Magda

Mal sehen

19.08.2009 | 09:39

Auftrag an die Medien: Mehr Dienst wagen

Bei Deutschlandradio Kultur

www.dradio.de/dkultur/

In der Morgensendung ein inszeniertes kleines Streitgespräch zwischen der Leiterin des Hauptstadtstudios des Deutschlandfunks, Sabine Adler, und einem Medienwissenschaftler.

Thema: die bis zum Erbrechen ausgewalzte Dienstwagen- Affäre der Ulla Schmidt, die sich aber – einstimmige Meinung – nicht pflichtwidrig verhalten hat. Nur ungeschickt im Umgang mit den Medien.

Aber von seiten des Deutschlandradio Kultur eigensinniges Beharren darauf, dass Ulla Schmidt selbst das Problem sei, auf der anderen Seite die Bekräftigung der These, dass die Medieninszenierung inzwischen überdeutlich geworden ist. Das Problem ist Ulla Schmidt, deshalb weil sie gesagt hat, „das stehe ihr zu“. Auf Nachfrage wird eingeräumt, dass der Satz geschnitten wurde: Vollständig habe sie gesagt: Es steht mir zu, wie anderen Politikern auch.

 

Wer orchestriert den Mainstream?

Der Medienwissenschaftler verwendete für das ganze Getöse ein sehr schönes Wort: Orchestrierung der Mainstream-Medien. Und wo orchestriert wird, da sitzt auch jemand, der den Takt vorgibt. Einen Gleichtakt, zum Beispiel. Von Gleichschaltung, nee, davon darf man nicht reden. Aber vielleicht von automatischem Mediengetriebe,  bei dem sowieso niemand mehr selbst irgendwas einlegt, zum Beispiel einen Einspruch gegen dieses unwürdige Herumskandalisieren.

Nein, natürlich sitzt da keine Organisation, aber es sitzt da u.a. ein Meinungskonzern – benannt nach einer Schachfigur. Klar. Und ein sogenanntes juste milieu, dem man nach dem geneigten Munde redet.

 

Immerhin: Es ist ein Zeichen von Medienselbstkritik, wenn so ein kleiner Disput neben all den Dienstwagen-Gerede den Weg in die Öffentlichkeit findet. Vielleicht ein Zeichen dafür, dass man mehr Dienst wagen will – diesmal am kritischen Hörer, es wäre zu hoffen.

 
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Kommentare
poor on ruhr schrieb am 19.08.2009 um 14:53
Absolut interessant. Das wäre wirklich wünschenswert, wenn man bei den Medien mehr Dienst wagen will, aber mehr Dienstwagen muss nicht sein!
Joachim Petrick schrieb am 19.08.2009 um 21:14
Liebe Magda,
du greifst ja dem Medien Stier mit dem Namen einer Schachbrettfigur richtig bei den Hörnern. Bravo!

Sonst kann der bizarre Sicherheitsbedarf für Spitzenpoitiker/innen, -manger/innen nicht bizarr genug und vor allem kostenaufwendig sein, samt Bodyguards, gepanzerten Limusinen der S- und A- Klasse, das soll nun alles beim Dienst im Urlaub nicht stimmen?
Nachhaltiger als am sogenannten Fall "Ulla Schmidt" kann man den ganzen Sicherheitswahn nach Nine Eleven gar nicht dementieren!, oder?

Schaffen wir doch einfach das Dienstwagenprivileg für das Spizenpersonal unserer Republik ab, sollen die doch auch im Dienst Rad fahren, wo sie doch in der Politik durch die parlamentarische Bank und vorparlamentarischen Verbände, Kirchen, Gewerkschaften, Stiftungen längst ein Rad abhaben.

Übrigens stellt sich Frank Walter Steinmeier mit aufgerissenem Hemd und offener Brust kühn wie heldisch vor Ulla Schmidt, damit er nicht hinter ihr u stehen braucht, für die nächsten Ulla Schmidt Fälle.
Da die inbeded Medien sich nicht mehr trauen Spitzenpersonal unserer Republik in der Sache fundiert zu kristisieren, fordern und fördern sie von Fall zu Fall deren Absturz ins Sommerloch, als ob es noch Menschenopfe für den Sommergott gebe!?
JP
h.yuren schrieb am 19.08.2009 um 22:55
liebe magda,
das kann ich nur zu gut verstehen. die meinungsbildung/mache ist doch aber in allen westlichen demokratien eine ganz ähnliche. das grundrecht auf freie meinungsäußerung wird generell bis zum zerreißen strapaziert.
wenns einen selber trifft oder zumindest was angeht, ist eine betrachtung der journaille wie von außen als schwarmverhalten nicht sehr naheliegend. empörung ist angemessen.
für mich hat sich das thema erledigt nach der medialen begleitung des jugoslawienkriegs hierzulande. anschließend die medien in den usa zum irakkrieg mit bush. eine sauce.
du fragst: "Wer orchestriert den Mainstream?" eine rhetorische frage in der klassengesellschaft.
zu dem medienkonzern, benannt nach einer schachfigur, fällt mir noch eine weitere schachfigur ein, die wichtigste im spiel. sagt man.
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