Magda

Mal sehen

01.07.2011 | 13:31

Hintergrund einer Todesanzeige

 

Der Soziologe Dr. Gerhard Amendt – kürzlich sehr monothematisch diskutierender . Teilnehmer der WZB-Debatte - hier  und hier - ist in der Vergangenheit u.a. auch mit der Forderung aufgefallen, die „Frauenhäuser“ abzuschaffen. Sie seien Orte des Frauenhasses und manövrierten Frauen in die Opferrolle.

Er plädierte dafür, statt der Frauenhäuser lieber Familienhäuser einzurichten, weil Gewalt immer mit beiden Partnern zu tun habe. Das kann in manchen Fällen so sein, ändert aber nichts an der Notwendigkeit, zuerst einmal den von Gewalt Bedrohten und vor allem auch ihren Kindern eine Möglichkeit zum Schutz zu bieten.

Die Vermischung von Therapieangebot mit der Möglichkeit zu Rückzug und Schutz vor weiterer Gewalt, kann verhängnisvoll sein.

Dass Frauen oft mit einem eigenen Schuldgefühl auf erlebte Gewalt reagieren, ist bekannt. Dass Frauen selbst oft glauben, es sei besser, zum Partner zurückzukehren und mit ihm gemeinsam die erlittene Gewalt durchzuarbeiten, ist ebenfalls oft beschrieben.

Eine Todesanzeige macht dies deutlich. 

 

 

Hier der Link zum entsprechenden Beitrag.

 Tödliche Heimkehr

Dass Amendt mit seinen Theorien die Begleitmusik für Mittelkürzungen im Bereich der Frauenhaus-Finanzierung machte, ist ein Nebeneffekt, der nicht unerwähnt bleiben sollte.  

 

 
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Kommentare
Rahab schrieb am 01.07.2011 um 13:46
da haben wir ihn mal wieder, den 'aufgeklärten ehrenmord'!
luzieh.fair schrieb am 01.07.2011 um 15:23
ich dachte, das heißt dann "Familientragödie" respektive "-drama"?
Rahab schrieb am 01.07.2011 um 15:32
so heißt es nur, wenn er sich anschließend "selbst richtet".
luzieh.fair schrieb am 01.07.2011 um 15:43
ah.
ich hatte mich schon immer gefragt, warum einige "Geschichten" als Ehrenmorde und andere als Familiendrama bezeichnet werden.
Ich dachte ja, es sei eine gewisse Wertung in den Bezeichnungen enthalten, die auf den kulturellen (religösen) Background von Täter und Opfer zurückgeheh.
luzieh.fair schrieb am 01.07.2011 um 15:43
ah.
ich hatte mich schon immer gefragt, warum einige "Geschichten" als Ehrenmorde und andere als Familiendrama bezeichnet werden.
Ich dachte ja, es sei eine gewisse Wertung in den Bezeichnungen enthalten, die auf den kulturellen (religösen) Background von Täter und Opfer zurückgehen.
KalleWirsch schrieb am 01.07.2011 um 18:31
Ehrenmord=Muslim
Familiendrama=Hartz IV
Familientragödie=mindestens Mitte der Gesellschaft >
Familientragödie der besonderen Art=Geld- und anderer Adel

Das Ergebnis ist am Ende dasselbe.
luzieh.fair schrieb am 01.07.2011 um 15:25
das erste sollte eine Antwort auf Rahab sein und nun sollte der eigentliche Kommentar kommen:
ich mag ja Geschichten, die das Leben schreibt, aber auf diese hätte ich gerne verzichtet.

Mit Gänsehaut gelesen.
Magda schrieb am 01.07.2011 um 17:39
Ist ja auch schlimm. Aber gerade der Amendt am Montag mit seinem Gerede - der hat mich so empört. Dieses Gerede vom gemeinsamen Schicksal ob Gewalt oder Glück.

Und er: Frauenhäuser sind Orte des Männerhasses. Was nicht noch. Der erste Frauenhausfilm fällt mir ein:

"Die Macht der Männer ist die Geduld der Frauen".
luzieh.fair schrieb am 02.07.2011 um 22:18
"Die Macht der Männer ist die Geduld der Frauen".

ja, oder die Inkonsequenz...oder, tja, mir fällt leider kein anderes Wort dafür ein: wenn jemand sich nicht vorstellen kann, alleine (also, ohne rzb*-Partner) glücklich zu sein und dem Alleine-sein ein beschissene Beziehung vorzieht, dann ist doch eher Abhängigkeit und keine Geduld, oder?

Nichtsdestotrotz passt er, der Satz.

*rzb=romantische zweier Beziehung
Ullrich Läntzsch schrieb am 01.07.2011 um 17:57
Liebe Magda,

alle Zustimmung in Ihrer Empörung über diesen geistigen Neandertaler, dem ich nicht einmal die Nennung seines Namens zukommen lasse. Da haben Sie mich ganz auf ihrer Seite.

Der Vorschlag der Schießung von Frauenhäusern derart unappetitlich, und könnte verbal nur mit einer Sprache adäquat bedacht werden, die nicht die meine ist.

Wen diese Todesanzeige nicht berührt, sollte sich um seine Gefühlwelt ernsthafte Sorgen machen.

Allerbeste Grüße aus München
Ullrich

ps

Wer weiß, ob sich an anderer Stelle einmal die Frage diskutieren ließe, ob die so verdammt späte, so verdammt notwendige Anerkennung der Gleichwertigkeit von Frauen an der einen oder anderen Stelle gar ein wenig übers Ziel hinaus geschossen ist?
Anstoßen mag ich dies nicht - verstehen Sie dies?
thinktankgirl schrieb am 02.07.2011 um 14:50
Sehr unappetitlich sind auch die Kommentare im Tagesspiegel zu der Ermordung von Ulrike S.
h.yuren schrieb am 02.07.2011 um 16:20
liebe magda, das ist, zugegeben, ein frappierendes beispiel für die kriminelle gesellschaftsordnung, in der wir bislang überlebt haben.
die individualisierung genannte isolierung sehr sehr vieler menschen macht sie wehrlos, nicht bloß frauen gegenüber gewalttätigen männern. handys und netz können nur einen kleinen teil der lebensnotwendigen gemeinschaft ersetzen. früher war es nicht besser. bloß nicht zurück! der zwang, dem wir durchs gemeinwesen ausgesetzt sind, ist ja ein felsiges stück vergangenheit, das in unseren alltag hineinragt.
wenn ich nur an die kinder denke, deren eltern ziemlich hilflos vor ihnen stehen...
und die mutter schauet stumm auf dem tisch herum oder so.
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