben nicht als eklig abzuwerten oder gleich an „das macht die nur, um Männern zu gefallen” zu denken.

Es ist auch überhaupt nichts neu an Maltes Text und gerade das ist das traurige. Dass bis heute viele Mädchen nur langsam eine selbstbewußte, selbstbestimmte Sexualität entwickeln, dass die Grundhaltung immer noch ist, dass Mädchen nur Objekt sein sollen, können und wollen.
Titta schrieb am 31.01.2010 um 20:57
Anderen Menschen andere Sexualpraktiken zuzugestehen, ist doch keine Sache des Vertrauens, sondern eine des Respekts oder der Toleranz.

Und der Umstand, dem Mann dabei etwas zu tun, was ihm gefällt, womit frau ihm voraussichtlich auch gefallen wird, ist doch wohl Grundbestandteil der Freude, die frau dabei empfindet.

Letztendlich ist auch dieser Blogbeitrag Teil der Perpetuierung, der Befestigung der beanstandeteten Grundhaltung, geht er doch davon aus, daß diese Grundhaltung immer noch als gesellschaftlicher Konsens bestünde.

Ich hab mich in dem Zusammenhang wieder daran erinnert, wie wir als kleine Mädchen mit Begeisterung die Teppichstangen hoch und wieder runter geklettert sind, mit den dazugehörigen eindeutigen Bewegungen. Kann mich nicht erinnern, daß uns irgendeiner jemals dabei gestört hätte, obwohl wir das für den ganzen Wohnkomplex sichtbar taten. So sehen gesellschaftliche Wirklichkeiten eben auch aus.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 28.01.2010 um 21:29
Den Weg vom Objekt zum Subjekt zu finden und zu gehen kann ein steiniger Weg sein, wenn man als Mädchen keinen Halt an weiblichen Vertrauenspersonen in seiner Nähe finden kann. Das ist ein riesengroßer Mangel, der auch als Erwachsene kaum wieder gutzumachen ist.
Für mich waren damals Frauen, die eine geglückte weibliche und erotische Identität ausstrahlten, sozusagen Mangelware, ich habe sie mir in Büchern und Filmen zusammengesucht.
Mein erster Reflex damals war, "die Männer sind schuld", das war eine harte Zeit.
Bis ich feststellte, dass die meisten Männer überhaupt nichts dagegen haben, wenn eine Frau sexuell und überhaupt befriedigt ist.
Eher im Gegenteil, denn sie profitieren auch davon.
Es gibt eine Liedzeile, die mir da einfällt:

"if she knew what she wants, he ´d be giving it to her" - wenn sie wüsste, was sie will, würde er es ihr geben!
luggi schrieb am 29.01.2010 um 00:47
"...oder in Situationen stattfindet, die wir suboptimal oder außergewöhnlich finden?"



hier muss doch ein Video rein
Cassandra schrieb am 29.01.2010 um 00:57
Hurra, hurra, luggi ist wieder da!
weinsztein schrieb am 29.01.2010 um 01:21
Oh you my sweet & wonderful luggi :)))
Schön, dass es Dich hier wieder gibt.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 29.01.2010 um 10:03
...prust, kicher, groehl...

- der rotierende Happy-birthday-Gummipenis, der zum Schluss in der Torte landet...

- und der Hund, der unerschrocken auf das Spielzeug losgeht...

Natürlich könnte m i r sowas nicht passieren...(da ich keine elektrischen Hilfsmittel benutze, sondern da ohne Batterie oder Strom vorgehe).

2000 Dankpunkte für dieses revolutionäre Video, luggi! :))
merdeister schrieb am 29.01.2010 um 11:37
Siehe Cassi!
Wolfram Heinrich schrieb am 29.01.2010 um 11:51
@Felicitas schrieb am 29.01.2010 um 10:03
- und der Hund, der unerschrocken auf das Spielzeug losgeht...

Es gibt da so eine Geschichte von einem Mann, der des morgens nackt seine Liegestützen gemacht habe. Seine Katze, von dem baumelnden Penis angeregt, habe sich daraufhin in denselben verbissen. Als ihn die Sanitäter mit der Tragbahre die Treppe hinabtrugen erzählte er, wie es zu dem Unfall gekommen sei. Einer der Sanitäter habe dabei so lachen müssen, daß er die Bahre habe fallen lassen, worauf sich der Mann auch noch die Schulter gebrochen habe.
Für die Richtigkeit der Geschichte kann ich mich leider nicht verbürgen, ma... se non è vero è ben trovato.

