Das ist eine Wiederaufnahme, denn vor längerer Zeit schon begann ich diese kleine Serie. Alles ein Abwasch, die dann ein bisschen einschlief.
Der Anlass dafür: Ein Kultur-oder Kunstschaffender hat in einem Interview erklärt, er und seine Frau würden sich nie im Leben einen Geschirrspüler anschaffen. Er liebe es zusammen mit seiner Frau abzuwaschen. Man rede über dies und das, es sei eine Möglichkeit, über allerlei zu meditieren.
Wir haben auch keinen Geschirrspüler - es lohnt sich einfach nicht. Und tatsächlich ist es so, dass auch wir immer am Spülbecken über allerlei Sachen reden. Also stimmt es schon: Abwaschen von Hand ist ein Kulturgut. Darum ist es legitim, eine lose Serie beginnen, in der man so etwas an die geneigte Öffentlichkeit bringt.
So entstanden einige Folgen, aber irgendwann erlahmte ich.
Aber, es ist ja nicht so, dass mein Mann und nicht mehr miteinander reden. Wir fanden nur, dass wir uns nicht so unziemlich ins Weltgeschehn’ mischen sollten, nachher passiert noch was und der Weltgeist hält inne, kommt zum Abwaschbecken und fragt: Wer ruft mir? Oder er sitzt als Flaschengeist direkt im Abwaschmittel. Jetzt aber finde ich eine Neubelebung ganz gut und sinnvoll. Also waschen wir wieder ab.
Der heutige Anlass des Abwaschdialogs war ein trauriger: Der 11. September nämlich. Wir erinnerten uns an diesen Tag vor 10 Jahren. Wir machten Urlaub am Bodensee und fuhren fast jeden Tag mit dem Bus von dem kleinen Ort Heiligenberg, wo wir unser Quartier hatten, nach Überlingen, von wo wir allerlei Ausflüge machten. Wir freuten uns an der gepflegten Bürgerlichkeit dieser kleinen Stadt, an den Menschen, am See, an der Altstadt mit ihren Cafes und Marktständen. Es war ein wunderbares Wetter.
Wenn wir wieder an der Bushaltestelle standen, freuten wir uns auf die Fahrt zurück, die eine Dreiviertelstunde währte und trotzdem sehr kurzweilig war.
Wenn es sich machen ließ, setzten wir uns schräg hinter den Busfahrer, weil man von da eine schöne Aussicht nach vorn hat.
Das ist bestimmt
nur ein Hörspiel
Diesmal auf der früheren Heimfahrt, hörten wir im Radio des Busfahrers etwas von New York, Bomben, Feuer, Verwirrung. Ich sagte zu meinem Mann, dass das bestimmt ein Hörspiel ist, es erinnerte mich an die bekannte Geschichte von Orson Welles, dessen Hörspiel "Krieg der Welten" so authentisch gewirkt hatte, dass es bei der ersten Sendung in New York eine Panik auslöste. Aber die fortdauernden Reportagen machten deutlich, dass das kein Spiel war. Wir schalteten, gleich als wir in unserem Quartier angekommen waren, das Radio an und verfolgten diesen und die nächsten Tage die Sondersendungen.
Daran erinnerten wir uns heute, aber – wie immer im Leben – kamen wir ab. Wir überlegten gemeinsam, welche Ausflüge wir eigentlich so von Überlingen aus gemacht hatten. Wie hieß bloß der hübsche kleine Ort, den wir – mit dem Schiff von Mainau kommend – angesteuert hatten? Ach ja, Meersburg war das. Wie war es eigentlich in Konstanz? Die Hafeneinfahrt hatte uns dort so gut gefallen. Und die Rheinfälle von Schaffhausen haben wir doch auch noch gesehen. Und dort auf dem Bahnhof hatte ein ganz schräger und versoffener Eidgenosse über seine Landsleute allerlei Abwertendes gesagt, von dem wir leider das meiste schon damals nicht verstanden oder aber wieder vergessen haben. Und mein Mann hatte es damals am Fuß und doch versäumt, Sandalen mitzunehmen, in denen er gut laufen konnte. Also kauften wir in Friedrichshagen teure, neue Sandalen, die noch heute Dienst tun. usw. usw.
So kamen wir vom Hundersten ins Tausendste. So ist nun mal der Mensch. Er hängt an seinen eigenen Lebensfäden und – läufen und nimmt sogar so ein Katastrophenereignis als Eckpunkt und Gedächtnisstütze.
Schürze ab, Handtuch über den Trockner. Ende für heute
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