Mädchenmannschaft

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04.06.2009 | 16:53

Mädchen, mach die Augen zu

Mit den „Vagina Monologen“ gelang 1996 der New Yorker Theaterautorin Eve Ensler eine kleine Revolution: Die Interviews mit Frauen zum Thema Sex wurden seitdem wieder und wieder, und auch von prominenten Frauen, vorgetragen und diskutiert. Nun haben die vier Wissenschaftlerinnen Hülya Adak, Ayşe Gül Altınay, Nilgün Bayraktar und Esin Düzel über fünfzig türkische Frauen zu ihrer Sexualität befragt und aus den Protokollen das Buch „So ist das, meine Schöne“ gemacht. Leider finden sich darin nicht alle Texte, sondern nur 32 ausgewählte.

Wie im Vorbild „Vagina Monologe“ sprechen die Frauen über die Entdeckung ihrer Lust, über sexuelle Gewalt in ihren Ehen oder Intimitäten mit anderen Frauen: Die Studentin Gülfidan zum Beispiel denkt über Jungfräulichkeit nach:

“Später erfuhr ich, dass ich damals meine Jungfräulichkeit gar nicht verloren hatte. Darüber war ich sehr erleichtert. Dann wiederum war ich aber auch wütend, dass ich darüber froh war. War denn Jungfräulichkeit etwas, das man verlieren konnte?”

Die Krankenschwester Ceylan war zwei Mal verheiratet und kann trotzdem mit dem Wort „Sexualität“ nichts anfangen:

“Nein, davon verstehe ich wirklich nichts. Wie ich dann dazugelernt habe? Beim Lesen. Ich habe immer viel gelesen. Ich habe Bücher und Zeitungen gelesen, habe Nachrichten gehört. Ich habe Radio gehört. Ich habe sehr viel Radio gehört. Dort gab es ein paar Informationen. Was Sexualität angeht, weiß ich immer noch nicht genau, was das eigentlich ist. Ich habe zweimal geheiratet, habe mich scheiden lassen, aber weiß trotzdem nicht viel darüber. In der ersten Nacht wusste ich nicht, wie mir geschieht, danach hatte ich keine Lust mehr darauf. Mein erster Mann war mir deswegen sehr böse.”

Und die Reinigungskraft Irem bekommt zum verhassten ehelichen Sex von einer Tante den Rat: „Mein Mädchen, mach die Augen zu, beiß die Zähne zusammen, bis es vorbei ist.“

Aus den Geschichten entstand ein Theaterlesestück, das bereits vor Veröffentlichung des Buches in Diyarbakır und in Istanbul „aufgeführt“ wurde. Adak, Altınay, Bayraktar und Düzel wollen den Frauen, die ihr Buch lesen oder zu ihnen ins Theater kommen, vermitteln, dass sie mit ihren Gedanken zu Sex und Intimität nicht allein sind. Sie sollen sich in den Geschichten wiedererkennen und ermutigt fühlen. Und auch für westliche Leserinnen bieten sie etwas wertvolles: Sie geben einen Einblick in die oft verschlossene türkische Frauenseele, oder eher in viele verschiedene Seelen – denn gerade die vielen Nuancen und Unterschiede zwischen den einzelnen Frauen sind beeindruckend und machen das Projekt „So ist das, meine Schöne“ spannend.

Ein Text von Susanne@Mädchenmannschaft.net

 
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