Ciao
Wolfram
Titta schrieb am 29.01.2010 um 13:00
Siehe merdeister!
Siehe weinsztein!
Siehe Cassi!
Wolfram Heinrich schrieb am 29.01.2010 um 13:06
@Titta
Siehe merdeister!
Siehe weinsztein!
Siehe Cassi!


Hört, hört.

Ciao
Wolfram
Deaktivierter Nutzer schrieb am 29.01.2010 um 18:27
@ wolfram

(Siehe andy, steffi und willi!)

Uutsch, das klingt schmerzhaft, was dem Mann bei seinen Gymnastikübungen passierte...

Meine Katze greift mich auch manchmal an, wenn ich versuche, eine Yoga-Übung zu machen, weil meine Haare dann herunterbaumeln, also die Kopfhaare, o je, dieser blog ist irgendwie zweideutig ---
poor on ruhr schrieb am 29.01.2010 um 20:37
@luggi
Ich finde auch, dass man den Mädchen Ihre Sexualität zurückgeben soll.

P.S. Hi Luggi, schön Dich zu sehen. Habe Dich und den süßen kleinen Maulwurf schon vermißt. ;O)

por
Spaßguerilla schrieb am 29.01.2010 um 11:14
Wort

Liebe Mädchen,

Vorsicht! Dieses Blog ist Propaganda. DIE Wahrheit findet Ihr hier:

Iron Hymen

Und immer daran denken:

Sex ist für Schwächlinge
Rahab schrieb am 29.01.2010 um 11:49
köstlich! Wenn ich mich jetzt nicht an die Herstellung von Kartoffelpuffern machen müßte...
Titta schrieb am 29.01.2010 um 13:04
Gut, daß mein Englisch so schlecht ist!

@Rahab

Lecker! Sind noch welche übrig? (Essen soll ja bekanntlich der Sex der späten Jahre sein. Oder so. Oder so ähnlich.)
Wolfram Heinrich schrieb am 29.01.2010 um 13:09
@Titta
(Essen soll ja bekanntlich der Sex der späten Jahre sein. Oder so. Oder so ähnlich.)

Wenn das so ist, dann ist Knäckebrot die Enthaltsamkeit der späten Jahre.

Ciao
Wolfram
Titta schrieb am 31.01.2010 um 15:13
@Wolfram

Ach, mit Knäckebrot rumpelt's und pumpelt's doch auch so schön im Mund.
Wolfram Heinrich schrieb am 31.01.2010 um 15:17
@Titta
Ach, mit Knäckebrot rumpelt's und pumpelt's doch auch so schön im Mund.

Besser ist es natürlich, wenn das Knäckebrot mit einer Kleinigkeit belegt ist, einem Wildschwein etwa.

Ciao
Wolfram
Titta schrieb am 02.02.2010 um 15:30
@Wolfram

Ich bevorzuge da halbes Schwein auf Toast.
Wolfram Heinrich schrieb am 02.02.2010 um 16:54
@Titta
Ich bevorzuge da halbes Schwein auf Toast.

Die Damenportion halt.

Ciao
Wolfram
merdeister schrieb am 29.01.2010 um 12:53
Begehrt! Mich.
Titta schrieb am 02.02.2010 um 15:32
Völlig richtig. Bedürfnisäußerung ist immer der erste Schritt.
Magda schrieb am 29.01.2010 um 15:18
Mich hat die Überschrift ein bisschen erheitert. Die geklaute Sexualität, wo ist sie denn hin?

Ich denke, mit der kritisierten englischsprachigen Stelle ist eher gemeint, dass Frauen nicht immer warten sollten, bis es völlig passt, sondern lernen sollten ihr Begehren überhaupt erst einmal zu zeigen. Ich kann mich ja irren, aber das ist wirklich missdeutig.

Ich weiß auch nicht, ob man hier nun unbedingt Onanieranleitungen braucht. Ein Link ist o.k., ansonsten wimmelts davon in allen möglichen Foren und Portalen.
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